24.01.2016, 11:35 Uhr

Meinungen gehen auseinander In Quakenbrück darf der Hund nicht mit ins Grab


Quakenbrück. Das Haustier ist in vielen Familien ein festes Mitglied. Die Kinder sind mit dem Hund aufgewachsen oder der Vierbeiner war der treue Begleiter des Witwers über den Tod der eigenen Frau hinaus. In jedem Fall besteht eine enge Beziehung zu dem Tier. Was spricht da noch gegen ein gemeinsames Grab für Mensch und Tier? Die Meinungen über das Haustier im Familiengrab gehen jedoch auseinander. Auf den Quakenbrücker Friedhöfen ist eine gemeinsame Bestattung bislang nicht erlaubt.

Im rheinland-pfälzischen Braubach und im nordrhein-westfälischen Essen erlaubten 2015 deutschlandweit die ersten Friedhöfe eine gemeinsame Bestattung von Mensch und Tier. Anlässlich eines Artikels in der christlichen Fachzeitschrift „Stimmen der Zeit“ diskutieren Quakenbrücker, ob eine ähnliche Regelung auch hier im ländlichen Raum möglich wäre und ob sie überhaupt gewollt ist.

Pfarrer: Es gibt einen klaren Unterschied zwischen Mensch und Tier

Bernhard Lintker, Pfarrer der katholischen Pfarreiengemeinschaft im Artland, sieht einen klaren Unterschied zwischen Mensch und Tier. Aus diesem Grund müsse es auch eine getrennte Bestattung geben. „Der Respekt vor der Schöpfung ist eine christliche Überzeugung und dazu zählen auch Tiere und Pflanzen“, sagt Pfarrer Lintker. Doch er gibt zu bedenken, dass in der Gesellschaft das Haustier eine andere Wertigkeit besitze als zum Beispiel ein Masttier. „Wo liegt hier die Grenze?“, fragt er.

Katholische Gemeinden im Artland planen keine Änderung

Für die Kirchengemeinden in Quakenbrück und Badbergen, die in seiner Zuständigkeit liegen, entscheide der Kirchenvorstand über eine Änderung der aktuellen Friedhofssatzung. „Selbst wenn der Vorstand für eine gemeinsame Bestattung stimmen würde, hätte in diesem Fall das Bistum ein Mitspracherecht“, erklärt Lintker. Er selbst gehe aber davon aus, dass sich in den Gemeinden im Artland keine Mehrheit für einen solchen Beschluss finden würde. Als Grund nennt er vor allem, dass es auf dem Land ein anderes Verhältnis zwischen Mensch und Tier gebe als in der Stadt. Selbst der Hund komme noch immer als Nutztier auf Höfen zum Einsatz, sagt der Pfarrer.

Noch keine Anfragen im Bistum Osnabrück

Tatsächlich hat das Bistum Osnabrück bislang noch keine Anfrage aus den Gemeinden bekommen, die Friedhofssatzung zu ändern, bestätigt Hermann Haarmann, Pressesprecher des Bistums. Er weist jedoch daraufhin, dass eine Beerdigung von Mensch und Tier laut dem niedersächsischen Bestattungsgesetz zurzeit nicht möglich ist. Gleichzeitig erklärt der Bistumssprecher, dass der Verlust eines Haustieres ein Thema sei, dass nicht nur aus rechtlicher Sicht zu betrachten sei, sondern auch eine „ethische und moralische Dimension“ habe. Konkret denke er dabei an Trauerbegleitung für Menschen, die ein geliebtes Tier verloren haben.

Enge Verbindung zwischen Mensch und Tier

Durch seine tägliche Arbeit kennt Emanuel Holle die enge Verbindung, die zwischen den Tierhaltern und ihren tierischen Begleitern entstehen kann. Er ist Leiter für den Vertrieb und die Öffentlichkeitsarbeit im Kleintierkrematorium in Badbergen. Gut kann er den Wunsch nach einer gemeinsamen Bestattung verstehen. Er verweist auf das Unternehmen „Unser Hafen“. „Hier werden die Aschen von Mensch und Tier gemeinsam bestattet“, erklärt Emanuel Holle. Dieser Weg sei für Nicht-Tierhalter eher nachzuvollziehen, meint er, denn Verständnis gegenüber Menschen, die weniger mit Tieren anfangen können, sei auch in dieser Frage wichtig. „Nach meiner persönlichen Einschätzung glaube ich nicht, dass die Bestattung von Tierkörpern auf regulären Friedhöfen stattfinden wird, da sich viele Angehörige von bestatteten Menschen dagegen wehren würden“, vermutet Emanuel Holle abschließend.

Quakenbrückerin hat Verständnis für Wunsch von Tierbesitzern

Gerade einen treuen Begleiter verloren hat die Quakenbrücker Familie Schröder. Seit 13 Jahren war Hündin „Kacy“ ein Teil der Familie, erzählt Mutter Alexandra Schröder. Vor vier Wochen ist sie gestorben. Schröders haben „Kacy“ in ihrem Garten vergraben. „Sie war immer hier, dann soll sie auch nach ihren Tod in unserer Nähe sein“, findet Alexandra Schröder.

In Deutschland dürfen tote Tiere auf dem eigenen Grundstück bestattet werden. Allerdings benötigen die Besitzer eines größeren Tieres die Erlaubnis des Veterinäramtes. Und sie müssen einige Regeln einhalten, wie eine ausreichende Tiefe des Grabes.

Alexandra Schröder kann es aber gut nachvollziehen, dass Menschen gemeinsam mit dem Haustier begraben werden wollen. „Ich bin nicht dagegen, das soll jeder für sich entscheiden dürfen“, sagt sie.


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