21.03.2017, 07:25 Uhr

Beteiligungsprojekt vorgestellt Zugewanderte sollen Osnabrück stärker mitgestalten

An einem Strang ziehen für eine vielfältige Stadtgesellschaft: Die Osnabrücker Integrationsbeauftragte Seda Rass-Turgut (links) und Stadtentwicklungschef Claas Beckord wollen Migranten dazu ermuntern, bei der Stadtentwicklung mitzumischen. Foto: Jörn MartensAn einem Strang ziehen für eine vielfältige Stadtgesellschaft: Die Osnabrücker Integrationsbeauftragte Seda Rass-Turgut (links) und Stadtentwicklungschef Claas Beckord wollen Migranten dazu ermuntern, bei der Stadtentwicklung mitzumischen. Foto: Jörn Martens

Osnabrück. Mithilfe des Projekts „Gestalte deine Stadt“ sollen Zugewanderte zukünftig stärker an den Prozessen der Stadtentwicklung in Osnabrück beteiligt werden. Im Rahmen der Veranstaltung „Wir müssen dabei sein“ wurde das Vorhaben jetzt im Rathaus vorgestellt.

Fast ein Drittel aller Osnabrücker Bürger hat einen Migrationshintergrund. Bei Neugeborenen und Kindern bis zu drei Jahren beträgt der Anteil sogar 50 Prozent. Vor diesem Hintergrund macht es sich das vom Bund mit 100.000 Euro geförderte Pilot- und Perspektivprojekt der „Nationalen Stadtentwicklungspolitik“ zur Aufgabe, innerhalb der nächsten drei Jahre Zugewanderte und Menschen mit Migrationsbiografie dazu einzuladen, aktiv an der Entwicklung der Stadtgesellschaft mitzuwirken.

Bereits jetzt prägten und gestalteten Migranten das Stadtleben zwar auf vielfältige Weise mit, etwa in Form von ethnischen Ökonomien, seien aber im Rat und städtischen Organisationen unterrepräsentiert, sagt Seda Rass-Turgut, die Integrationsbeauftragte der Stadt Osnabrück.

Drei Bausteine für Teilhabe

Zum Abschluss einer öffentlichen Vortrags- und Gesprächsrunde im Rathaus zum Thema „Kommunalpolitische Teilhabe in Osnabrück“ stellte sie jetzt gemeinsam mit Claas Beckord, der das Team Strategische Stadtentwicklung leitet, einen Drei-Stufen-Plan vor, mit dem Schritt für Schritt eine stärkere Partizipation von Migranten auch im Hinblick auf gesellschaftliche, wirtschaftliche, sozialräumliche und städtebauliche Entscheidungen gelingen soll. Das Motto: „Osnabrücks Zukunft kennt keine Herkunft“.

Nicht nur auf der Basis einer Erhebung von Fakten über die rund 50.000 Osnabrücker mit Migrationshintergrund, sondern auch unter Berücksichtigung dessen, wie sie in ihrem jeweiligen Milieu ihren Alltag gestalten und dabei Räume wahrnehmen und sich aneignen, soll Ende des Jahres damit begonnen werden, Begegnungen zu organisieren. Mittels neuer und experimenteller, moderierter Diskussions- und Beteiligungsformate werden dabei Ideen für die Entwicklung der Stadt in Bereichen wie Freizeit und Kultur, Mobilität oder Wohnen entworfen. Deren konkrete Umsetzung in Form einer Handvoll möglicher Projekte im Rahmen des bundesweit bislang einzigartigen Stadtentwicklungskonzepts „Migration und Teilhabe“ ist schließlich für das Jahr 2019 vorgesehen.

Demokratieverständnis fördern

„Demokratie bedeutet auch teilnehmen, mitmachen und mitmischen“, betonte der niedersächsische Innenminister und ehemalige Oberbürgermeister Boris Pistorius (SPD) in seinem Vortrag auch mit Blick auf das von der Berufsbildenden Schule am Pottgraben durchgeführte Projekt „In:komm“, das im Dialog das Demokratieverständnis und ein entsprechendes politisches Engagement von 16- bis 25-jährigen Osnabrückern fördern möchte. Im Zuge dessen plädierte der Minister dafür, gerade auch Jugendliche mit Migrationshintergrund dazu einzuladen, sich kommunalpolitisch einzumischen und Prozesse mitzugestalten.

Pistorius’ Nachfolger Wolfgang Griesert sprach sich dafür aus, die „Kompetenzen von Migranten für die Stadtentwicklung und -planung nutzbar“ zu machen. Es sei wichtig, dass alle „gemeinsam kommunale Verantwortung für ein friedliches Zusammenleben übernehmen“.


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