20.08.2014, 19:18 Uhr

Schlesier und Kosmopolit Joachim Sobotta: Am Artland-Gymnasium Abi gemacht


Quakenbrück. „Wenn unsere Familie sich trifft, wird es international“: Eine bezeichnende Aussage für einen prominenten Vertreter der Nachkriegszeit, der stets bodenständig blieb und doch so etwas ist wie ein Kosmopolit. Joachim Sobotta, geboren 1932 in Glatz im Osten Deutschlands, später im Schatten des Artländer Doms aufgewachsen und irgendwann zum Rheinländer geworden, war als Chefredakteur der „Rheinischen Post“ weltoffen, liberal, aber auch konservativ – im werterhaltenden Sinne.

„Ich bin ein schlesischer Niedersachse“, springt Sobotta mitten hinein in seine wechselvolle Lebensgeschichte. Der heute 82-Jährige flüchtete 1946 mit Familie in die BRD und landete in Ankum. „Dort habe ich Plattdütsch gelernt und mich frühmorgens mit dem ‚Bersenbrücker Schienen-Zeppelin‘ nach Quokenbrügge gequält.“ Erfolge in der Leichtathletik und das Paddeln im RGQ hielten ihn fit. Noch heute – nach über 60 Jahren – pflegt er als Mitglied des Ehemaligenvereins Kontakte zu alten Kameraden, „zum Beispiel zu Middendorfs Jupp in Westerholte“.

Pädagogen wie Wilhelm Benter („…seit 1948 mein Direx“) oder die Studienräte Bunnenberg und de Buhr prägten den Pennäler. Früh reifte am Artland-Gymnasium sein Entschluss, Journalist zu werden. Schon kurz nach dem Abitur 1951 klopfte er bei der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ)“ an – und wurde prompt eingestellt, zunächst als Volontär, später als Jungredakteur.

Sein weiterer Weg an den Universitäten in Berlin und München war eher unorthodox: „Ein guter Kollege gab mir den Tipp, Jura zu studieren.“ Das notwendige Kleingeld habe er sich mit Semesterarbeit bei der WAZ verdient. Seine Promotion zum Dr. jur. verfasste er 1972 – natürlich mit einem Thema aus dem Journalismus.

1959 bis 1963 die Anstellung bei der „Deutschen Zeitung und Wirtschaftszeitung“, dann der Wechsel nach Düsseldorf: „Die ,Rheinische Post‘ hat mich angeworben“, schmunzelt Sobotta. Mit einer Auflage von 400000 war die RP größte Zeitung im Rheinland. Schon 1969 wurde er Chefredakteur – und ist es 28 Jahre lang geblieben.

Unter seiner Ägide wandelte sich die RP zu einem „meinungsfreudigen, häufig zitierten Blatt“, betonte NRZ-Chefredakteur Jens Feddersen 1992. Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) bescheinigte ihm einen „sachkundigen, unabhängigen und verantwortungsbewussten Journalismus“.

Wie sehr die Galionsfigur der früher rein konservativen Zeitung auch die Politiker konträrer Lager beeindruckt hat, drückte NRW-Ministerpräsident Johannes Rau (SPD) bei der Verabschiedung im Jahr 1997 so aus: Er habe Sobottas Kommentare „nicht immer zustimmend, aber mit Gewinn“ gelesen.

Und sonst? Er war Vollblutjournalist, keinesfalls bequem, ein „Mann mit Ecken und Kanten“, erhielt 1990 den renommierten Theodor-Wolff-Preis für Journalismus. Sogar sehr originelle Titel wurden ihm verliehen: So ehrte man ihn 1984 als „Eselsohrenträger“ der Stadt Wesel – ausgezeichnet für seinen Mut, die Berufung zum WDR-Fernsehdirektor abzulehnen.

Mit Sobottas jüngster Aussage schließt sich der Kreis: „Wir sind eine polyglotte, weltweit operierende Familie“, lacht der Pensionär. Am Wohnsitz in Meerbusch träfen sich jährlich drei Kontinente: Europa, Amerika und Afrika. Beweis: Seine Ehefrau ist eine Deutsche aus Uruguay, Sohn Robert leitet das Goethe-Institut in Accra/Ghana.

Verpflichtungen halten Sobotta heute noch in Atem. „Für Hobbys habe ich keine Zeit“, sagt er. Im AGQ-Ehemaligenverein gilt er längst als Urgestein. „Er ist unsere graue Eminenz“, bekräftigt Schriftführer Heiko Bockstiegel. Ehrensache, dass „Jochen“ beim großen Jahrestreffen am 30./31. August in Quakenbrück wieder dabei sein will: „Wenn ich es schaffe“, fügt er hinzu.


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