02.01.2014, 09:51 Uhr

Neujahrskonzert „Wiener Walzerkönige“ bei Quakenbrücker Musiktagen


Quakenbrück. Tradition wird auch in Quakenbrück groß geschrieben, besonders zum Jahreswechsel. Und hier wie beispielsweise in Wien geht es nicht nur um einen beschwingten Rutsch ins Neue Jahr, sondern vielmehr um die Kunst, die wienerischste aller Musik richtig zu interpretieren. Genau dieses geschah beim Neujahrskonzert „Wiener Walzerkönige“ der Quakenbrücker Musiktage, wobei sich die Großpolnische Philharmonie Kalisch unter dem Dirigat von Volker Schmidt-Gertenbach und die Koloratursopranistin Lilla Galambos blendend aufgelegt als echte Glücksgriffe erwiesen.

Das Quakenbrücker Neujahrskonzert bestach durch seine originelle und zum Teil auch ausgefallene Programmauswahl mit so mancher Rarität. Fast war es mit einem Pendel zu vergleichen, das durch den europäischen Kulturraum des 19. und frühen 20. Jahrhunderts schwingt. Auf ein neues Jahr positiv einzustimmen, das ist mit dieser Gala, die vor allem die Ära der goldenen und silbernen Operette lebendig werden ließ und damit ihre Zeitlosigkeit unter Beweis stellte, gelungen.

„Fast 30 Jahre Quakenbrücker Musiktage, das ist eine Marke in der regionalen Musikszene mit großen Interpreten“, betonte Schirmherr Bürgermeister Claus Peter Poppe zu Beginn. Verbunden mit seinem Dank an Intendant Günter Schuhriemen, sein Team und die Sponsoren stellte er mit Genugtuung fest, dass die multifunktionale Artland Arena nicht nur eine „Drachenhöhle“, sondern auch ein „Musiktempel“ sei. Zum Neujahrskonzert erwartete das Publikum ein europäisches geprägtes Programm, wobei natürlich der österreichische Anteil titelgemäß überwog.

In geschmackvoller Zusammenstellung präsentierte sich bereits der erste Programmteil mit seinem Wechsel aus Klassik und Operette. Antonin Dvoráks Slawischer Tanz Nr. 1 C-Dur op. 46 kam dabei ebenso lebendig herüber wie Johannes Brahms‘ noch populärerer Ungarischer Tanz Nr. 5 g-moll. Carl Maria von Webers bekanntestes Konzertstück, die charmante“Aufforderung zum Tanz“, wurde perfekt anmoderiert von Dirigent Volker Schmidt-Gertenbach. Die offizielle Rolle des Conférenciers mit Wissenswertem zu den einzelnen Stücken, aber auch Anekdoten und Kurzweiligem übernahm dann aber Rainer Zagovec.

Dass ein Neujahrskonzert nicht nur aus Werken der Strauss-Dynastie bestehen muss, wurde an diesem Abend deutlich. Es zeigte, dass es auch andere gute Komponisten gab. Den Beweis dafür lieferten sorgfältig ausgewählte musikalische Delikatessen wie der Walzer aus Peter Tschaikowskys „Schwanensee“, Franz von Suppés Ouvertüre zu „Banditenstreiche“ und Moritz Moszkowskis Spanischer Tanz C-Dur op. 12. Das Orchester überzeugte durch einen eleganten, stets sehr gut phrasierten, durchsichtigen und mitreißenden Klang, der das typisch Wienerische, etwa beim „Perpetuum mobile“ von Johann Strauss Sohn und Franz Lehárs Walzer „Gold und Silber“, detailliert herausarbeitete.

So unterschiedlich die Stilrichtungen des Programmes auch waren, die sympathischen Künstler unterstrichen ihre Flexiblität und ihr Gespür für jedes einzelne Werk. Maßgeblichen Anteil daran hatte auch die Koloratursopranistin Lilla Galambos, die sich als besonderes Plus des Neujahrskonzertes die Gunst des Publikums eroberte. Sie war einfach eine Attraktion für Ohren und Auge, denn sie meisterte die heikle Arie der Königin der Nacht aus Mozarts „Die Zauberflöte“ ebenso leicht und souverän wie Luigi Arditis „Il bacio“ (Kusswalzer) und den Frühlingsstimmenwalzer sowie das Couplet der Adele aus der „Fledermaus“ von Johann Strauss Sohn. Die jeweiligen Kostümwechsel bildeten dazu noch das I-Tüpfelchen.

Nach Siegfried Translateurs Walzer „Wiener Praterleben“, als „Sportpalastwalzer“ und Erkennungsmelodie des Berliner Sechstagerennens viel populärer, versprach Josef Strauss‘ Schnellpolka „Ohne Sorgen“ ein hoffentlich gutes Omen für 2014. Den Kehraus des Neujahrskonzertes bildete traditionell der Radetzky-Marsch von Johann Strauß Vater. Mit dieser so ganz und gar nicht kriegerischen, sondern liedhaft-fröhlichen Komposition beendete das eingangs erwähnte Pendel seine musikalische Europareise in Wien, der Walzerstadt schlechthin.


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