16.10.2014, 18:34 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Bilanz der Landesgartenschau 505000 Besucher: Nur die Niederländer wollten nicht kommen


Papenburg. Die Landesgartenschau in Papenburg ist fast vorbei. Am Sonntag öffnen sich die Tore ein letztes Mal. Mit der Bilanz sind die Veranstalter sehr zufrieden. Eine halbe Million Besucher wurde seit Mitte April im aufwendig hergerichteten Stadtpark gezählt. Ein Ziel wurde allerdings völlig verfehlt. Eine Bilanz.

Besucherzahlen: Landgartenschaugeschäftsführer Lars Johannson geht von insgesamt 505 000 Besuchern aus, wenn am Sonntagabend die Kassen zum letzten Mal schließen werden. „Das ist eine Punktlandung“, freut sich der 40-Jährige. Genau 500000 Besucher hatte man bei der Eröffnung im April als Ziel ausgegeben. Angesichts des ländlichen Umfeldes von Papenburg ist das eine beeindruckende Zahl, die viele Tourismusexperten auch wegen der vergleichsweise geringen Investitionen von insgesamt 11,1 Millionen Euro nicht für möglich gehalten hätten. Zum Vergleich: Im nordrhein-westfälischen Zülpich wurde mehr als doppelt so viel Geld investiert. Allerdings: Papenburg bleibt bei den Besucherzahlen hinter Bad Essen (511000 Besucher) zurück und hat damit den geringsten Besucherzuspruch aller niedersächsischen Landesgartenschauen.

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Finanzen: Rund 4,5 Millionen Euro Eintrittsgeld hat die Landesgartenschaugesellschaft eingenommen. Das bedeutet für die Stadt Papenburg, dass sie am Ende aus eigenen Mitteln rund 2,4 Millionen Euro in die Landesgartenschau investiert hat. Der restliche Betrag setzt sich unter anderem aus einem Zuschuss des Landkreises Emsland in Höhe von einer Million Euro und aus Spenden der regionalen Wirtschaft zusammen. Nach Informationen unserer Zeitung zählen die Meyer Werft, die Sparkasse Emsland und der Energieversorger EWE zu den Großspendern. Alle drei sollen sich mit jeweils mehreren Hunderttausend Euro in die Landesgartenschau eingebracht haben.

Durchschnittsalter: Das Durchschnittsalter der Besucher in Papenburg liegt mit 58 Jahren deutlich unter dem üblichen Schnitt von 61 Jahren. Zwei Drittel der Besucher waren weiblich. „Damit ist unser Konzept aufgegangen, mit vielen kindgerechten Angeboten Familien anzusprechen“, so Lars Johannson.

Verkehr: Das höhere Verkehrsaufkommen in der Stadt ist während der 187 Gartenschautage kein Problem gewesen. Die offiziellen Gartenschau-Parkflächen waren allerdings zu groß. Nur 334 Autos parkten pro Tag auf dem eigens angelegten Parkplatz am Gartenschaugelände. Dieser Parkplatz bietet Platz für 900 Fahrzeuge. Bei einer Parkgebühr in Höhe von 5 Euro dürften die Einnahmen deutlich geringer ausfallen als erhofft. Monate vor dem Start der Landesgartenschau hatte sich im Stadtrat eine hitzige Diskussion an diesem Parkplatz entzündet. Dieses sogenannte „Erdbeerfeld“ war von der Stadt zu streng vertraulich behandelten Konditionen von einem Landwirt gepachtet worden. Unbestätigten Informationen zufolge erhielt der Landwirt ein Stück Land und eine feste Summe pro geparktes Auto.

Niederländer: In diesem Punkt hat die Landesgartenschaugesellschaft das Ziel völlig verfehlt: 40 Prozent aller Gartenschaubesucher sollten eigentlich aus den Niederlanden kommen. Am Ende waren es weniger als zehn Prozent. Papenburg sei einfach noch kein etabliertes Ausflugsziel für die Niederlande und werde fast nur mit der Meyer Werft in Verbindung gebracht, so Johannson. Für den Papenburger Tourismus bestehe aber eine große Chance darin, die Niederländer künftig intensiver zu umwerben. Die meisten Besucher kamen aus den Landkreisen Emsland und Osnabrück, gefolgt von Oldenburg und der Grafschaft Bentheim.

Bewertung: Die Besucher haben die Landesgartenschau in Papenburg mit der Schulnote 1,6 bewertet. Das ist ein sehr guter Wert. Bereits die Besucherbewertung der Gartenschau in Bad Essen hatte mit der Note 1,8 einen überdurchschnittlich guten Wert.

Stimmen: Papenburgs Bürgermeister Jan Peter Bechtluft (CDU): „Unsere Stadt ist mit dieser Landesgartenschau ein Stück urbaner geworden.

Emsland-Landrat Reinhard Winter (CDU): „Papenburg war genau der richtige Veranstaltungsort.“

Harald Mikulla, Geschäftsführer der Fördergesellschaft Landesgartenschau Niedersachsen: „Das Land sollte sich bei künftigen Landesgartenschauen finanziell stärker engagieren.“ Ansonsten entstehe kein echter Wettbewerb um die Ausrichtung, weil sich finanzschwache Kommunen eine Landesgartenschau nicht leisten können.“

Gerhard Schulz, Vorsitzender des Fördervereins: „Wirtschaft und Stadt haben hier Hand in Hand gearbeitet.“

Nächste Landesgartenschau: Es geht 2018 in den hügeligen Teutoburger Wald nach Bad Iburg. Dort hat man ein großes Ziel: eine florierende Gartenschau rund ums Schloss, die Bad Iburg und die Region touristisch aufforstet.


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