10.04.2017, 06:17 Uhr

Versammlung der Jägerschaft Osnabrücker Jäger sehen Waschbären auf dem Vormarsch


Osnabrück.  Zur Jahreshauptversammlung mit Hegeschau traf sich die Jägerschaft Osnabrück-Land vor Kurzem im Haus Rahenkamp in Osnabrück-Voxtrup. Vorsitzender Reinhard Korbel begrüßte nicht nur Jäger, sondern auch Vertreter aus Politik, Verwaltung, Forst- und Landwirtschaft.

Viele Interessierte fanden sich bereits am späten Nachmittag ein, um die ausgestellten Geweihe zu begutachten. Bei dieser sogenannten Hegeschau legen die Jäger Trophäen des gesamten, in ihren Revieren im letzten Jagdjahr erlegten oder verendet gefundenen Schalenwildes vor. Die in Abschussplänen festgelegten Zahlen für zu erlegendes Wild dürfen nicht überschritten werden, damit Jagd nachhaltig bleibt.

Um 19 Uhr gab die Jagdhornbläsergruppe Krevinghausen das musikalische Startsignal zur Versammlung. Rund 300 Gäste, größtenteils Mitglieder der zehn Hegeringe der Jägerschaft Osnabrück-Land, nahmen an langen Tafeln Platz.

„Erfahrung der Jäger mehr Beachtung schenken“

Nach einleitenden Worten Korbels grüßte zunächst CDU-Landtagsabgeordneter Martin Bäumer und betonte den hohen Stellenwert des Austauschs zwischen Jägerschaft und Politik. „Nur wer engen Kontakt zu den Menschen vor Ort pflegt, kann in Hannover vernünftige Beschlüsse fassen“, sagte er. Wenn man auf der einen Seite erkenne, wie dringend die Bejagung des sich ausbreitenden Waschbären oder der Nutria ist, dürfe man andererseits den Jägern keine gesetzlichen Hürden zur Bejagung dieser Tierarten stellen. Politik müsse der Erfahrung der Jäger mehr Beachtung schenken.

Bärbel Rosensträter, Leiterin Fachdienst Ordnung beim Landkreis Osnabrück, sprach von einem partnerschaftlichen Verhältnis zwischen Landkreis und Jägerschaft. Der Landkreis erkenne die Leistung der Jäger für den Naturschutz an und stelle zusammen mit der Sparkassenstiftung finanzielle Mittel zur Verfügung damit sich ausbreitende Fressfeinde (sogenannte Prädatoren) bejagt werden können, die andere heimische Arten bedrohen.

Waschbär, Fuchs und Nutria vermehren sich

Der Streckenbericht des Jägermeisters Hans-Joachim Nieberg zeigte den Vormarsch des Raubwilds in Zahlen: Die Waschbär-Strecke habe sich nahezu verdoppelt, bei der Nutria zeichnete sich ein enormer Anstieg um 180 Prozent ab. Zu hohe Bestände gebe es auch beim Fuchs. Rückläufige Zahlen bei Fasan, Feldhase und Kaninchen: Das Wildkaninchen habe 2016 den absoluten Tiefstand im Osnabrücker Land erreicht. Geholfen werden könne den rückläufigen Arten, durch Verminderung ihrer Bejagung, durch stärkeres Bejagen ihrer Feinde und durch Anlegen und Pflege von Lebensräumen.

Zwar nicht im Streckenbericht, dennoch in aller Munde war an diesem Abend auch der Wolf. „Es müssen Taten folgen, ansonsten wird die Akzeptanz des Wolfs nicht besser“, sagte Korbel, nachdem Bäumer sich zuvor für die Tötung von solchen Wölfen aussprach, die ihre Scheu vorm Menschen verloren haben.

Bleifrei jagen

Da die Jäger ab 2018 mit einem Bleiverbot und der Einführung eines Büchsenpatronen-TÜVs rechnen müssen, referierte Lars Backes vom Munitionshersteller Ruag Ammotec zum Thema „Jagd mit bleifreien Büchsen“. Mit dem möglichen Verbot soll eine Reduktion der Bleikontamination von verzehrfähigem Wildfleisch erreicht werden.

Vor Abschluss der Versammlung wurden vier Waidmänner für ihre außerordentlichen Verdienste geehrt. Die silberne Verdienstnadel der Landesjägerschaft Niedersachsen (LJN) erhielt der langjährige Hegeringleiter Wilhelm Meyer zu Nolle. Mit der bronzenen LJN-Nadel wurden Willi Schröder und Clemens Plengemeyer ausgezeichnet. Hans Theo Meyer zum Alten Borgloh freute sich über die goldene Bläsernadel für 50 Jahre Einsatz als Jagdhornbläser.


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