13.09.2016, 18:08 Uhr

Gartenbauzentrale im Umbruch Trend zu Regionalität verändert Geschäfte der GBZ Papenburg


Papenburg. Der bundesweite Trend zum Einkauf regionaler Produkte verändert derzeit die Geschäftstätigkeit der Gartenbauzentrale (GBZ) in Papenburg. Während über Jahre fast nur Kräuter zählten, werden immer mehr Gemüsesorten aus hiesigem Anbau an die Supermarktketten verkauft. Im Interview erklären Geschäftsführer Dirk Matuszewski und Vertriebsleiter Andreas Brinker, wie sich die GBZ und die angeschlossenen Gärtner auf den Trend einstellen.

Immer wieder ist davon zu lesen, der Lebensmitteleinzelhandel ist im Umbruch, Discounter entwickeln sich immer mehr zu klassischen Supermärkten. Als Geschäftsführer kennen Sie die Zahlen sehr genau: Lässt sich mit Kräutern noch Geld verdienen?

Dirk Matuszewski: Für uns war in den vergangenen 20, 25 Jahren die Entwicklung im Kräuterbereich bestimmend. In diesem Bereich sind wir Marktführer in ganz Deutschland, setzen 90 Millionen Töpfe im Jahr ab. Das wird sicherlich noch eine Zeit so bleiben, und es gibt auch weiterhin ein moderates Wachstum in diesem Bereich. Signifikante Zuwächse aber dürften mit Kräutern nicht mehr zu erwarten sein. Deshalb versuchen wir, in anderen Bereichen stärker zu werden, insbesondere im Fruchtgemüsebereich wie Gurken und Tomaten. Leider ist der Blumenmarkt in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen.

Herr Brinker, Sie sprechen täglich mit den Einkäufern aller großen Handelsketten in Deutschland. Auf was stehen diese derzeit besonders?

Andreas Brinker: Der Trend zu Regionalität ist ungebrochen und stellt den Einzelhandel ein wenig auf den Kopf. Sie müssen sich nur einmal in den Obst- und Gemüseabteilungen der Supermärkte umsehen: Dort dominierte in der Vergangenheit eindeutig Ware der klassischen Anbauländer Niederlande oder Spanien. Jetzt wird der Anteil der in Deutschland produzierten Ware immer stärker. Auch findet man in den Auslagen immer häufiger heimische Produkte, die schon fast vergessen schienen. Dazu zählen unter anderen Rote Bete, Steckrüben oder Pastinaken. Umsätze dieser Gemüsearten steigen rasant. Diese Entwicklung bietet unseren Gärtnern neue Produktions- und Erweiterungsmöglichkeiten, die sie auch nutzen und regelrecht tüfteln.

Kann die GBZ den neuen Anforderungen beim Vertrieb gerecht werden?

Brinker: Wir haben leider keine großen Ballungsgebiete direkt vor der Türe. Die meisten Kunden sitzen zwischen 250 und 600 Kilometer entfernt. Das bedeutet eine hohe Anforderung an unser Logistikzentrum, wenn die erntefrische Ware noch an den gleichen Tag pünktlich an die Logistikzentren der Lebensmittelketten ausgeliefert werden muss. Teilweise sind die Anlieferfenster der Kunden nur 30 Minuten geöffnet. Da muss alles stimmen.

Neben Regionalität scheint es einen Trend zu Bioprodukten zu geben, zumindest steigt nach Angaben von Landwirtschaftsminister Meyer die Anbaufläche. Ist das auch bei Kräutern so?

Matuszewski: Der Absatz von Kräutern in Bioqualität war schon immer hoch und ist in den vergangenen Jahren nicht wesentlich gestiegen. Er liegt aktuell bei etwa 25 Prozent. Was aus Sicht der Kunden oft wichtiger ist: Bundesweit steigt zwar wie erwähnt die Anbaufläche von Kräutern, gleichbleibend hohe Qualität und ausreichende Mengen können viele (noch) nicht liefern. Wir können das, haben beispielsweise kaum Probleme mit Rückläufern. Auf dieses Know-how der Gärtner können wir auch im Zuge des Regionalisierungstrends bauen.

Hat der Trend zu Regionalität auch Auswirkungen auf die Logistik?

Brinker: Eigentlich kaum. Der Ablauf ist auch weiterhin so, dass uns Bestellungen der Einzelhandelsketten am Morgen erreichen, wir diese an die Gärtnereibetriebe übermitteln, wir dort die Ware am Nachmittag abholen. Am Abend setzt dann die Logistik an der Schulze-Delitzsch-Straße ein, wir packen die bis zu 100 Lkw, die dann in der Nacht die Lager und Verteilzentren der Kunden in ganz Deutschland beliefern. Von dort landet die Ware meist noch am Vormittag in den Supermärkten. Ob die Kunden nun überwiegend Kräuter bestellen oder andere, regional gebundene Obst- und Gemüsesorten, ist für die Logistik also quasi egal. Verändert hat sich lediglich, dass der Zwischenhandel, also zum Beispiel die Großmärkte, fast vollständig weggebrochen ist. Wir liefern überwiegend direkt an die Einzelhandelsketten.

