23.04.2017, 07:41 Uhr

Stillgelegt für einen Tag Rolltreppen im Neumarkttunnel wurden 1982 zur Lachnummer

Gesperrt vom Oberstadtdirektor: Die störungsanfälligen Rolltreppen im Neumarkttunnel lösten 1982 eine Politposse aus. Foto: Archiv/Hartwig FenderGesperrt vom Oberstadtdirektor: Die störungsanfälligen Rolltreppen im Neumarkttunnel lösten 1982 eine Politposse aus. Foto: Archiv/Hartwig Fender

Osnabrück. Ein Politposse um die Kompetenzen des Oberstadtdirektors löste 1982 die störungsanfälligen Rolltreppen im Neumarkttunnel in Osnabrück aus.

Sie mussten jeden Tag 18 Stunden laufen, und das war für die sechs Rolltreppen zum Neumarkttunnel wohl zu viel. Immer wieder kam es zu Störungen und tagelangen Stillständen. Als „Treppenwitz“ empfanden es die Bürger, dass die jeden Monat fälligen Wartungsarbeiten nicht während der nächtlichen Ruhepause durchgeführt wurden, sondern tagsüber, wenn tausende Passanten die Elektrotreppen nutzen wollten. Die für den Betrieb zuständige OPG verwies auf die wesentlich höheren Kosten, die bei Nachteinsätzen fällig würden.

Teure Ersatzteile

Hohn und Spott gossen die Osnabrücker über die „Rolltreppen-Attrappen“ aus, die nur noch zum Verschrotten taugen würden. Die OPG machte als häufige Ursache der Störungen Vandalismus aus. Nägel würden ins Laufwerk geschoben, Bleche verbogen und Fotozellen manipuliert. Die Überholungen wurden immer aufwendiger, weil der Hersteller nicht mehr existierte und Ersatzteile teuer nachgefertigt werden mussten.

Die hohen Kosten waren es schließlich auch, die einen „Husarenstreich“ des Oberstadtdirektors Raimund Wimmer auslösten. In einer einsamen Entscheidung, ohne sich vorher mit Ratsgremien abgestimmt zu haben, verfügte er am 25. Januar 1982, ausgerechnet am ersten Tag des Winterschlussverkaufs, die Stilllegung aller sechs Rolltreppen.

Bürgerproteste

Geharnischte Proteste von Bürgern, Einzelhandel und Verbänden folgten auf dem Fuße. Mit dem „Schildbürgerstreich“ befasste sich notgedrungen der am 26. Januar tagende Verwaltungsausschuss. Nach einer längeren, heftigen Auseinandersetzung musste sich Wimmer sagen lassen, dass die Abschaltverfügung nicht als ein „Geschäft der laufenden Verwaltung“ zu betrachten sei, sondern einer Entscheidung im politischen Raum bedurft hätte. Wimmer war gezwungen, noch am selben Tag die Entscheidung zurückzunehmen und die Rolltreppen wieder laufen zu lassen.


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