08.02.2017, 18:00 Uhr

Rat verzichtet auf Appell Uni Osnabrück will Kunstgeschichte anderen Fächern opfern

Am Kunsthistorischen Institut der Universität Osnabrück hängen Protestplakate gegen die geplante Schließung. Foto: Michael GründelAm Kunsthistorischen Institut der Universität Osnabrück hängen Protestplakate gegen die geplante Schließung. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Die Uni Osnabrück will das Fach Kunstgeschichte aufgeben, um mit den frei werdenden Professorenstellen andere Fächer zu stärken. Das geht aus einer internen Beschlussvorlage für den Senat hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Unterdessen hat der Rat der Stadt das Thema Institutsschließung von der Tagesordnung genommen.

Die Entscheidung darüber fiel am Dienstag unmittelbar vor der Ratssitzung hinter verschlossenen Türen im Verwaltungsausschuss. Damit kam es nicht zum gemeinsamen Appell aller Fraktionen und Gruppen an die Universität Osnabrück, auf die vorgesehene Schließung des Instituts für Kunstgeschichte „im gesamtstädtischen Interesse“ zu verzichten, wie es in mehreren Anträgen zur Sache heißt.

Stattdessen verwiesen die Ratsvertreter die Angelegenheit in den Kulturausschuss. Dieser tagt das nächste Mal am Donnerstag, 16. Februar – also einen Tag nach der Senatssitzung, bei der das Unipräsidium seine Pläne erstmals hochschulöffentlich diskutiert. Immerhin: Unipräsident Wolfgang Lücke will dem Kulturausschuss danach persönlich Rede und Antwort stehen.

„Gestaltungsspielräume zur Profilbildung schaffen“

Mit Sicherheit wird er den Politikern dabei jene Argumente vortragen, die alle Mitglieder des Senats schon jetzt schwarz auf weiß nachlesen können: in einer internen Sitzungsunterlage, die am Mittwoch unserer Redaktion zugespielt wurde. Darin erläutert der Präsident seine Absicht, drei Professuren für Kunstgeschichte nach dem altersbedingten Ausscheiden der Stelleninhaber nicht wieder zu besetzen, das Fach damit im Jahr 2024 geregelt auslaufen zu lassen und so „stellentechnische Gestaltungsspielräume“ zu schaffen zum Zwecke einer „Profilbildung“ und „verbesserten Wettbewerbssituation“ anderer, nicht näher bezeichneter Fächer.

Lücke stützt seine strategischen Überlegungen auf das Zukunftskonzept der Uni Osnabrück. Im Juli 2016 vom Senat beschlossen, weise es Forschungsfähigkeit auf nationalem und international sichtbarem Niveau als wichtigstes Entwicklungsziel aus. Im Wettbewerb mit anderen Universitäten müsse das Präsidium deshalb die Möglichkeit haben, strukturell einzugreifen und Professorenstellen zu verlagern – insbesondere dorthin, wo drittmittelfinanzierte Forschungsverbünde bestehen. Dies sei mit Blick auf das institutionelle Selbstverständnis „alternativlos“. Und das Fach Kunstgeschichte biete dazu die „einzige Möglichkeit“.

Fach erscheint aus mehreren Gründen verzichtbar

Nur hier würden mittelfristig und planmäßig überhaupt Stellen frei, heißt es in der Beschlussvorlage. Darüber hinaus sei das Fach weder an der Lehramtsausbildung beteiligt, noch gebiete ihm seine verhältnismäßig geringe Studentenzahl Schutz. Als „nicht unverzichtbar“ gilt die Disziplin offenbar auch, weil sie nicht zu denen gehöre, „die das thematische Profil der Universität Osnabrück in besonderer Weise prägen“ wie beispielsweise Migrationswissenschaften oder Kognitionswissenschaft. Darüber hinaus erscheint das Fach dem Präsidium nicht leistungsstark und vernetzt genug. Aus den in der Sitzungsunterlage zitierten Kennzahlen zu Forschung und Lehre leite sich jedenfalls keine Existenzgarantie ab.

Im Klartext: Das Kunsthistorische Institut der Uni Osnabrück ist angeblich zu klein, zu unwichtig und zu schwach, um es zu erhalten. Es soll geopfert werden, um „mit den erzeugten Spielräumen punktuell die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Fächer zu verbessern“. Dass diese nunmehr verbriefte Sicht- und Vorgehensweise des Präsidiums den Widerstand der Betroffenen herausfordert, haben bereits seit Bekanntwerden der Pläne im Dezember 2016 zahlreiche Beschwerden und Protestaktionen gezeigt. Zuletzt erreichte die Gegenwehr weltweites Ausmaß.

Macht und Einfluss des Senats begrenzt

Fraglich ist jedoch, inwiefern sich die Osnabrücker Universitätsspitze davon beeindrucken, geschweige denn von ihrem Vorhaben abbringen lässt. Macht und Einfluss des Senats sind begrenzt: Laut Niedersächsischem Hochschulgesetz hat das 19-köpfige Gremium in dieser Frage nur das Recht zur Stellungnahme.


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