18.07.2015, 08:50 Uhr

Märchen als Predigttext Bersenbrück: West-östlicher Gottesdienst


Bersenbrück. Musik setzte ein, als die Glocken der Bonnus-Kirche in Bersenbrück am Mittwoch um 8.30 Uhr verstummten. Doch statt eines christlichen Chorals vernahm man orientalische Klänge. Diese gehörten zu einem speziellen Gottesdienst, den Berufsschulpfarrer Uwe Brand und eine Erzieherklasse der BBS Bersenbrück zelebrierten. Anlass war die Entlassung der Schüler des Berufsvorbereitungsjahres (BVJ) und der Berufseinstiegsklassen (BEK).

Der vom Vorbereitungsteam „verordnete“ Predigttext bestand aber nicht aus einem Apostelbrief, sondern aus dem Märchen „Der Lohn der auf Gott Vertrauenden“ aus den Geschichten aus 1001 Nacht. Das Märchen wurde nicht nur erzählt, sondern von den angehenden Erzieherinnen und Erziehern spielerisch in Szene gesetzt. Ganze zwei Monate und ein zweitägiges Seminar hatte man für die Vorbereitung aufgewendet. Unterbrochen wurden die einzelnen Szenen immer wieder durch die Musiker, muslimische Schüler des BVJ, die durch ihr professionelles Spiel das Publikum zu spontanem Applaus und Tanz hinrissen.

„Das war ein Ziel meines integrativen Projektes, bei dem mich die Schule und die evangelische Landeskirche großzügig unterstützt haben“, so Brand. Durch die Einbindung in den Gottesdienst wollte er die Begabungen seiner muslimischen Schüler fördern, zugleich aber auch das Ende der Schulzeit und den bevorstehenden Eintritt ins Berufsleben der Schülerinnen und Schüler unter den Segen Gottes stellen.

In dem Märchen geht es um die Rettung einer schiffbrüchigen Familie, die mithilfe eines Netzes gelingt.

Brand wies darauf hin, dass man zu Beginn des Schuljahres ein Netz geknüpft habe, das symbolisch durch die Schulzeit tragen sollte. Seine folgenden Worte erinnern an die berühmte Ringparabel aus Lessings Drama Nathan der Weise: „Das gelingt mit der allumfassenden Macht des Universums. Egal, ob man sie Gott, Jahwe oder Allah nennt.“

Entsprechend kam das Netz noch einmal zum Einsatz. Es wurde als Zeichen der Verbundenheit mit Gott entknüpft und unter den Anwesenden als Andenken verteilt.

So schloss sich am Ende des Gottesdienstes der Kreis. Die Musik setzte erneut ein, und die bunte Gemeinde, bestehend aus christlichen und muslimischen Schülerinnen und Schülern sowie etlichen Lehrkräften, zog aus.

Nicht schweren Schrittes, sondern mit leicht beschwingtem Tanze. Orient traf Okzident.


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