21.04.2017, 15:49 Uhr

Sexueller Missbrauch Gutachter: Aussage des Vergewaltigungsopfers glaubhaft

Wegen sexuellen Missbrauchs in Tateinheit mit Vergewaltigung eines Kindes muss sich ein 39-jähriger Osnabrücker vor dem Landgericht verantworten. Symbolfoto: dpaWegen sexuellen Missbrauchs in Tateinheit mit Vergewaltigung eines Kindes muss sich ein 39-jähriger Osnabrücker vor dem Landgericht verantworten. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. In der Berufungsverhandlung um sexuellen Missbrauch in Tateinheit mit Vergewaltigung eines Kindes hat der Gutachter die Glaubwürdigkeit des mutmaßlichen Opfers betont. Die Schilderungen beruhten auf Selbsterlebtem.

Angeklagt ist ein 39-jähriger Osnabrücker. Er soll vor rund zehn Jahren die Tochter einer damaligen Bekannten sexuell missbraucht und auch vergewaltigt haben. Das Amtsgericht hatte den Mann dafür schuldig befunden und ihn zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Gegen diesen Spruch hatte er Berufung eingelegt.

Konkret herausgekommen war die vermeintliche Tat 2015, gut neun Jahre später. Erst zu diesem Zeitpunkt hatte sich die heute 23-Jährige mit einer Anzeige an die Polizei gewandt. Auf Bitten der Beamten untersuchte anschließend ein Bielefelder Aussage-Analyst die junge Frau auf die Glaubwürdigkeit ihrer Schilderung.

Der Fachmann hatte bereits während der erstinstanzlichen Verhandlung seine Meinung begründet, dass die Beschreibung des mutmaßlichen Vergewaltigungsopfers auf tatsächlich Erlebtem basiere. Dabei hatte er das Berichtete auf verschiedene Glaubwürdigkeitskriterien untersucht.

Kein Ergebnis von Autosuggestion

Nach Ansicht des Gutachters bestand die Schilderung der jungen Frau alle drei Kategorien: Weder sei sie wegen psychischer oder Drogenproblemen aussageuntüchtig, noch täusche sie bewusst. Ebenso verneinte der Bielefelder Fachpsychologe die Möglichkeit, das Sexualdelikt sei das Ergebnis einer Autosuggestion, einer Selbsteinbildung, der Frau.

Auch Formen der „Einflüsterung“ von außen schloss er aus: Sie wären denkbar gewesen durch das Personal verschiedener therapeutischer Einrichtungen, in denen die junge Frau seit ihrem 13. Lebensjahr immer wieder behandelt wurde. Diese Möglichkeit hielt der Angeklagte – selbst Student der Psychologie – für möglich. Seiner Ansicht nach gab es für Betreuer und Klinikpersonal vielfach Gelegenheit, auf die damals noch Jugendliche einzuwirken. „Diese Fragen nach einem Missbrauch hätten aber auf eine innere Bereitschaft bei ihr treffen möchten, doch die gab es nicht“, so der Gutachter.

Seine Schlussfolgerung: Die Frau hat sich in ihren Aussagen bei der Polizei, während der Untersuchung und vor Gericht auf eigenes Erleben gestützt. „Die Schilderungen sind qualitativ gut und ohne Ausschmückungen“, so der Sachverständige.

Nachfrage des Oberstaatsanwaltes: Könne es sein, dass sich die junge Frau die Vergewaltigung ausgedacht habe, um der Mutter wegen des schweren Beziehungskonfliktes eins auszuwischen? „Nicht das angegebene Sexualdelikt, sondern die Verletzung durch den Konflikt steht in der Tat im Vordergrund“, antwortete der Gutachter. „Aber das die junge Frau dazu einen Vergewaltigungsvorwurf braucht, ist für mich nicht nachvollziehbar.“

Der Prozess wird am Montag, 24. April um 14 Uhr im Landgericht, Saal 1, fortgesetzt.


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