19.04.2017, 14:21 Uhr

Tolles Konzert in der Osnabrückhalle Bundesjugendorchester eröffnet das Euregio Musikfestival

Das macht Freude: Die Geigerin Liza Ferschtman (2. von links) und Bratscher Nils Mönkemeyer (2. von rechts) spielen zusammen mit dem Bundesjugendorchester. Foto: Elvira PartonDas macht Freude: Die Geigerin Liza Ferschtman (2. von links) und Bratscher Nils Mönkemeyer (2. von rechts) spielen zusammen mit dem Bundesjugendorchester. Foto: Elvira Parton

Osnabrück. Das Bundesjugendorchester hat das diesjährige Euregio Musikfestival eröffnet. Das Konzert in der Osnabrückhalle war gelungene Werbung für klassische Musik.

Das ist doch mal ein gutes Zeichen für Osnabrück: Ein klassisches Konzert verursacht eine lange Besucherschlange vor der Osnabrückhalle. Sind nicht eben erst die Meisterkonzerte gerade mangels Masse eingestellt worden? Und jetzt avanciert das Bundesjugendorchester zum Straßenfeger – vielleicht, weil einer seiner Gründerväter, der Musiker und Pädagoge Peter Koch, Osnabrücker war? Weiterlesen: Nachruf auf Peter Koch

Das Euregio Festival hat alles richtig gemacht

Nun, das ist lange her, und im Europasaal tritt denn auch die Ernüchterung ein: Einige Lücken in den Publikumsreihen zeigen, wie schwer es die klassische Musik in Osnabrück offenbar doch hat. Dabei hat das Euregio Musikfestival im Vorfeld des diesjährigen Eröffnungskonzert fast alles richtig gemacht: Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren hatten in Begleitung ihrer Eltern freien Eintritt. Das zog offenbar organisatorische Probleme nach sich; deswegen stauten sich die Besucher vor dem Kartenschalter im Eingangsbereich der Osnabrückhalle.

Gemessen an den Meisterkonzerten war der Saal dann aber doch gut gefüllt ; vor allem waren viele Kinder und Jugendliche da. Ihnen wurde denn auch gleich vorgeführt, was es heißt, bei einer hochoffiziellen Festivaleröffnung dabei zu sein: Reden gehören zwingend zum Protokoll. Der Osnabrücker Oberbürgermeister Wolfgang Griesert sagt daher Sonntägliches über die Bedeutung von Kultur und Musik für die Stadt, der Schirmherr des Festivals, Carl-Ludwig Thiele, merkt Staatstragendes über die Bedeutung Europas an, Festivalleiter Timo Maschmann erläutert schließlich etwas prosaisch das Eröffnungsstück, die Tänzerische Fantasie „Muak“ von Isang Yun. Das alles zieht sich ein bisschen, und so ist es fast halb neun, als das Bundesjugendorchester beginnen kann, den Abend und die Musik zu retten. Weiterlesen: Zwei Musiker des Bundesjugendorchesters berichten

Hervorragende Musiker

„Muak“ hat tatsächlich überraschende Momente; es schwanken manche Töne der Oboe, es verdichten sich Splitter zu dichten Klangwolken, die sich in heftigen Eruptionen entladen. Das ist effektvoll komponiert und gibt dem Orchester die Chance, sich wirkungsvoll vorzustellen: Die Solooboistin spielt ganz hervorragend, die Konzertmeisterin ebenfalls, und McFall hat das Orchester ganz sehr gut vorbereitet: Aus vorsichtigen Motivschritten entfalten sich rhythmische Kraft und klangliche Vielfalt vom filigranen Piano bis zum explosiven Fortissimo.

Auch mit Wolfgang Amadeus Mozarts Sinfonia concertante Es-Dur KV 364 geht das Bundesjugendorchester fein um. In kleiner Besetzung und im Stehen vollführt es nun die hohe Kunst, Mozart federnd leicht klingen zu lassen und die Tiefe der Musik herauszuarbeiten. Gleichzeitig schafft es ein kontrastreiches Umfeld für die Geigerin Liza Ferschtman und den Bratschenstar (und ehemaligen Musiker des Bundesjugendorchesters) Nils Mönkemeyer. Die beiden Solisten bringen die Sinnlichkeit in dieser Musik zum Klingen, die Lebensfreude, aber auch die Trauer, die in diesem Meisterwerk steckt. Und das Orchester ist dabei nicht nur wacher Begleiter; es stützt, kommentiert, führt, und dafür braucht es nicht nur instrumentale Klasse, sondern auch gehöriges Selbstbewusstsein, das Leo McFall dem Orchester entlockt.

In Sergej Rachmaninows Sinfonie Nr. 3 op. 44 darf es schließlich noch einmal die ganze romantische Palette herausholen. Kräftige Farben, rasante Rhythmik, große dynamische Bandbreite: Bis in die feinsten Details fächert McFall hier den Breitwandsound auf, und das Orchester spielt mit Hingabe und auf höchstem Niveau. So weckt man Begeisterung für klassische Musik.


0 Kommentare