20.04.2017, 16:52 Uhr

Festival unter dem Motto „Push“ Das EMAF 2017: Medienkunst mit Referenzstatus

Neues beim EMAF: Das Team mit einigen neuen Gesichtern und dem Plakat im neuen Design. Foto: Jörn MartensNeues beim EMAF: Das Team mit einigen neuen Gesichtern und dem Plakat im neuen Design. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Das 30. European Media Art Festival steht unter dem Motto „Push“. Gleichzeitig darf sich das EMAF seit diesem Jahr Referenzfestival der Filmförderanstalt nennen.

Die kulturpolitisch brisanteste Nachricht hebt sich Alfred Rotert für den Schluss auf. „Das EMAF wird Referenzfestival der Filmförderanstalt des Bundes“, sagt der Leiter des European Media Art Festivals (EMAF) bei der Vortstellung des diesjährigen Festivalprogramms. Hinter den knappen Worten verbirgt sich ein immenser Statusgewinn: Im 30. Jahr seines Bestehens steigt das European Media Art Festival auf in den Kreis von zehn deutschen Festivals, bei denen Filmemacher mit ihren eingereichten Arbeiten Punkte sammeln können, die sie dann wiederum berechtigen, Gelder der Filmförderanstalt, kurz FFA zu beantragen. „Für Kurzfilmemacher ist das natürlich eine gute Nachricht, die auch uns sehr freut“, sagt Rotert.

Das Leben in Zeiten der Überinformation

In den Genuss der Förderpunkte kommen die Filmemacher bereits in diesem Jahr, auch wenn das EMAF erst seit diesem Februar zum Kreis der erlauchten Zehn gehört. Denn als die 2200 eingereichten Filme, vom 45-Sekünder bis zum Zweieinhalbstunden-Film, beim Festival ankamen, verhandelte das EMAF noch mit der FFA, und der Referenzstatus war noch Zukunftsmusik.

Das war auch das Festivalmotto noch, als das Leitungstrio Hermannn Nöring, Ralf Sausmikat und Alfred Rotert sich im vergangenen September für den Begriff „Push“ entschieden. „Wir wussten damals noch nicht, dass ein Twitter-Präsident die USA regieren würde“, sagt Rotert. Fake-News, Informationsgesellschaft, das Leben „in Zeiten der Überinformation“ (Nöring): Das sind in diesem Jahr die Themen, die das Medienkunstfestival in diesem Jahr behandelt. So haben Nöring und Ko-Kurator Franz Reimer die Ausstellung in der Kunsthalle Osnabrück mit dem Anspruch konzipiert, „die Bandbreite des Themas ,Push‘ aufzuzeigen“, so Nöring. Jeder ist damit konfrontiert, sagt Rotert; „es ist ein Querschnittsthema, das jeden Menschen erreicht.“ Weiterlesen: Die EMAF-Ausstellung 2016

Seit der amerikanische Präsident seine Botschaften in 160-Zeichen-Häppchen in die Welt schickt und seine Mitarbeiter alternative Fakten zur Maßgabe der Politik gemacht haben, rückten Begriffe wie Wahrheit und Echtheit neu in den Fokus des öffentlichen Bewusstseins. Gleichzeitig entstehen parallel zum immer schneller werdenden Informationssturm Phänomene wie die Hasskommentare oder die Social Bots: Maschinensubjekte, die sich in Debatten einschalten und diese beeinflussen. Auf der anderen Seite steht „das große demokratische Potenzial“, sagt Nöring: Eine Arbeit eines iranischen Künstlers behandelt die Frage, wie man in der digitalen Welt staatliche Kontrollen umgeht.

Das Filmprogramm widmet dem Festivalmotto vier Programme, sagt Filmkurator Sausmikat. Ohnehin stellt Ko-Kuratorin Mundt beim experimentellen Film „eine Tendenz weg vom Abstrakten hin zu politischen und gesellschaftlichen Anliegen“ fest. Weshalb sich etliche Filme mit den Fragen nach dem Verhältnis von Gesellschaft und Medien beschäftigen.

Formal ändert sich auf den ersten Blick wenig beim EMAF: Eine dritte Säule neben Ausstellung und Filmprogramm bildet die Konferenz, die sich natürlich auch mit dem Themenfeld Information auseinandersetzt. Im Media Campus INIT darf sich der Nachwuchs präsentieren, und die Samstagnacht gehört den Performances, die diesmal in der Osnabrückhalle gezeigt werden. Sehen Sie hier ein Video vom Media Campus des letzten Jahres

So verstecken sich viele Neuerungen unter dem gewohnten Label EMAF. Die auffälligste Neuerung indes fällt sofort ins Auge: Im 30. Jahr seines Bestehens erscheint das EMAF auf Flyern, Katalog und im Netz im neuen Gewand: Neue Schrift, neue Logo, neues Design. Ein Schritt in die Zukunft.


EMAF: 26. – 30. April. Programm und weitere Infos: www.emaf.de

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