18.04.2017, 12:07 Uhr

Schlafkrankheit Narkolepsie Osnabrücker Narkoleptiker über extreme Müdigkeit und Aufputschmittel


Osnabrück. Hendrik Drosselmeyer leidet unter Narkolepsie, einer Schlafstörung, bei der die Betroffenen ständig mit extremer Müdigkeit zu kämpfen haben. Der 30-jährige Osnabrücker ist seit gut fünf Jahren im Ambulanten Schlafzentrum Osnabrück in Behandlung. Mit ihm haben wir über Schlaf, Autofahren und Aufputschmittel gesprochen.

Narkolepsie ist eine seltene neurologische Erkrankung, die zu einer Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus führt und nicht heilbar ist. Narkoleptiker leiden unter einer übermäßigen Tagesschläfrigkeit. Oft ist auch der Nachtschlaf nicht erholsam, weil die Betroffenen nicht durchschlafen können. Nach Schätzungen der Deutschen Narkolepsie-Gesellschaft (DNG) gibt es in Deutschland rund 40.000 Narkoleptiker.

Herr Drosselmeyer, wann haben Sie gemerkt, dass mit ihrem Schlafverhalten etwas nicht stimmt?

Das war zu Beginn meiner Uni-Zeit, als ich 20 Jahre alt war. Zunächst habe ich die 8-Uhr-Vorlesung weggelassen, weil ich müde und unkonzentriert war. Ich habe gedacht, ich brauche einfach mehr Schlaf. Irgendwann habe ich aber gemerkt, dass etwas nicht stimmt und bin zu meinem Hausarzt gegangen. Der hat die Schilddrüse untersucht und mich auch zu einem Psychologen geschickt. Schließlich bin ich zum Schlafzentrum überwiesen worden. Hier wurde bei mir Narkolepsie diagnostiziert.

Wie fühlt sich Narkolepsie an?

Ärzte beschreiben es mit dem Gefühl, das Menschen haben, wenn sie zwischen 24 und 48 Stunden nicht geschlafen haben. Das trifft es ganz gut. Man ist müde und unkonzentriert, wenn man keine Medikamente nimmt.

Schlafen Sie tagsüber unvermittelt ein?

Seit ich vor etwa fünf Jahren angefangen habe Medikamente zu nehmen, schlafe ich gar nicht mehr unvermittelt ein. Das war davor anders. Ich habe Chemie studiert, und wenn ich am frühen Morgen eine Vorlesung hatte, bin ich in den Pausen weggenickt und erst wieder aufgewacht, wenn der Prof wieder gesprochen hat.

Wie reagieren Menschen, wenn Sie Ihnen sagen, dass sie Narkolepsie haben?

Die häufigste Reaktion ist: Dann musst Du halt mehr schlafen.

Aber man kann es nicht wegschlafen.

Nein, es ist egal, ob ich fünf oder 15 Stunden schlafe. Ich bin trotzdem immer müde.

Wie wirken die Medikamente?

Das sind im Prinzip Aufputschmittel, die die Konzentration fördern. Es gibt verschiedene Medikamente. Eine Zeit lang habe ich Modafinil genommen. Das ist eine Psychostimulanz, die ein bisschen wie Speed wirkt und einfach wach macht. Es gibt Studenten in den USA, die das unter der Hand nehmen, um Ihre Leistungen zu steigern. Ein anderes Medikament ist Ritalin, das beispielsweise auch Kinder bekommen, bei denen ADHS diagnostiziert worden ist. Jetzt nehme ich Wakix mit dem Wirkstoff Pitolisant, das erst vor einem Jahr in der EU zugelassen worden ist. Aber alle Medikamente bekämpfen nur die Symptome von Narkolepsie und nicht die Ursachen. Für die Pharmaindustrie lohnt es sich nicht, viel Geld in die Forschung zu investieren, weil es nicht so viele Betroffene gibt. Es lässt sich nicht viel Geld damit verdienen.

Dürfen sie mir der Diagnose Narkolepsie Auto fahren?

Ja, ich kann und darf Auto fahren. Natürlich achte ich darauf, dass ich mich fit fühle, bevor ich fahre. Aber das sollte jeder andere ja auch machen. Es gibt aber Narkoleptiker, die auch unter Kataplexien leiden. Das bedeutet, dass kurzzeitig die Muskeln versagen, dann ist Autofahren natürlich gefährlich. Das habe ich aber zum Glück nicht.

Schränkt die Krankheit sie beruflich ein?

Ich habe mein Chemiestudium abgebrochen. Das hatte zum Teil auch mit der Narkolepsie zu tun. Ich habe in Bielefeld studiert. Wenn die erste Vorlesung um 8 Uhr war, musste ich um 6 Uhr aufstehen. Das habe ich nicht hinbekommen, weil ich mich dann nicht richtig konzentrieren konnte. Jetzt arbeite ich im Backoffice beim Kundenservice einer Bank. Mit meinem Arbeitgeber habe ich abgemacht, dass ich nicht vor 9 Uhr anfange. Dann geht es.

Wie sieht Ihr Tagesablauf aus?

Ich versuche, einen geregelten Schlafrhythmus einzuhalten. Ich gehe um 23.30 Uhr ins Bett und stehe um 7.30 Uhr auf. Beim Frühstück gegen 8 Uhr nehme ich die Medikamente. Um 9 Uhr fange ich auf der Arbeit an, wenn ich Frühschicht habe. Meistens wirken die Medikamente aber erst gegen 10 Uhr richtig.


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