15.11.2016, 18:32 Uhr

Appell bei Busemann-Besuch in Rhede Emsland: Fachkräftemangel im Handwerk nimmt zu

Zu dem Treffen mit Landtagspräsident Bernd Busemann (5.v.l.) im Ems-Dollart-Handwerkerzentrum (EDZ) in Rhede hatte die Kreishandwerkerschaft Aschendorf-Hümmling eingeladen, links im Bild Geschäftsführer Hermann Schmitz, neben ihm EDZ-Geschäftsführer Günter Terfehr. Foto: Daniel Gonzalez-TepperZu dem Treffen mit Landtagspräsident Bernd Busemann (5.v.l.) im Ems-Dollart-Handwerkerzentrum (EDZ) in Rhede hatte die Kreishandwerkerschaft Aschendorf-Hümmling eingeladen, links im Bild Geschäftsführer Hermann Schmitz, neben ihm EDZ-Geschäftsführer Günter Terfehr. Foto: Daniel Gonzalez-Tepper

Rhede. Der Mangel an Fachkräften im Handwerk spitzt sich zu. Die Hoffnung, Flüchtlinge könnten massenweise die freien Stellen im Emsland belegen, hat sich bisher nicht erfüllt, heißt es von der Kreishandwerkerschaft Aschendorf-Hümmling.

Dem Handwerk im nördlichen Emsland geht es prächtig, bei vielen Betrieben sind die Auftragsbücher so voll, dass sie sogar Aufträge ablehnen müssen oder Auftraggeber mit wochenlangen Wartezeiten rechnen müssen. „Wir bilden überproportional aus, im Vergleich zur Industrie sogar doppelt so viel. Trotzdem haben wir große Probleme, den Bedarf an Facharbeitern überall zu erfüllen“, sagte Hermann Schmitz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aschendorf-Hümmling, bei einem Besuch von Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) im Ems-Dollart-Handwerkerzentrum (EDZ) in Rhede.

Er blickte mehr oder weniger enttäuscht auf die Initiativen zurück, die die Zunft in den vergangenen Jahren betrieben hat, um junge wie ältere Menschen zu einer Tätigkeit im Handwerk zu bewegen. „Wir haben es in der Region Wilhelmshaven probiert, als es hieß, dort gibt es viele arbeitslose junge Menschen. Dann haben wir gemeinsam mit der Ems-Achse Spanier zu uns eingeladen. Dann gab es mehrere Initiativen in den Niederlanden. Zuletzt haben wir euphorisch auf den Zuzug der Flüchtlinge geblickt. Den Fachkräftemangel behoben hat bisher keine dieser Initiativen“, resümierte Schmitz enttäuscht.

Seiner Ansicht nach kommen arbeits- und bleibewillige Flüchtlinge zu spät in die Betriebe. „Es ist richtig, dass sie zunächst Grundkenntnisse der deutschen Sprache erlernen. Aber muss das über Monate acht Stunden am Tag sein?“, fragte der Geschäftsführer. Sein Vorschlag: Morgens sollten die geeigneten Asylbewerber zum Anlernen in die Betriebe kommen, nachmittags zum Deutschunterricht in die Bildungseinrichtungen.

Busemann appelliert an junge Menschen

„Ich kann Ihnen natürlich auch nicht die Welt gesund beten“, begann Busemann seine Stellungnahme zu dem Thema. Die Wirtschaft im Emsland, insbesondere auch das Handwerk, haben eine „wahnsinnige Entwicklung“ hinter sich, so der Dörpener Landespolitiker. Dazu gehöre auch eine annähernde Vollbeschäftigung. Gleichzeitig sei auch die Geburtenzahlen in unserer Region nicht so hoch, dass sie sämtliche Probleme lösen könne. „Mein Appell an junge Menschen ist: Es muss nicht immer das Studium sein!“, sagte Busemann.

Gesellen und Meister im Handwerk würden „sehr gutes Geld verdienen“, und das bereits kurz nach ihrer Ausbildung, die Perspektiven seien hervorragend. „Und im Handwerk gibt es nicht nur ,Schietjobs‘“, sagte der CDU-Politiker, der an die versammelten Unternehmer appellierte: „Sie müssen die Vorzüge ihrer freien Stellen noch deutlicher machen und beispielsweise Studienabbrechern Einfädelspuren bieten.“

Verfahrensdauer noch immer zu lang

Zum Thema Flüchtlinge sagte Busemann: „Die Verfahrensdauern haben sich zwar verkürzt, sind mit durchschnittlich fünf Monate aber immer noch zu lang.“ Bei klaren Fällen, also eindeutiger Bleibeperspektive oder nicht, müssten sie 14 Tage dauern. „Wer sprachlich über Grundkenntnisse verfügt und ein ordentlicher Kerl ist, sollte auch arbeiten dürfen. Das würde beiden Seiten helfen“, sagte Busemann vereinfacht.


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