11.01.2016, 18:37 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Bei Nicht-Kooperation mit Ergin Anwalt: Meyer-Werft-Führung macht sich strafbar

René Henkys (rechts) vertritt den Betriebsrat der Papenburger Meyer Werft im Kündigungsstreit um den Vorsitzenden der Arbeitnehmervertretung, Ibrahim Ergin. Links im Bild der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Günter Geerdes. Foto: Gerd SchadeRené Henkys (rechts) vertritt den Betriebsrat der Papenburger Meyer Werft im Kündigungsstreit um den Vorsitzenden der Arbeitnehmervertretung, Ibrahim Ergin. Links im Bild der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Günter Geerdes. Foto: Gerd Schade

Papenburg. Im Kündigungsstreit um den Betriebsratsvorsitzenden der Papenburger Meyer Werft, Ibrahim Ergin, fordert der Anwalt der Arbeitnehmervertretung die Geschäftsführung zur Zusammenarbeit mit Ergin auf. Andernfalls würde sie sich strafbar machen.

Wie René Henkys, der den Betriebsrat in dem Arbeitsrechtsstreit vertritt, am Montag mitteilte, hat das Arbeitsgericht Lingen jetzt die schriftliche Begründung für seine Entscheidung vom 17. Dezember 2015 zugestellt. Das Gericht hatte den Antrag der Werft, der fristlosen Kündigung Ergins zuzustimmen, wegen formaler Fehler zurückgewiesen. Henkys sieht die Vorwürfe gegen den Betriebsratschef unbestätigt. Er mutmaßt, dass sich die Werft damit auch in der zweiten Instanz abfinden müsse. Deshalb fordert er die Werftleitung auf, die Entscheidung des Arbeitsgerichtes zu akzeptieren. Werft-Geschäftsführer Lambert Kruse hatte unmittelbar nach der Verkündung des Beschlusses erklärt, dass sein Unternehmen Rechtsmittel einlegen werde.

(Weiterlesen: Schlappe für die Meyer Werft: Ergin bleibt Betriebsratschef)

Die schriftlich niedergelegten Darstellungen mehrerer junger Mitarbeiter, die Ergin schwer bedroht und genötigt haben soll, damit sie der Gewerkschaft IG Metall beitreten, reichen Henkys zufolge weder aus, um festzustellen, ob die Vorwürfe der Geschäftsleitung glaubwürdig, noch ob sie inhaltlich richtig sind. Ergin bestreitet die Anschuldigungen, die aus den Jahren 2011 und 2012 stammen. Sie spielten in der Gerichtsverhandlung keine Rolle. Die Werftleitung hat keinerlei Zweifel an den Schilderungen, die unserer Redaktion in Teilen vorliegen, und dies in einem Brief an die Belegschaft auch bekräftigt.

(Meyer Werft verteidigt Vorgehen gegen Betriebsrat)

Henkys wirft der Geschäftsleitung, darunter insbesondere Personalchef Paul Bloem, vor, dass sie sich nicht von ihrem Ziel, „die Zusammenarbeit mit dem bestehenden Betriebsrat zu verweigern“, abbringen lasse. Er erwarte eine professionelle Haltung der Geschäftsführer, auch wenn Bloem an seiner „negativen Emotionalität“ gegenüber Ergin festhalte.

Ohne den Betriebsratsvorsitzenden beim Namen zu nennen, hatte Bloem im sozialen Netzwerk Facebook die schweren Anschuldigungen gegen Ergin untermauert.

(Weiterlesen: Der Wirbel um einen Facebok-Post) Außerdem bezieht er in einem Blog auf paulbloem.me dezidiert Stellung aus seiner Sicht. Ergin klagt gegen Geschäftsführung und Bloem auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Derweil prüft die Staatsanwaltschaft Osnabrück die Nötigungsvorwürfe gegen den Betriebsratsvorsitzenden.

Sollte die Geschäftsführung indes nicht mit Ergin zusammenarbeiten, macht sie sich Henkys zufolge nach dem Betriebsverfassungsgesetz (§ 119) wegen Behinderung der Betriebsratstätigkeit strafbar. „In Anbetracht der Sach- und Rechtslage ist ein solches Verhalten der Geschäftsführung eines international tätigen deutschen Industrieunternehmens allerdings unwürdig“, so der Anwalt.

Wie es aus Kreisen von Betriebsrat und Gewerkschaften heißt, ignoriert die Werft den obersten Arbeitnehmervertreter und verweigert jegliche Zusammenarbeit. Ergin hingegen hatte nach der Gerichtsverhandlung in Lingen erklärt, dass er wie bisher jeden Tag seiner Arbeit als Betriebsratschef nachgehen würde.

(Weiterlesen: Der Verhandlungstag im Nachrichtenticker).


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