19.10.2016, 15:58 Uhr

Geschenk zum 81. Geburtstag Ex-Postbote Hermann Kruse tuckert mit Isetta durch Herbrum


Aschendorf/Herbrum. Über ein nicht alltägliches Geschenk zu seinem 81. Geburtstag durfte sich Hermann Kruse aus Aschendorf freuen: Der frühere Postbote durfte mit einer Isetta durch seinen früheren, langjährigen Postbezirk in Herbrum tuckern.

Auch einige Tage nach der Aktion, die ihm sein Sohn Peter beschert hat, kommen Hermann Kruse die Tränen, wenn er auf das Ereignis an seinem Geburtstag zurückblickt. Fast 20 Jahre lang hat der heute 81-Jährige, der in Aschendorf an der Bokeler Straße lebt, in Herbrum die Post ausgetragen, seit mehreren Jahren war er nicht mehr in dem Ort gewesen. Jetzt kehrte er für gut eine Stunde nach Herbrum zurück – und das in einem ganz besonderen Gefährt: Einer Isetta. Das kleine Auto, das deshalb so viele kennen, weil die Türe nach vorne aufgeht, haben Kruse und sein jüngerer Bruder Heinz in den 1950er Jahren selber mehrere Jahre gefahren. „Wir gehörten damals sogar zu den Mitgründern eines Isetta-Clubs in Aschendorf“, erinnert sich der ehemalige Postbote. Dem Verein gehörten etwa 20 Fahrzeugbesitzer an, es gab regelmäßige Treffen im Vereinslokal, das sich damals am Bokeler Grenzweg befand, aus einer Vereinskasse wurden mehrtägige Touren bezahlt, unter anderem zum Nürburgring.

„Es war gar nicht so einfach, eine Isetta im nördlichen Emsland zu finden“, berichtet Sohn Peter Kruse. Die Suche im Internet und im Bekanntenkreis blieb einige Zeit erfolglos. Per Zufall erspähte er eines Tages in Aschendorf ein derartiges Gefährt, das von BMW von 1955 bis 1962, damals offiziell als „Rollermobil“, gebaut worden war. Es gehörte dem Aschendorfer Reiner Dill, dem Peter Kruse bis zu dessen Garage gefolgt war und den er sofort von der Idee überzeugen konnte, für den Vater zum Geburtstag eine Fahrt durch Herbrum zu machen.

Lachen im Gesicht

Die Überraschung gelang. Mitten im Geburtstags-Besuchstrubel stand Reiner Dill vor dem Haus der Familie Kruse, um den 81-Jährigen für eine Spritztour durch seinen früheren Postbezirk abzuholen. „Sofort kam ein Lachen in sein Gesicht, es ist gar nicht mehr weg gegangen“, berichtet Schwiegertochter Monika Kruse, die bei diesem Ereignis den Job der Fotografin übernahm. Sofort kamen Hermann Kruse und Reiner Dill bestens ins Gespräch, plauderten über Isettas und alte Zeiten in Aschendorf und Herbrum.

Über die Bundesstraße 70 (Meppener Straße) ging es zunächst über die Görlitzer und Oldenburger Straße bis Aschendorf-Moor Siedlung, das ebenfalls zum damaligen Bezirk des Postboten gehörte. „Mein Vater erkannte die meisten älteren Häuser wieder, bei vielen konnte er sogar noch die Namen der Bewohner nennen“, berichtet Peter Kruse. Das haben er und seine Frau Monika, die im gleichen Haus wie der Senior wohnen, lange nicht erlebt, weil in den in den vergangenen Jahren immer vergesslicher geworden sei. Mehrmals winkte Hermann Kruse während der Fahrt auch Passanten, die er wiedererkannt hat, oder unterhielt sich sogar kurz mit ihnen.

2013 in Einzelteilen erworben

Weiter ging die Fahrt über den Herbrumer Grenzweg zur Siedlung Rolfesweg und seiner Nebenstraßen, einem Kerngebiet des damaligen Bezirks von Hermann Kruse. Über die Kämpe ging es zurück nach Aschendorf.

„Eine echt coole Aktion, Hermann Kruse hat sich riesig gefreut. Für so etwas stelle ich meine Isetta gerne zur Verfügung“, schwärmt auch Reiner Dill. Fast drei Jahre lang hat er das Fahrzeug, das er 2013 in Einzelteilen zerlegt in Lüdenscheid im Sauerland gekauft hat, originalgetreu restauriert. „Ich kann ohne Weiteres sagen, ich hatte jede Schraube dieses Fahrzeugs schon einmal in der Hand“, sagt der 52-Jährige, der bereits etwa 5000 Kilometer in diesem Jahr mit der Isetta gefahren ist. Regelmäßig nutzt er das Auto auch, um zur Arbeit nach Papenburg zu fahren. Einen fünfstelligen Betrag hat Dill in die Restauration investiert, Liebhaber zahlen bis zu 30.000 Euro für derart originalgetreu restaurierte Isettas. Auch der TÜV hat ihm saubere Arbeit attestiert: Bei einer Begutachtung wurde die Note 1- vergeben.

Nie von Hund gebissen

Die Spitzengeschwindigkeit des Isetta beträgt 85 Stundenkilometer. Die haben beide bei der Fahrt durch Herbrum allerdings nicht erreicht. Ein Hund lief ihnen übrigens nicht über den Weg. Hermann Kruse ist nämlich stolz darauf, in seinen fast 40 Jahren, die er als Postbote im nördlichen Emsland unterwegs war, nie von einem Hund gebissen worden zu sein. Ob das an seinem privaten Motorrad lag, mit dem er ab und zu die Post ausgetragen hat? Er weiß es nicht mehr genau. „Ich wusste, wie man sich Respekt verschafft“, sagt der 81-Jährige und lächelt verschmitzt.

Das Video unten hat Isetta-Eigentümer Reiner Dill bei Youtube eingestellt. Es zeigt Szenen aus der Zeit der Restauration und von einem bundesweiten Isetta-Treffen in Süddeutschland.




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