20.04.2017, 18:07 Uhr

Grabungs-Camp 2017 ab 23. April Im Museumspark Kalkriese wird das Schlachtfeld zum Lernfeld


Bramsche. Der Boden in Kalkriese ist immer wieder für Überraschungen gut. Was bislang für archäologische Funde und daraus abgeleitete historische Erkenntnisse galt, können jetzt auch die kleinen Besucher ganz direkt erleben. Museum und Park Kalkriese haben ein „Grabungs-Camp“ als archäologisches Übungsrevier eingerichtet.

Darunter darf man sich einen Holzunterstand mit vier übergroßen Sandkästen vorstellen. Jeder dieser Sandkästen misst 2,40 Meter im Quadrat und besteht aus einer 25 Zentimeter tiefen Betonwanne, die in den Holzboden eingelassen und mit Sand angefüllt ist. Aber nicht nur mit Sand. Eingestreut in unterschiedlichen „Grabungshorizonten“ sind Nachbildungen von Originalfunden wie Pfeilspitzen, Gesichtsmasken, Kleiderspangen oder Tierknochen. Die Mehrzahl der „Funde“ ist fest einbetoniert, einige kleinere wie etwa Münzen können von den Museumspädagogen wahllos im „Boden“ versteckt werden. Die vier Grabungsbecken simulieren unterschiedliche Fundorte wie die Knochengrube mit dem Maultierskelett, ein Germanenlager mit Feuerstelle und Vorratsgrube oder den Kampfplatz, auf dem römische Legionäre Teile ihrer Ausrüstung verloren haben.

Zielgruppe vor allem Schulklassen

Zielgruppe sind in erster Linie Schulklasse n. „Wir empfangen schon jetzt 1200 Schulklassen im Jahr – die Zahl dürfte sich mit diesem neuen, bislang einzigartigen museumspädagogischen Angebot noch wesentlich steigern lassen“, wagte Joseph Rottmann, Geschäftsführer der Varusschlacht im Osnabrücker Land gGmbH, einen optimistischen Blick in die Zukunft. „Das neuartige an unserem Programm ist ja, dass die Kinder und Jugendlichen den Archäologen dabei nicht nur über die Schulter schauen, sondern selbst in die Rolle der Forscher schlüpfen“, ergänzte Museumsdirektorin Heidrun Derks. Kinder im Grundschulalter wird man nicht lange überreden müssen, zu graben und dabei „auf Schatzsuche“ zu gehen. Spielerisch lernen sie die Werkzeuge der Grabungstechniker wie Schäufelchen, Maurerkelle, Fugenkelle und Pinsel zu nutzen. Im Sekundarbereich I wird das systematische Herangehen an einen Grabungsschnitt und das behutsame Freilegen Schicht für Schicht vermittelt. Nicht ohne Grund messen die Grabungsfelder 2,40 mal 2,40 Meter: Hier lassen sich die Zeichengitterrahmen von 80 mal 80 Zentimeter Größe genau neunmal auflegen und damit alle Funde eindeutig positionieren.

Holzhütte als „Grabungsbüro“

Mit Sek-I- und Sek-II-Schülern wird sodann die Fund-Dokumentation und Bergung durchgespielt. Museumspädagoge Stephan Quick, der mit seinem Team die Infrastruktur des Grabungs-Camps entworfen hat, stellt den jungen Forschern Millimeterpapier-Skizzenblöcke zu Verfügung. Darauf wird der Fund eingemessen und aufgezeichnet. Auch das nachträgliche Kolorieren mit Buntstiften gehört dazu, denn jedem Fundmaterial ist in der Archäologie eine bestimmte Farbe zugeordnet. Für diese Auswertungsarbeiten steht eine separate Holzhütte als „Grabungsbüro“ zur Verfügung.

Auf die Teamarbeit kommt es an

„Genau wie bei einer richtigen Grabung steht ja auch hier nicht dran, was das für ein Fundstück ist“, umreißt Derks die weitere Aufgabenstellung, „es kommt jetzt auf die Teamarbeit an, die man mit älteren Schülern sehr gut durchspielen kann.“ Einige werden zu Numismatikern (Münzkundlern) vorgebildet und werten die Münzaufschriften aus, Biologen bestimmen Knochen, Metallurgen, Althistoriker, Bodenkundler, Siedlungsforscher und so weiter leisten ihre Beiträge, sodass am Ende eine quasi wissenschaftliche Fundbeschreibung und –einordnung steht.

Angetan von der Umsetzung des neuen Mitmachangebots

Am Sonntag, 23. April um 14 Uhr wird das Grabungs-Camp offiziell eröffnet. Zu einer Vorabbesichtigung hatte Rottmann wichtige Unterstützer eingeladen, ohne die das neue Angebot nicht zustande gekommen wäre. Uwe Heinz Bendig vom Amt für regionale Landesentwicklung Weser-Ems, Hans-Christian Biallas von der Klosterkammer, Michael Prior von der Bohnenkamp-Stiftung und Stefan Muhle vom Landschaftsverband Osnabrücker Land waren sehr angetan von der Umsetzung des neuen Mitmachangebots und gingen vor dem Fotografen gern auf die Knie, um selber Fugkelle und Pinsel zu führen.


0 Kommentare