31.05.2015, 18:45 Uhr

Die große Welt im Kleinen „Fest der Kulturen“ zeigt, wie bunt Quakenbrück ist


Quakenbrück. Ob tatsächlich alle 74 Nationen Quakenbrücks auf dem „Fest der Kulturen“ vertreten waren, weiß Mitorganisatorin Franziska Pohlers auch nicht genau. Die Kulisse für ein bunt gemischtes Multikulti bildet der Marktplatz am Sonntag auf jeden Fall. Ein Höhepunkt ist das internationale Brunchbüfett. Daneben runden Musikbeiträge das Programm ab.

Nach dem ökumenischen Gottesdienst in der Quakenbrücker St.-Marien-Kirche geht das „Fest der Kulturen“ erst richtig los. Ein traditionell afrikanisch gekleideter Musiker aus Ghana trommelt die Menschen der Burgmannstadt an diesem Sonntag auf dem Marktplatz zusammen. Immer mehr versammeln sich vor der extra errichteten Bühne zu Füßen der katholischen Kirche.

Das Stimmengewirr ist international: Russische Sprachfetzen liegen in der Luft, griechische Klänge oder türkische, einige ältere Besucher unterhalten sich auf Plattdeutsch. Allein ein Blick auf das gemischte Publikum dürfte den Organisatoren gefallen haben, denn das Ziel, die verschiedenen Menschen der Stadt zusammenzubringen, scheint funktioniert zu haben. So sagt dann auch die federführende Organisatorin Franziska Pohlers: „Klappt doch eigentlich alles gut.“ Die Anspannung von Wochen der Organisation scheint am internationalen Büfett stehend von ihr abzufallen. Diese Idee bestand darin, dass Menschen aus unterschiedlichen Ländern, Speisen ihrer Heimat mitbringen. Dies beruht auf Freiwilligkeit, und im Vorfeld wusste keiner so genau, wer was mitbringt und ob überhaupt ausreichend zusammenkommt.

Letztendlich diente das Büfett zwar nicht zum Sattessen, aber jeder, der früh genug eintraf, hatte die Gelegenheiten, Häppchen von nah und fern zu kosten. „Ich weiß zwar nicht genau, was ich hier esse, aber es sieht aus wie Nudelsalat und schmeckt köstlich“, verkündete Theresa Uptmoor, eine Besucherin des Festes.

Stadtdirektor Claus Peter Poppe betont in einer kurzen Ansprache die Bedeutung des gemeinsamen Speisens für ein gutes Miteinander. Und so sitzen an langen Bänken Menschen unterschiedlicher Herkunft zusammen und probieren das ungewohnte Essen auf ihren Tellern.

Zwischendurch ertönen immer wieder die Stimmen von Pastor Wolfgang Thon-Breuker und der stellvertretenden Bürgermeisterin Tülay Tsolak. Die beiden übernehmen die Moderation des Festes und stellen in ihrer Funktion einige der Stände vor, die sich präsentierten. Beim InVia-Mädchentreff haben Kinder die Chance, aus Papierstreifen afrikanische Perlen herzustellen. Oder künstlerisch können sich die Kleinen an aufgestellten Leinwänden der Kindertagesstätten betätigen.

Überhaupt bietet dieser Sonntag den Familien ein breites Programm. Auf der Bühne singt der deutsch-russische Chor „Wir“ in traditionellen russischen Gewändern. Grundschüler zeigen ein Potpourri aus gelernten Liedern und Familienschola, Posauenchor und Patchwork Voices führen gemeinsam eine „Musikalische Weltreise“ auf. Außerdem steht der Popchor der Oberschule Artland auf der Bühne und der Philharmonische Chor unter der Leitung von Ji Kyung Lee.

Das Theaterstück „Ich bin wichtig! Wir sind wichtig!“ zeigt das interkulturelle Theaterprojekt des Caritasverbandes in Kooperation mit dem Verein „Wir“ und der Theaterwerkstatt Quakenbrück.

Mit etwas Verspätung hat der islamische Kulturverein den Grill für Lammspieße und Köfte angeheizt. Umringt von Hungrigen, denen der Grillgeruch in die Nase steigt, verkaufen sie dem großen Andrang türkische Pizza und Lahmacun. Die Frauen des Vereins haben in Weinblätter eingerollten Reis, Baklava und Sesamgebäck vorbereitet, um sie an die Besucher zu verteilen. Die Einnahmen der Stände kommen der Flüchtlingsunterkunft in Bramsche zugute. „Wir kaufen von dem Geld hauptsächlich Unterwäsche oder Schuhe in Übergröße“, sagt Natalia Gerdes von der Diakonie.

Insgesamt feierte eine ganze Stadt die gemeinsame Vielfalt und ein Miteinander, das vielleicht nicht immer zu hundert Prozent an jeder Stelle funktioniere, sagte Stadtdirektor Claus Peter Poppe. Aber kleine Schritte, zu denen auch das „Fest der Kulturen“ gehöre, würden weiter in die richtige Richtung führen.


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