21.03.2017, 07:57 Uhr

Second-Hand-Geschäft in Osnabrück „Second Art“: Nachbarschaftstreff und Laden in Einem


Osnabrück. „Second Art“ im Osnabrücker Stadtteil Sonnenhügel ist mehr als nur ein Second-Hand-Laden. Der Betreiber Thomas Gröner sieht in dem Geschäft auch einen Nachbarschaftstreff, der die Menschen aus dem Viertel willkommen heißt.

Vom Angebot erschlagen – so lässt sich der erste Eindruck von Besuchern des „Second Art“ am Sonnenhügel wohl am besten beschreiben.

„Gebrauchte Sachen haben eine Seele. Und ich schmeiße nicht gerne Sachen weg“, erzählt der Betreiber des Second-Hand-Ladens, Thomas Gröner. So ist es nicht verwunderlich, dass Gröners 170 Quadratmeter großes Geschäft, zu dem auch eine Werkstatt gehört, sich als ein Potpourri aus gebrauchten Elektrogeräten, verborgenen Schätzen, Gerümpel, Haushaltsgegenständen und Werkzeug erweist.

Labyrinth aus Kartons und Kleinmöbeln

An den Wänden ruhen mehrere Holzschränke. Die Lücken zwischen den Schrankwänden zieren wahllos aneinandergereihte Bilder. Ein gemalter Cocker Spaniel blickt die Besucher an. Ein weiteres Gemälde zeigt ein Blumenstillleben. An der Wand gegenüber hängt das gemalte Porträt eines jungen Mannes, an einer anderen Wand ein Kruzifix, von der Decke dutzende Lampenschirme.

Weiterlesen: „Casita“-Kindermode in Osnabrück geht mit der Zeit

Das Geschäft ist mit einem grauen Teppich ausgelegt. Ladenbesucher müssen sich durch ein Labyrinth aus Kartons und Kleinmöbeln schlängeln, um im Geschäft etwas umhergehen und sich etwas anschauen zu können. Einräder, eine Kiste voller schwarzer Ledergürtel, ein Karton mit mehreren Bügeleisen, ein Banjo, ein Holzeimer voll mit Krücken, eine Garderobenstange mit Pelzen, Jacketts und Hüten, ein eingepackter Gas-Heizofen, Schlittschuhe, eine Schale mit Plastikobst, eine Vitrine mit Schmuck, Plastikblumen in einer Vase, ein weißer Ventilator und natürlich unzählige Kartons mit Büchern, Schallplatten, DVDs und Gesellschaftsspielen – das Angebot ist vielfältig.

„Sachen mit Charme“

„Die meisten Sachen hier stammen aus Haushaltsauflösungen“, erzählt Gröner. Gegründet hat der gebürtige Offenbacher den Laden im Jahr 2001. „Bei Haushaltsauflösungen schaue ich mir die Sachen an. Es gibt immer wieder Sachen, die Charme haben“, sagt der 53-Jährige. Dass sich in den vergangenen Jahren sehr viele Dinge angesammelt haben, die „Charme haben“, gibt auch Gröner zu. „Bis zum Sommer möchte ich noch einige Sachen entsorgen.“

Weiterlesen: 4000 Schallplatten auf nur 6,5 Quadratmetern

Eine Nachfrage nach solchen Sachen besteht tatsächlich. Am späten Nachmittag kommt zum Beispiel ein Stammkunde vorbei. „Diabolo“ – so wird er von allen hier genannt – sucht nach einem Geburtstagsgeschenk für seine Lebensgefährtin.

„Diabolo“ hält einen handgroßen Fisch aus Glas fest. „Meine Dame ist vom Sternzeichen Fisch, deswegen bekommt sie auch diese handgearbeitete Figur zum Geburtstag“, erzählt der 52-Jährige. Außerdem kauft er noch drei Wasserpumpenzangen für sich.

Südamerikanische Musik erklingt am Sonnenhügel

Das „Second Art“ ist aber nicht nur ein Geschäft, sondern auch ein beliebter Treff bei einigen Bewohnern des Sonnenhügels. Bei schlechtem Wetter dient der Laden als Treffpunkt, bei warmen Temperaturen und Sonnenschein stellt Gröner einen Gartentisch und Stühle raus, spannt einen Sonnenschirm auf und verwandelt die Bramscher Straße/Ecke Süntelstraße in einen Ort der Begegnung – so auch am Tag unseres Besuchs. Über der Eingangstür hängt ein Schild mit der Aufschrift: „Der Herr segne dieses Haus und alle, die drin gehen ein und aus“.

Südamerikanische Musik erklingt im Viertel. Georg Wiese und Eduardo Flores spielen auf ihren Gitarren das Lied „Bésame mucho“. Gröner hat eine Thermoskanne mit Kaffee und Becher rausgestellt. Nach und nach trudeln seine Stammgäste ein. Darunter auch Ulf Beckmann, der regelmäßig mit seinem Hund aus Haste mit dem Fahrrad zum „Second Art“ fährt. „Ich kenne Thomas schon lange und komme sehr gerne hierher. Es sind immer fröhliche Menschen hier. Hier erfährt man, was es Neues gibt im Viertel und hilft einander“, erzählt der 72-Jährige. Auch Alina Schmidt und ihre kleine Tochter Emily statten dem „Second Art“ regelmäßig einen Besuch ab.

„Echte Willkommenskultur“

Georg Wiese bringt schließlich auf den Punkt, was den Nachbarschaftstreff ausmacht: „Hier wird echte Willkommenskultur gelebt. Thomas hat einen großen Beitrag für den Kiez geleistet, in dem er einfach einen Tisch und Kaffee nach draußen gestellt hat. Die Leute gehen nicht mehr einfach vorbei, sondern halten an. Der Laden ist zu einem richtigen Hotspot geworden und das Viertel gewinnt dadurch ungemein.“


0 Kommentare