19.04.2017, 16:48 Uhr

Eisregen an der Hochschule Osnabrück Wie Pflanzen jetzt vor Frost geschützt werden


Osnabrück. Ganz schön abwechslungsreich war das Wetter-Programm, das uns der April bis jetzt beschert hat. Auf einen wunderbar sonnig-warmen Sonntag vor Ostern folgte der Temperatursturz. Was bedeutet das für Obstbäume, Gemüsepflanzen und die vielen bunt blühenden Pflanzen, die jetzt schon Balkone und Terrassen zieren? Wie können sie geschützt werden?

Kaum ist der Winter vorbei, wächst die Ungeduld, mit Beet- und Balkonpflanzen loslegen zu wollen, auch wenn sie bekanntermaßen nicht frosthart sind. Ausfälle sind bei Minusgraden vorprogrammiert, werden die Pflanzen nicht geschützt. Was für den Hobbygärtner ärgerlich ist, kann für Obst- und Gemüsebauern zu großen wirtschaftlichen Schäden führen.

Prof. Dr. Werner Dierend vom Fachbereich Obstbau an der Fakultät Agrarwissenschaften der Hochschule Haste, beobachtet das Wetter zurzeit ganz genau. Als in der Nacht zu Mittwoch das Thermometer unter null Grad sank, sei die Entscheidung gefallen, die Frostschutzberegnung über den Obstbäumen anzustellen. Sogenannte Überkronen-Kreisregner werfen bei dieser Methode Wasser über die Bäume. Das Prinzip: Wenn Wasser gefriert, wird dabei Energie frei. Die entstehende Wärme hält die Temperaturen der Obstbaumblüten bei minus einem Grad Celsius. Damit kommen die Blüten noch zurecht.

So können Apfel- und Birnenbäume sowie Heidelbeersträucher auf den Flächen der Hochschule vor Frost geschützt werden. Die Beregnung könne bis zu Temperaturen von minus sieben Grad Celsius eingesetzt werden, erklärt der Professor für Obstbau. „Bei Kirschen funktioniert der Schutz durch die Beregnung leider nicht“, sagt Dierend. Zwar bekämen die Kirschblüten auch einen schützenden Eispanzer, aber später keine guten Fruchtansätze. In Bereichen, die nicht beregnet werden können, habe er bereits am Morgen nach der kalten Nacht die ersten braunen Blüten an Bäumen entdeckt, sagt Dierend. „Das gefällt mir überhaupt nicht.“ Die meisten Obstbauern setzten heute auf Frostschutz durch in der Regel stationär verlegte Beregnungsanlagen. Der Nachteil dabei sei, dass viel Wasser benötigt werde, etwa 30000 Liter pro Hektar und Stunde.

Bienen fliegen ungern bei Kälte

Eine weitere negative Auswirkung von Kälte um diese Jahreszeit ist das Flugverhalten von Bienen. „Bei Kälte fliegen die ungern und nicht so weit wie erforderlich“, erklärt Dierend. Weil auf den Flächen der Hochschule viele Bienenvölker seien, seien die Flugstrecken hier recht kurz. Auf großen Anlagen müssten Bienen aber zur Bestäubung der Bäume bis zu zwei Kilometer Strecke zurücklegen, und da könne es dann schon Probleme mit der Bestäubung geben.

Gelassener kann Olaf Melzer, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät Agrarwissenschaften im Bereich Gemüsebau der Hochschule, die derzeitigen Temperaturen sehen. Für Hobby-Gemüsegärtner gelte dasselbe wie für die Profis: Wer schon Radieschen gesät, Salat gepflanzt und Kohlrabi gesteckt hat, müsse die Beete mit Verfrühungsvlies oder Lochfolie bei Frost etwas schützen. „Wir machen das genauso“, sagt Melzer.

Im professionellen Gemüseanbau werde ohnehin vielfach gezielt mit Verfrühungstechniken gearbeitet, zum Beispiel im Spargelanbau. „Spargel war in diesem Jahr außerordentlich früh, weil es im März so warm war“, erklärt Melzer. Nun hätten die Spargelbauern das Problem, dass die Plantagen etwas ins Stocken gerieten. Im Zweifelsfall müsse der Spargel zusätzlich mit Vlies geschützt werden. „Ein bisschen Hoffen und Beten ist im Gemüseanbau aber ohnehin immer dabei“.

„Wir haben selbst übrigens auch schon vor Ostern Salate gepflanzt, die wir nun mit Vlies abgedeckt haben, nun warten wir getrost ab, bis es wieder wärmer wird“, berichtet Melzer. Mit Porree, Sellerie und Kohlarten sollten Gärtner hingegen noch bis Anfang Mai warten, rät der Experte für Gemüsebau.