Einmal im Jahr gerät die GBZ in die Schlagzeilen, weil sie zu den größten Subventionsempfängern gehört. 2015 waren es rund 2,5 Millionen Euro. Was passiert eigentlich mit dem Geld?

Matuszewski: Viele meinen, wir investieren das Geld hier in unseren Vertriebsstandort, leisten uns goldene Wasserhähne oder anderen Luxus (lacht). Nein, das Geld geht fast vollständig an die Gartenbaubetriebe. Wir erledigen in deren Auftrag das Antragswesen und begleiten das Genehmigungsverfahren. Oft geht es um Investitionen in Klima- und Umweltschutz, beispielsweise neue Heizungs- oder Bewässerungsanlagen. Dafür gibt es Zuschüsse von der EU, die wir im Auftrag unserer Betriebe beantragen. Das Geld kommt also quasi gebündelt bei uns an, wird aber sofort wieder an die Betriebe weiterverteilt.

Eine Erweiterung oder Teilsanierung des Logistikzentrums an der Schulze-Delitzsch-Straße ist nicht in Planung?

Matuszewski: Nein, kurzfristig nicht. Wir verfügen mit aktuell etwa 18.000 Quadratmeter Hallenflächen über ausreichend Lager- und Kühlflächen, auch im Verwaltungsgebäude steht ausreichend Platz zur Verfügung. Wir werden kurzfristig den Bereich für das Leergut, also beispielsweise Kisten und Kartons, überdachen, nachdem uns dort im September 2014 32.000 Gemüsekisten gestohlen wurden und wir auf den Schaden von etwa 120.000 Euro sitzengeblieben sind. Wir haben in diesem Zuge auch in Sicherheitstechnik und in ein Bewachungskonzept investiert.

Während der Landesgartenschau (LGS) hat es auch Aktionen bei der GBZ gegeben, Sie beteiligen sich auch am Marketingkonzept der Papenburg Marketing Gesellschaft (PMG). Dennoch scheinen nach der LGS die öffentlichen Termine bei Ihnen abgenommen zu haben.

Matuszewski: Wenn Gruppen auf uns zukommen wegen einer Besichtigung, machen wir das gerne. Aktiv anbieten tun wir das weniger. Die PMG oder die Stadt wünschen sich zwar, dass die GBZ touristisch eingebunden wird, aber uns fehlt ein Anlaufpunkt. Ein Besucherzentrum zum Beispiel, wie es die Meyer Werft nun hat. Die Teilhaber der Genossenschaft sehen sich aber nicht in der Verantwortung, ein solches Zentrum zu errichten. Das müsste nach Ansicht der Mitglieder über andere Kanäle erfolgen.

Die GBZ ist 1931 gegründet worden, 2031 würde demnach das 100-jährige Bestehen anstehen. Wird es die GBZ dann noch geben und wo wird sie stehen?

Brinker: Wir sind fest davon überzeugt, dass es die GBZ dann noch geben wird. Schon in den vergangenen 85 Jahren haben die Gärtnereibetriebe immer eine große Wandlungsfähigkeit gezeigt, haben sich angepasst. In den 1980er Jahren haben Schnitt- und Topfblumen noch einen großen Anteil am Umsatz gehabt, derzeit sind es Kräuter, in 15 Jahren vielleicht etwas anderes. Verändern wird sich vielleicht weiter die Zahl und Größe der Betriebe, es waren einmal 180 Betriebe, derzeit liegen wir bei etwa 45, die mit insgesamt etwa 85 Hektar Gewächshausfläche insgesamt erheblich größer sind als die gesamten damaligen 180. Von der GBZ sind etwa 2800 Arbeitsplätze abhängig.


Gartenbauzentrale (GBZ) Papenburg

Die GBZ ist ein genossenschaftlicher Zusammenschluss etwa 45 Papenburger Gärtnereien mit dem Ziel, gemeinsam Gemüse anzubauen und abzusetzen. Sie wurde am 10. Februar 1931 gegründet, 1998 wurde das Logistikzentrum an der Schulze-Delitzsch-Straße 10 in Papenburg bezogen. Dort sorgen etwa 180 Mitarbeiter für einen reibungslosen Vertrieb der Ware. Zu den Produkten gehören neben Kräutern in Töpfen und als geschnittene Bünde und als Freiland-Staudenkräuter vor allem Gurken, Tomaten, weitere Gemüsearten sowie Zierpflanzen. Weitere Informationen im Internet unter www.gartenbauzentrale.de .

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