09.11.2016, 10:59 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Teil einer bundesweiten Razzia Bundespolizei nimmt mutmaßlichen Schleuser in Papenburg fest


Papenburg. Die Bundespolizei hat am frühen Mittwochmorgen gegen 6 Uhr am Osterkanal in Papenburg einen bundesweit gesuchten Schleuser festgenommen. Der Einsatz war Bestandteil eines bundesweiten Einsatzes.

Bei dem Festgenommenen handelt es sich um einen Mann syrischer Herkunft. Neben Papenburg gab es auch in Bocholt im nördlichen Nordrhein-Westfalen eine Festnahme eines Syrers. Weitere Details zu den beiden Person, zum Beispiel das Alter, nannte die Bundespolizeiinspektion Kriminalitätsbekämpfung München, die für die Ermittlungen in diesem Fall zuständig war und auch den Einsatz in Papenburg koordiniert hatte, auch auf Nachfrage nicht. Weitere Einsätze in Niedersachsen gab es nicht.

Der Einsatz in Papenburg galt einer Unterkunft gegenüber der Tankstelle auf der Straße. Der Wohnkomplex besteht aus mehreren Wohnungen, in der Monteure, aber auch Asylbewerber wohnen. Die Bundespolizei war am Osterkanal mit sechs Fahrzeugen angerückt. Die Beamten gingen radikal zur Sache. Weil die Bewohner zunächst die Türe nicht öffneten, wurde eine Scheibe der Türe eingeschlagen, um in die Wohnung zu kommen. Am Vormittag hatte der Eigentümer nach einer Bestandsaufnahme der Sachbeschädigungen, die von der Bundespolizei getragen werden, das Loch mit Brettern abgedichtet.

Bundesweit hatten in den frühen Morgenstunden mehr als 300 Beamte acht Wohnungen in insgesamt sieben Bundesländern durchsucht. Dabei wurden sechs Haftbefehle vollstreckt. Neben Niedersachsen waren Schleswig- Holstein, Hamburg, Nordrhein-Westfalen, Berlin, Hessen und Bayern betroffen. Auch Spezialkräfte der GSG9 waren dabei, weil eine Gefährdung der eingesetzten Kräfte nicht ausgeschlossen werden konnte, heißt es.

Schlag gegen Schleuser

Die in Papenburg und Bocholt Festgenommenen sollen Mitglieder einer international agierenden Schleuserorganisation mit Sitz in Italien sein. Bereits im September konnten große Teile dieser kriminellen Gruppierung zerschlagen werden, heißt es in einer Mitteilung aus München. In einer international abgestimmten Polizeiaktion seien damals 13 Bandenmitglieder in Italien sowie drei weitere Schleuser in Belgien, Frankreich und Schweden festgenommen worden.

Dem Netzwerk wird vorgeworfen, seit dem Herbst 2015 in 125 Fällen insgesamt 1.115 Personen mit Autos von Budapest aus über Österreich nach Deutschland und andere Schengen-Vertragsstaaten eingeschleust zu haben. Die riskanten Schleusungsfahrten unternahmen die Strippenzieher nicht selbst. Wie in der Schlepperszene üblich bedienten sie sich einer Vielzahl von Personen, die in Geldschwierigkeiten steckten. Häufig heuerten sie dabei Drogenabhängige an, welche die Fahrten zur Finanzierung ihrer Sucht erledigten, so die Bundespolizei. Bei den Geschleusten handelte es sich vornehmlich um syrische Staatsangehörige. Für die kriminellen Dienste bezahlten sie ihren Schleusern jeweils bis zu 5000 Euro.

22 Asylbewerber in Gebäude

Die Stadt Papenburg teilte am Mittag auf Nachfrage mit, dass das Objekt durch die Stadt als Wohnung zur Unterbringung von Asylbewerbern angemietet ist. Platz ist dort für 28 Asylbewerber, zum aktuellen Zeitpunkt sind dort 22 Asylbewerber untergebracht, alle sind Bürger syrischer Staatsangehörigkeit. Nach Recherchen unserer Redaktion war der jetzt Festgenommene wie ein Großteil der Bewohner seit Ende 2015 dort untergebracht.

Das Bundespolizeipräsidium in Potsdam bestätigte wenig später Informationen unserer Redaktion vom frühen Mittwochmorgen, dass es sich um einen Einsatz gegen Schleuserkriminalität gehandelt hat. Die „Zugriffsmaßnahmen“ richteten sich gegen mehrere kriminelle Schleusernetzwerke im gesamten Bundesgebiet, so die Bundespolizei. Die Behörde in Potsdam hatte federführend seit September 2015 ermittelt. Sie führten zu einer international agierenden Schleuserorganisation, die den Tod von Geschleusten billigend in Kauf genommen haben sollen. Auch die anderen Ermittlungsverfahren konzentrierten sich auf syrisch dominierte Schleusergruppierungen, die ebenfalls überwiegend Landsleute von der Türkei nach Griechenland schleusten. Sie habe „eiskaltes Gewinnstreben die schleusungswilligen Personen erheblichen Gefahren für Leib und Leben sowie menschenunwürdigen Transporten aussetzen.

Fuhrpark von 150 Fahrzeugen

Eine Tätergruppierung hielt für die Schleusungen von Italien oder Ungarn über Österreich nach Deutschland einen Fuhrpark von rund 150 Fahrzeugen bereit. Für die Transporte der Personen wurden überwiegend Fahrer angesprochen, die sich in einer finanziellen Notlage befanden oder bei denen es sich um Betäubungsmittelkonsumenten handelte. Alle Schleuserorganisationen sind professionell aufgebaut und auf eine hohe Gewinnmaximierung ausgerichtet. Der Verlust von Fahrzeugen oder die Festnahmen der Schleuserfahrer wurden im Vorfeld einkalkuliert. Ob in Papenburg Hilfsmittel des mutmaßlichen Schleusers wie zum Beispiel Fahrzeuge sichergestellt werden konnten, teilte die Bundespolizei nicht mit.

„Internationaler Schleusungskriminalität kann nur mit internationaler Zusammenarbeit begegnet werden. Die gemeinsame deutsch-österreichische Kooperation war ein weiterer Schritt, um menschenverachtend agierenden Schleusern das Handwerk zu legen“, heißt es von Dieter Romann, Präsident des Bundespolizeipräsidiums, in der Mitteilung.


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