17.02.2017, 16:04 Uhr

Wegen paralleler Hochschulratssitzung Kunstgeschichte: Uni Osnabrück versetzt Kulturausschuss

Die Studenten protestierten gegen die Schließung des Instituts für Kunstgeschichte – der Rat vertagte einen Appell vor der entscheidenden Senatssitzung des Universität. Foto: Michael GründelDie Studenten protestierten gegen die Schließung des Instituts für Kunstgeschichte – der Rat vertagte einen Appell vor der entscheidenden Senatssitzung des Universität. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. In der Frage des Fortbestands des Instituts für Kunstgeschichte an der Universität Osnabrück hat sich am Donnerstagabend der Kulturausschuss der Stadt positioniert – einen Tag, nachdem der Uni-Senat angekündigt hatte, Alternativen zur Schließung des Fachs zu prüfen. Der angekündigte Besuch des Uni-Präsidenten Wolfgang Lücke fiel flach.

Wie die Leiterin des städtischen Fachbereichs Kultur, Patricia Mersinger, den Ausschussmitgliedern ausrichtete, habe Lücke an einer parallel stattfindenden Sitzung des Hochschulrats teilnehmen müssen. Die Kommunalpolitiker stellten dazu keine weiteren Fragen, und die Uni hielt es offenbar nicht für nötig, einen Vertreter zu schicken. „Die Positionen sind ja eigentlich klar“, sagte Uni-Sprecher Utz Lederbogen auf Nachfrage unserer Redaktion. Es handle sich um einen uni-internen Prozess, zu dem die Universität Statements abgeben habe. „Es ist schon alles berichtet worden “, so Lederbogen.

Also befasste sich der Kulturausschuss alleine mit den Anträgen mehrerer Fraktionen , an die Universität zu appellieren, das Fach Kunstgeschichte zu erhalten. Ein faktisches Mitspracherecht hat die Stadt nicht, die Universität fällt solche Entscheidungen autonom.

Kein Ratsappell vor Senatssitzung

„Es wäre schön gewesen, wenn dieser Kulturausschuss vor der Senatssitzung gewesen wäre“, stellte SPD-Ratsherr Heiko Schlatermund fest. Der Rat allerdings hatte am 7. Februar die Anträge der Grünen, SPD, CDU/BOB-Gruppe und Linken genau dorthin verwiesen . Somit gab es vor der Senatssitzung am Mittwoch keinen gemeinsamen Appell des Rats für den Erhalt des Fachs.

Streit im Kulturausschuss über Wortlaut

Und die Fraktionen stritten im Ausschuss nun über den Wortlaut. Klar war: Der Ausschuss begrüßt die Entscheidung des Uni-Senats „zur Prüfung weiterer Optionen als Alternativen zur Schließung des kunstgeschichtlichen Instituts und hofft auf eine gute Lösung im Sinne der Kultur“, wie es im Sitzungsprotokoll heißt. Die Vertreter der Gruppe CDU/BOB wollten zusätzlich das Land Niedersachsen, das die Hochschulen finanziell ausstattet, mit in die Pflicht nehmen, SPD und Grüne hielten das für unnötig.

„CDU/BOB will dem Land noch einen einschenken“, kritisierte Thomas Klein (Grüne). Ingo Dauer, der für CDU/BOB als hinzugewähltes Mitglied im Ausschuss sitzt, wollte trotzdem als Formulierung ein „gemeinsames Zusammenwirken mit dem Land“ in den Beschluss mit aufnehmen und bekam Unterstützung von Brigitte Neumann (CDU), die die Sitzung leitete und darauf pochte, das Land „ganz wertneutral“ mit hineinzunehmen. Für Klein war das „eine unnötige Zuspitzung“: „Soll an dieser Formulierung ein gemeinsamer Beschluss des Kulturausschusses scheitern?“ SPD-Politiker Schlatermund meinte, es sei doch selbstverständlich, dass alle Fraktionen sich an ihre Abgeordneten wenden würden.

Am Ende wurde der Beschluss um den Appell an das Land ergänzt, die Universität zu unterstützen – mit dem Resultat, dass nur die vier stimmberechtigten CDU-Vertreter ihre Hand für den Beschluss hoben und die vier Vertreter von SPD und Grünen sich enthielten.

Welle des Protests

Die angedachte Schließung des Instituts hatte seit Dezember eine Welle des Protests ausgelöst, die bis nach New York reichte. Ursprünglich hatte das Universitätspräsidium angedacht, das Fach Kunstgeschichte bis 2024 auslaufen zu lassen. Drei Professoren gehen in den Ruhestand, mit den frei werdenden Professorenstellen sollten andere Fächer gestärkt werden. Nun sollen dazu Alternativen geprüft werden. Vom Tisch ist die Institutsschließung damit noch nicht.

Diözesanmuseumsleiter: Schließung wäre ein Desaster

Hinter das Institut hat sich nun auch der Direktor des Diözesanmuseums Osnabrück, Hermann Queckenstedt, gestellt. Das kleine Museum ist das erste in der Stadt, dass sich explizit mit einer ausführlichen Pressemitteilung zu Wort meldet. Eine Schließung wäre ein „Desaster“, schreibt Queckenstedt und unterstreicht die Bedeutung des Instituts für die historische Kulturarbeit im Osnabrücker Land. „Das Diözesanmuseum Osnabrück könnte ohne den ausgesprochen regen Austausch mit Lehrenden und Studierenden nicht die qualitätsvollen Arbeitsergebnisse erzielen, die unserem Team immer wieder von Kollegen und Besuchern bescheinigt werden“, betont Queckenstedt und appelliert an das Präsidium der Universität, „einen langjährigen Erfolgsweg nicht in einer administrativen Sackgasse enden zu lassen.“


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