20.04.2017, 05:45 Uhr

Fahrradclub zum E-Bike-Boom ADFC fordert mehr Radschnellwege in der Region Osnabrück


Osnabrück. Osnabrück und die Region müssen sich besser auf den E-Bike-Boom einstellen und mehr Radschnellwege schaffen. Das fordert der Vorsitzende des Kreisverbands Osnabrück vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC), Uwe Schmidt.

Nach Angaben des Branchenverbandes der Zweirad-Industrie ZIV ist jedes siebte Fahrrad, das im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft wurde, ein Elektrorad gewesen. Aktuell sind laut ZIV drei Millionen E-Bikes unterwegs. Mittelfristig geht der Verband davon aus, dass jedes fünfte und langfristig sogar jedes dritte Rad ein E-Bike ist.

Dabei unterscheidet der ZIV nicht mehr zwischen E-Bike und Pedelec, da sich im Sprachgebrauch der international übliche Ausdruck E-Bike für alle Arten von Elektrorädern eingebürgert habe. Bislang sprach man von Pedelecs, wenn sie über eine Tretunterstützung bis zu 25 Stundenkilometer verfügen und von E-Bikes, wenn sie auch bei 25 bis zu 45 Stundenkilometer unterstützen.

Schmidt geht davon aus, dass auch in der Region Osnabrück immer mehr auf E-Bikes setzen. Er kritisiert aber, dass die Rahmenbedingungen noch nicht geschaffen wurden: „Man muss flott und sicher von A nach B kommen. Wir brauchen die entsprechende Infrastruktur für die E-Bikes, sonst hat man keinen Vorteil.“ Der ADFC-Chef hält die Planungen für einen Radschnellweg von Osnabrück nach Belm zwar bereits für einen guten Anfang, aber noch lange nicht für ausreichend, um Pendlern eine Alternative zum Auto zu bieten. Er fordert „vernünftige Ost-West und Nord-Süd-Verbindungen durch Osnabrück“.

So hält er einen Radschnellweg über die Oldenburger Landstraße nach Wallenhorst genauso für notwendig wie einen Radschnellweg nach Lotte-Wersen. Die Stadt Osnabrück hatte in einer Machbarkeitsstudie auch solche asphaltierten Radautobahnen in Richtung Lotte und Wallenhorst untersuchen lassen, sich aber zunächst einmal für die Realisierung der rund sieben Kilometer langen Strecke nach Belm entschieden. Die Osnabrücker Radverkehrsplanerin Ulla Bauer erklärt: „Der Radschnellweg bietet im Vergleich die günstigsten Voraussetzungen. Danach haben Wallenhorst und Lotte die zweite und dritte Priorität. Dafür gab es bislang aber nur eine Machbarkeitsstudie und noch keine Planungen.“ Ein Radschnellweg sollte möglichst wenige Kreuzungen haben, möglichst nah an Wohngebieten, Schulen, Hochschulen oder Unternehmen liegen und im Verkehr in zwei Richtungen vier Meter oder im Verkehr in eine Richtung drei Meter breit sein.

Wall um den Wall für Radfahrer in Osnabrück

Besondere Alternativrouten für Radfahrer gibt es laut Schmidt in der Stadt Osnabrück noch viel zu wenige. Eine Ausnahme sei der parallel zur viel befahrenen Sutthauser Straße verlaufende Burenkamp. Solche Alternativen würde er sich aber auch insbesondere als Wall um den Wall für Radfahrer in Osnabrück wünschen. „Der Wall ist zu gefährlich. Deshalb bedarf es gut ausgeschilderter Parallelstrecken, die durchgängig zügig zu befahren sind.“ Ein Lichtblick sei, dass immerhin der Abschnitt der Arndtstraße, der zwischen Katharinenstraße und Lotter Straße verläuft, nun nicht mehr mit Kopfstein- sondern mit Betonsteinpflaster ausgestattet ist. Als das beschädigte Kopfsteinpflaster ohnehin ausgetauscht werden musste, war die Stadt den Radfahrern entgegengekommen, die diese Alternative zum Heger-Tor-Wall ohnehin schon für sich entdeckt hatten.

Radweg auf dem Ring durch Hochbord von Fahrspur trennen

Den Abschnitt der Arndtstraße von der Katharinenstraße bis zur Martinistraße will die Stadt aber erst durch das Betonsteinpflaster ersetzen, wenn auch dort Schäden auftreten, die eine Erneuerung des Pflasters erfordern. Eine sinnvolle Alternativroute zum Wall würde laut Schmidt ohnehin aber erst geschaffen, wenn auch die Heinrichstraße, die sich hinter der Martinistraße im Stadtteil Wüste anknüpft, zur Fahrradstraße umgewidmet wird. „Am Rosenplatz ist dann aber auch Endstation“, erklärt Schmidt die beschränkten Möglichkeiten des „Walls um den Walls“. In Bereichen wie etwa dem Remarque-Ring, wo keine Parallelroute realisierbar ist, fordert Schmidt, dass der Radweg entweder durch ein Hochbord oder durch Barrieren von der Fahrspur getrennt wird. „Nur durch eine separierte Radinfrastruktur können wir noch mehr Leute fürs Fahrrad begeistern und Osnabrück und die Region für E-Bike-Fahrer attraktiver machen“, ist sich Schmidt sicher.

Vielversprechender Wall um den Wall für Radfahrer

Radverkehrsplanerin Bauer erklärt, dass der von Schmidt geforderte Wall um den Wall für Radfahrer bereits als eine von vielen „Velo-Routen“ im Entwurf des Radverkehrsplans 2030 eingezeichnet ist. „Das Konzept der Velo-Routen ist vielversprechend. Welche Priorität welche Velo-Route bekommt, muss aber erst noch die Politik entscheiden. Einen entsprechenden Beschluss des Osnabrücker Stadtentwicklungsausschusses zu diesem Thema erwartet Bauer noch vor der Sommerpause.

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