Kübelfplanzen noch nicht draußen

Im Botanischen Garten in Osnabrück löst der Frost eher geringe Betriebsamkeit aus. Dr. Nikolai Friesen, wissenschaftlicher Leiter des Botanischen Gartens, berichtet, dass die großen Kübelpflanzen ohnehin nie vor dem 15. Mai ins Freie gebracht würden. „Wir haben hier viele Pflanzen aus anderen Klimazonen, und die sind noch nicht draußen.“ Der Stichtag für den Umzug der Pflanzen ins Freie trifft genau den letzten Tag der sogenannten Eisheiligen, die kalte Sophie. Nach den alten Bauernregeln ist danach nicht mehr mit Frost zu rechnen. Im Botanischen Garten werden junge Pflanzen bei Temperaturen wie den derzeitigen mit Glasrahmen vor Kälte geschützt, sonstige Frostschutzmaßnahmen seien nicht notwendig, weil der Garten keinen Obstbau betreibe, sagt Friesen. Auffällig in diesem Frühjahr findet Friesen, dass vieles gleichzeitig blühe, was üblicherweise im zeitlichen Abstand blüht. „Wenn Krokusse, Narzissen und Tulpen gleichzeitig blühen, ist das schon eine interessante Erfahrung“, sagt er. Auch Flieder und Raps seien ja bereits zu sehen, die sonst durchaus zwei Wochen später blühten. „Nun, wir hatten halt keinen richtigen Winter“, sagt Friesen dazu.

Frostschutz für Beet- und Balkonblumen nötig

Gerd Bentrup von der gleichnamigen Gärtnerei in Bad Iburg rät Pflanzenliebhabern, die dem Charme von Sommerblumen nicht widerstehen konnten, die Pflanzen bei Frost mit Vlies oder Schattiernetzen abzudecken. Auch eine Zeitung eigne sich gut dafür, weiß der erfahrene Gärtner. Japanischer Ahorn sei auch ziemlich frostempfindlich, sagt er und rät, auch diese Bäumchen zu schützen. Bepflanzte Gefäße sollten bei Frost die Nacht besser in der Garage verbringen oder zumindest geschützt direkt am Haus stehen, rät Bentrup.

Pragmatischen Rat gibt auch Florist Martin Hettlich vom Osnabrücker Gartencenter Die Pottlbume. „Wir raten, frostempfindliche Pflanzen in Töpfe zu setzen, die bei Kälte reingeholt werden können“, sagt er. Natürlich könne man die Pflanzen auch abdecken, aber ab Temperaturen von minus fünf Grad Celsius ginge der Frost dann auch durch diesen Schutz. Die andere Möglichkeit sei, „Pflanzen dann zu besorgen und ins Beet zu pflanzen, wenn sie natürlicherweise draußen auch blühen“. Auch Wolfgang Haucap von den gleichnamigen Betrieben in Hollage und Natbergen rät zum Frostschutz für Beet- und Balkonpflanzen. Wer früh im Jahr damit loslegen möchte, müsse wissen, dass bei Frost etwas Abdeckung oder ein frostsicherer Platz notwendig seien. Der Gärtnerei-Inhaber berichtet, dass die Pflanzen im Gewächshaus schon an kühlere Temperaturen durch gezieltes Absenken der Heizung nachts gewöhnt würden, um sie abzuhärten. Dennoch bliebe es dabei. „Frost können sie nicht vertragen.“


Die Eisheiligen:

  • Mamertus – Donnerstag, 11. Mai
  • Pankratius – Freitag, 12. Mai 2017
  • Servatius – Samstag, 13. Mai 2017
  • Bonifatius – Sonntag, 14. Mai 2017
  • Kalte Sophie – Montag, 15. Mai 2017

Die Eisheiligen beziehen sich die Namenstage von Heiligen im Mai. Laut altem Volksglaube gibt es erst nach der „kalten Sophie“, also nach dem 15. Mai, keinen Frost mehr, der Pflanzen schädigen könnte.

Bauernregeln zu den Eisheiligen:

  • Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz.
  • Vor Bonifaz kein Sommer, nach der Sophie kein Frost.
  • Vor Nachtfrost du nie sicher bist, bis Sophie vorüber ist.
  • Servaz muss vorüber sein, will man vor Nachtfrost sicher sein.
  • Pankrazi, Servazi und Bonifazi, sind drei frostige Bazi. Und zum Schluss fehlt nie, die Kalte Sophie.
  • Pankraz und Servaz sind zwei böse Brüder, was der Frühling gebracht, zerstören sie wieder.
  • Pflanze nie vor der Kalten Sophie. Mamerz hat ein kaltes Herz.

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