05.11.2016, 13:44 Uhr

Bundesbehindertenbeauftragte zu Gast Kritische Debatte um Teilhabegesetz in Papenburg


Papenburg. Über das Bundesteilhabegesetz hat das Publikum mit Moderatorin und CDU-Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann und Behindertenbeauftragten der Bundesregierung, Verena Bentele, in den Caritas-Werkstätten nördliches Emsland in Papenburg diskutiert. Die Frage, wie die Teilhabe von behinderte Menschen in den kommenden Jahren aussehen wird, blieb weiterhin offen.

Vor fast 100 Leuten erzählte Bentele, mehrfache Siegerin bei den Paralympics, von ihrer bisher dreijährigen Arbeit als Beauftragte für behinderte Menschen. „Als Schnittstelle zwischen den Ministerien und Menschen mit Behinderungen begleite ich alle Gesetzgebungsvorhaben und gucke, ob auch die Behinderten dabei berücksichtigt werden“, sagte Bentele, die seit ihrer Geburt blind ist. Momentan sei ihr wichtig, nicht nur in Sachen Bundesteilhabegesetz bedeutende Überzeugungsarbeit zu leisten, sondern sich auch für mehr Barrierefreiheit in Deutschland einzusetzen.

Bei den rund 3000 Anfragen im Jahr, die die 34-Jährige bekommt, beziehen sich nach ihren Worten rund die Hälfte auf das Bundesteilhabegesetz. „Die Sorgen und Ängste, die einige Menschen zu diesem Gesetz haben, sind zum großen Teil berechtigt“, so Bentele. Es sei wichtig, dass die Menschen das Recht haben, nicht nur Pflegeleistungen, sondern auch Teilhabeleistungen zu bekommen. Es hieß, dass der Entwurf des Gesetzes in Abstimmung mit den Betroffenen gemacht worden sei. Nach den Worten von Bentele finden die sich darin aber nicht wieder. „Wir müssen uns die Frage stellen, was den Menschen die Teilhabe von Behinderten wert ist“, sagt sie.

Gut ist nach den Worten der Behindertenbeauftragten, dass eine unabhängige Beratungsstelle für fünf Jahre eingerichtet werden soll, die von Bund finanziert wird. Dabei gehe es nicht um eine medizinische Beratung von Ärzten, sondern darum, was Menschen mit Behinderungen mit dem Gesetz für Möglichkeiten haben.

Ab dem 1. Januar soll das Teilhabegesetz voraussichtlich in Kraft treten. Gitta Connemann hat nach eigenen Angaben selbst Bauchschmerzen dabei. „Vieles, was darin steht, ist gut gemeint aber nicht gut gemacht“, sagt sie. „Es bleiben viele Fragen offen, die frei ausgelegt werden können.“ Derzeit halte sie das Gesetz nicht für zustimmungsfähig.

„Werden wir durch das Gesetz nicht noch weiter von der Gesellschaft isoliert?“, fragte eine Betroffene aus den Caritas-Werkstätten. „Ich bin ein Mensch und kein Kostenfaktor.“ Laut Bentele heißt Teilhabe auch mehr, als nur die Versorgung zu sichern, sondern ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

Neben der Politik machte bis 2011 auch der Sport das Leben von Verena Bentele aus. Die mehrfache Olympiasiegerin im Skilanglauf und im Biathlon holte insgesamt zwölf Goldmedaillen. Vor sechs Jahren erhielt sie die Auszeichnung zur Welt-Behindertensportlerin des Jahres. Sowohl bei ihren sportlichen Siegen als auch in ihrer Freizeit ließ sich die 34-Jährigen nach eigenen Worten nie von ihrer Sehbehinderung beeinträchtigen. Neben Radrennen über 500 Kilometer bestieg sie bereits im März den Kilimandscharo. „Ich mache gerne verrückte Dinge, die viel von mir abverlangen“, sagt Bentele.


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