12.08.2013, 18:11 Uhr

Wohnheim in der Johannisstraße Baubeginn für die St.-Johann-Behindertenhilfe

<em>Freude über den Spatenstich</em>: Christian Nacke, Schwester Merita, Ludwig Klein, Christoph Bierschenk und Martina Kormann. Foto: Klaus LindemannFreude über den Spatenstich: Christian Nacke, Schwester Merita, Ludwig Klein, Christoph Bierschenk und Martina Kormann. Foto: Klaus Lindemann

Osnabrück. Ein neues Wohnheim für Kinder und Jugendliche mit Behinderung wird ab September im Garten des ehemaligen Kinderheimes St. Johann gebaut. Am Sonntag war Spatenstich in der Johannisstraße.

Zurzeit leben 36 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit zumeist schweren Behinderungen in der Johannisstraße. „Unsere Intention ist es, hier ein Familienleben zu führen“, sagt der Leiter der St.-Johann-Behindertenhilfe Ludwig Klein. Er führt durch den Flur des Hauptgebäudes an der Osnabrücker Johannisstraße 39/40 und verweist auf die Wohnküche, in der gemeinsam gespeist wird. Die Türen zu den Schlafzimmern sind offen. An den Wänden hängen Bilder, im Bett liegen Stofftiere, auf einigen Tischen steht ein Keyboard. Die Bewohner sind ausgeflogen: Während die Minderjährigen zur Schule gehen, arbeiten die jungen Erwachsenen in einer Werkstatt.

„Trotz Inklusion ist eine Einrichtung wie diese weiter erforderlich“, sagt Klein. Umso bedeutender sei der Standort an der Johannisstraße: „Diese Einrichtung sollte nicht irgendwo sein, sondern mitten in der Stadt“, erklärt Generalvikar Theo Paul. „Wir möchten die Realität behinderter Menschen nicht verdrängen, auch diese Art des Menschseins gehört zu uns.“

Seit fast 300 Jahren leistet St. Johann an diesem Ort Hilfe für Kinder und ist somit die älteste noch bestehende soziale Einrichtung im Bistum Osnabrück. Die räumlichen Bedingungen in dem 1720 errichteten Traditionsgebäude wurden jedoch trotz Umbauten und Renovierungen für das Leben von Menschen mit Behinderungen untragbar. Das Gebäude wird zukünftig die Pforte, Wäschepflege, Therapie- und Besprechungsräume sowie die Leitung und Verwaltung beherbergen. Auch die für die Dauer der Bauphase umgezogenen Thuiner Ordensschwestern werden hier leben.

Für das neue Wohnheim wurden die Bauten aus den 1970ern abgerissen. Sie stammten aus einer Zeit, als der St. Johann noch ein Kinderheim war und erwiesen sich für die Behindertenhilfe als ungeeignet, da keine Barrierefreiheit gewährleistet werden konnte. Mangelnde Energieeffizienz und bauliche Instabilität bestätigten den Entschluss, einen Neubau zu wagen.

Martina Kormann vom Planungsbüro Rohling AG beschreibt, welche Überlegungen bei der Bauplanung eine Rolle spielten: „Die vertikalen Wege sollten kurz gehalten werden, wir wollten in die Breite und nicht in die Höhe gehen.“ Das zweigeschossige Gebäude wird ebenerdig sein, um Rollstuhlfahrern den barrierefreien Zugang zu ermöglichen. In zwei symmetrischen Flügeln werden auf beiden Etagen jeweils neun Kinder und Jugendliche wohnen. Zu jeder der vier Wohngruppen gehören Bäder, eine große Küche, ein Wohnzimmer und weitere Funktionsräume. Auch breite, lichtdurchflutete Flure sollen Raum für das Zusammensein schaffen.

Anfang September wird mit dem Bau begonnen, die voraussichtliche Bauzeit beläuft sich auf ein Jahr. Da das Gelände von einem alten Hasebett durchzogen ist, werden zunächst vor allem die zeitintensiven Grundarbeiten eine Herausforderung sein: Die 1150 Quadratmeter große Bodenplatte wird auf rund 125 Pfählen liegen, die bis zu sechs Meter in die feuchte Erde reichen, um das Gebäude zu sichern. Christian Nacke von der Abteilung Bau und Finanzen des Bischöflichen Stuhls bezeichnet die Finanzierung als „erhebliche Hürde“. Der Bau kostet rund vier Millionen Euro. Er wird durch das niedersächsische Sozialministerium, Zuschüsse der Aktion Mensch, weitere Spenden und das Bistum Osnabrück finanziert.


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