22.02.2017, 11:03 Uhr

Hinterhältige Aktionen in Osnabrück Rechtsextreme missbrauchen Wohnungshilfe für Propaganda


Osnabrück. Drei Mal haben rechtsextreme Gruppierungen versucht, die Osnabrücker Wohnungslosenhilfe für ihre Propaganda zu missbrauchen. Der für die Arbeit zuständige SKM warnt vor dem Bündnis Deutscher Patrioten, einem Zusammenschluss von Rechtsextremen mit Verflechtungen zu Pegida, der AfD und der rechtsextremistischen Identitären Bewegung.

Ende November hatte sich das rechte Bündnis die Unterstützung der Tageswohnung des Katholischen Vereins für soziale Dienste in Osnabrück erschlichen. Zwei Frauen hatten Mitarbeiter darum gebeten, einen Aushang machen zu dürfen, um für eine private Hilfsaktion zu werben. Vor dem Theater wurden dann tatsächlich Schlafsäcke und Kaffee angeboten. Allerdings stellte sich später heraus, dass die Aktion erstens nicht angemeldet war und zweitens vom Bündnis Deutscher Patrioten veranstaltet worden war.

Hetze gegen Flüchtlinge

Die Organisation brüstete sich später auf ihrer Facebook-Seite im Internet, „deutschen Obdachlosen“ geholfen zu haben. Gezeigt werden dabei Fotos, die in Osnabrück und anderen Städten wie Köln oder Oldenburg bei Verteilaktionen gemacht wurden. Das Bündnis Deutscher Patrioten hetzt auf Twitter und seiner Facebook-Gruppe massiv gegen Flüchtlinge.

„Wir hätten den Aushang niemals gemacht, wenn wir gewusst hätten, wer dahintersteckt“, sagt SKM-Geschäftsführer Michael Strob im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Mitarbeiter hätten keinen Argwohn geschöpft, da es in Osnabrück regelmäßig zur kalten Jahreszeit private Initiativen zur Unterstützung von Menschen in dieser schwierigen Lebenslage gebe. „Die warme Platte, die Wohnungslosen in Frostnächten ein Dach über dem Kopf bietet, wird allein aus Spenden finanziert, nennt Strob ein Beispiel der Osnabrücker Hilfsbereitschaft.

Im Laurentiushaus

Am 23. Dezember gab es nach Informationen des SKM einen weiteren Versuch von Rechten, sich bei der Wohnungslosenhilfe einzuschleichen. Eine Frau erkundigte sich in der Übernachtungsstelle Laurentiushaus nach Hilfsangeboten und Möglichkeiten, wie ihre Gruppe Unterstützung leisten könne. Später stellte sich heraus, dass diese Frau wohl zu der Gruppe gehört hatte, die unerlaubt vor dem Theater Schlafsäcke verteilt hatte.

Statement verweigert

Schon einen Tag später, am Heiligabend, tauchten kurz vor der Weihnachtsfeier mit Bischof Bode drei junge Männer im Laurentiushaus auf. Sie wollten sich für Obdachlose engagieren und hätten Päckchen gepackt, die sie gerne bei der Feier persönlich überreichen und dabei ein Statement abgeben wollten. Die Frage, warum sie sich nicht vorher gemeldet hätten, blieb unbeantwortet.

Da das Auftreten in das Schema des Bündnisses Deutscher Patrioten passte, wurde ihnen eine Teilnahme an der Weihnachtsfeier verweigert, berichtet Strob: „Einer Einladung, um 20 Uhr noch einmal zu kommen, um konkreter über ihr Anliegen zu sprechen, sind sie nicht gefolgt.“ Die beiden Beispiele unmittelbar vor Weihnachten zeigen seiner Ansicht nach, dass es aktuell den Versuch gibt, rechtspopulistische Themen unter dem Deckmantel des vermeintlichen Einsatzes für Schwächere gezielt einzubringen.

„Wir müssen wachsam sein“

Deshalb gelte es, zukünftig sehr wachsam zu sein, was hinter dem Angebot einer auf den ersten Blick menschenfreundlichen Aktion steckt, aber gleichzeitig nicht in ein generelles Misstrauen gegenüber Bürgerinnen und Bürgern zu verfallen, die sich gerne engagieren wollen. Der SKM setzte sich für alle Menschen in Not ein, unabhängig von ihrer Religion oder Herkunft.

„Wir dürfen nicht zum politischen Spielball werden“, betont Strob. Das Bündnis Deutscher Patrioten habe eindeutig gezeigt, wofür es stehe: „nicht für Toleranz und Offenheit, sondern für hinterhältige Öffnung von Wegen zur Verbreitung eines intoleranten und menschenverachtenden Weltbildes“.


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