02.08.2014, 07:00 Uhr

Nach Israel-Reise Connemann: „Ich werde als Judenhure beschimpft“

Israel hat ein Recht auf Selbstverteidigung, sagt Gitta Connemann im EZ-Interview. Foto: Hermann HinrichsIsrael hat ein Recht auf Selbstverteidigung, sagt Gitta Connemann im EZ-Interview. Foto: Hermann Hinrichs

Papenburg. Die Vizepräsidentin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Gitta Connemann, war in dieser Woche gemeinsam mit anderen deutschen Politikern in Israel. Wir haben mit der emsländischen CDU-Bundestagsabgeordneten über den Grund und über die Folgen ihrer Reise gesprochen.

Frau Connemann, Sie waren mit anderen deutschen Politikern zwei Tage in Israel. Warum?

Ich kann natürlich mit einer solchen Reise keinen Frieden bewirken. Aber ich wollte mich informieren, ein Zeichen der Solidarität und gegen Antisemitismus setzen. Dort habe ich auch erfahren, dass EU-Mittel in Millionenhöhe für den Tunnelbau der Terrororganisation Hamas eingesetzt werden.

Wie meinen Sie das?

Die Europäische Union hatte knapp 300 Millionen Euro für den Bau von Schulen und Kindergärten im Gazastreifen zur Verfügung gestellt. Ein erheblicher Anteil stammt aus Deutschland. Dieses Geld ist zum Bau der Terrortunnel zweckentfremdet worden.

Also hätte der Beton in den Tunneln eigentlich in Schulen und Kindergärten verbaut werden sollen?

Ja. In den Tunneln sind 800000 Tonnen Zement verbaut worden. Dieses Material war eigentlich für Schulen und Kindergärten bestimmt. Die Terroristen haben also EU-Mittel missbraucht.

Damit kritisieren Sie fehlende Kontrolle der Zuschüsse durch die Europäische Union?

Ja. Eine Lehre daraus muss sein, dass die Europäische Union die Verwendung ihrer Zuschüsse stärker kontrolliert, um Missbrauch zu vermeiden. Wir brauchen ein Monitoring, insbesondere bei Zahlungen an Staaten mit Regierungen wie der Hamas, einer internationalen Terrororganisation.

Sie waren gemeinsam mit Reportern der Bild-Zeitung dort. Aus welchem Grund?

Die Bild-Zeitung war Reisepartner. Reinhold Robbe und ich wollten ohnehin für die Deutsch-Israelische Gesellschaft nach Israel reisen. Die Bild-Zeitung plante eine Reise. Und da haben wir uns zusammengetan. Auch aus Sicherheitsgründen.

Wie sah Ihr Besuchsprogramm aus?

Wir haben unter anderem den Deutschen Botschafter und den Parlamentspräsidenten getroffen. Zudem haben wir mit Außenminister Avigdor Lieberman gesprochen.

Wir waren die bisherigen Reaktionen auf die Reise?

Sehr unterschiedlich. Ich bekomme E-Mails mit ganz viel Zuspruch, ich erhalte auch Nachfragen, aber auch Hassmails, in denen ich als Judenhure beschimpft werde.

Haben Sie Raketenangriffe erlebt?

Ja. Alle 15 Minuten wird eine Rakete aus dem Gazastreifen nach Israel abgeschossen. Ständig gibt es Warnungen vor Raketen. Die Menschen sind dem Tag und Nacht ausgesetzt – und zwar überall im Land. Angst liegt allumfassend über dem Land. Das habe ich noch nie erlebt.

Während Ihres Besuchs wurde eine UN-Schule im Gazastreifen angegriffen. Mindestens 40 Menschen kamen ums Leben, darunter waren auch Kinder. Hat Israel ein Recht dazu?

Jeder Tote ist zu viel. Aber seit 2006 wird Israel beschossen und hat ein Recht auf Selbstverteidigung. Die Hamas-Terroristen nutzen Schulen und Altenheime als Raketenlager, missbrauchen Frauen und Kinder als menschliche Schilde. Israel unternimmt alles, um diese Zivilisten zu schützen. Israel fordert die Menschen vor jedem Angriff per Telefon, SMS, Flugblättern und Warnschüsse auf, die Häuser zu verlassen, die als Lager missbraucht worden.

Also keine Kritik an Israel?

Doch. Es gibt Gründe für Kritik an Israel. Aber legitime Kritik endet dort, wo das Existenzrecht Israels infrage gestellt wird. Von Sprechchören wie „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein“ ganz zu schweigen.

Glauben Sie, dass die Mehrheit der Menschen in Ihrem Wahlkreis Sie in Ihrer Pro-Israel-Haltung unterstützt?

Das kann ich Ihnen nicht sagen. Aber für mich ist es eine Herzensangelegenheit.


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