17.01.2017, 16:41 Uhr

Offener Brief „Ulmer Verein“ protestiert für Osnabrücker Kunstgeschichte-Institut

Der Ulmer Verein hat einen offenen Brief an die niedersächsische Wissenschaftsministerin und den Präsidenten der Universität Osnabrück verfasst. Darin bringt der Berufsverband seine Bestürzung über die drohende Schließung des Kunsthistorischen Instituts zum Ausdruck. Foto: Michael GründelDer Ulmer Verein hat einen offenen Brief an die niedersächsische Wissenschaftsministerin und den Präsidenten der Universität Osnabrück verfasst. Darin bringt der Berufsverband seine Bestürzung über die drohende Schließung des Kunsthistorischen Instituts zum Ausdruck. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Mit dem Ulmer Verein protestiert einer der wichtigsten Berufsverbände für deutschsprachige Kunsthistoriker für den Erhalt des Instituts für Kunstgeschichte in Osnabrück. Einen offenen Brief an die niedersächsische Wissenschaftsministerin und den Präsidenten der Universität Osnabrück haben bislang 79 Mitglieder unterschrieben.

Mit dem Schreiben vom 16. Januar bringt der in Berlin ansässige Ulmer Verein seine Bestürzung über die drohende Schließung des Kunsthistorischen Instituts der Universität Osnabrück zum Ausdruck. Als Berufsverband für Kunst- und Kulturwissenschaftler vertritt er die Interessen von rund 300 Mitgliedern im gesamten deutschsprachigen Raum. Zu den Unterzeichnern seiner öffentlichen Protestnote gehört auch die Osnabrückerin Susanne Tauss, Geschäftsführerin des Landschaftsverbands Osnabrücker Land – einem Verein für regionale Kulturpflege und -förderung. (Weiterlesen: Wissenschaftler kämpfen für Kunstgeschichte in Osnabrück)

Internationale Strahlkraft

„Wir befürchten weitreichende Folgen für die Stadt Osnabrück und ihre Universität, das Land Niedersachsen sowie darüber hinaus die deutschsprachige Kunstgeschichte“, schreibt der Ulmer Verein. Das Institut für Kunstgeschichte in Osnabrück sei eines von nur vier landesweit. Im Falle einer Schließung würde der Wissenschaftsstandort Niedersachsen „erheblich an Attraktivität einbüßen“. Die Stadt Osnabrück und ihre Universität gäben nicht nur einen „wichtigen Grundbaustein zur Erschließung lokaler Kultur“ auf, sondern verhinderten darüber hinaus „jene Forschung, die der Einbettung der niedersächsischen Kulturlandschaft in den globalen Kunstgeschichtskontext dient“.

Nach Ansicht des Berufsverbands wäre zum Beispiel eine fundierte wissenschaftliche Bearbeitung zahlreicher niedersächsischer Unesco-Welterbestätten ohne das Osnabrücker Institut erheblich erschwert. „Das Kunsthistorische Institut Osnabrück besitzt hohe internationale Strahlkraft“, stellt der Ulmer Verein fest. Eine kritische Kunstgeschichte dürfe gerade jetzt – in einer kulturell diversen Gegenwart mit gesellschaftspolitischen Herausforderungen – nicht entbehrlich sein. (Weiterlesen: Uni Osnabrück erklärt Kunstgeschichte für verzichtbar)

Politische Bankrotterklärung

„Die Gründe für die Schließung – soweit aus den Medien bekannt – erschrecken uns über alle Maßen“, heißt es weiter in dem Brief an Ministerin Gabriele Heinen-Kljajić (Grüne) und Unipräsident Wolfgang Lücke. Geistes- und Naturwissenschaften im Sinne ihrer wirtschaftlichen Gewinnausschüttung gegeneinander abzuwägen, sei überaus bedenklich. Anstatt eine „künstlich kreierte Konkurrenzsituation“ zu befördern, müssten Schnittstellen zwischen beiden Bereichen geschaffen werden, fordert der Ulmer Verein. Und findet mit Blick auf 2018 als Jahr des Europäischen Kulturerbes deutliche Worte: Wenn ausgerechnet dann eine Aufnahme in die kunstgeschichtlichen Studiengänge an der Universität Osnabrück nicht mehr möglich sei, „käme dies einer Bankrotterklärung der niedersächsischen Hochschul- und Kulturpolitik gleich“.

Unterdessen steigt die Zahl der Unterstützer einer Online-Petition für den Erhalt des Osnabrücker Instituts weiter rasant an. Fünf Tage nach dem Start haben bereits knapp 2500 Menschen auf der Internetplattform Change.org ihre Unterschrift geleistet.


Das Kunsthistorische Institut ist im Fachbereich 1 (Kultur- und Sozialwissenschaften) der Universität Osnabrück angesiedelt – mit über 30 Professuren und 3000 Studenten ist dies die zweitgrößte Fakultät. Das Institut selbst spielt quantitativ eine untergeordnete Rolle. Auf der eigenen Internetseite bezeichnet es sich als „überschaubar“. Gegenwärtig sind etwa 200 Studenten in Kunstgeschichte eingeschrieben. Hinzu kommen pro Semester rund 100 Studenten aus anderen Fächern.

Das Präsidium der Universität Osnabrück will das Fach bis zum Jahr 2024 geregelt auslaufen lassen. Eine Aufnahme im Bachelor-Studiengang soll letztmalig zum Wintersemester 2018/19 möglich sein. Dies würde es ermöglichen, selbst einen Masterabschluss innerhalb der Regelstudienzeit zu erreichen. Zusätzlich könnten Kunstgeschichte-Studenten eine zweisemestrige Auslaufbetreuung in Anspruch nehmen.

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