02.12.2016, 10:33 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Eröffnung verschoben Zu schnell: Osnabrücker Twist-Rutsche rauscht durch TÜV-Abnahme

Die Stadtwerke Osnabrück müssen die Eröffnung der neuen Trichterrutsche „Twist“ im Nettebad verschieben. Foto: Michael GründelDie Stadtwerke Osnabrück müssen die Eröffnung der neuen Trichterrutsche „Twist“ im Nettebad verschieben. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Die Stadtwerke Osnabrück müssen die Eröffnung der neuen Trichterrutsche „Twist“ im Nettebad verschieben. Hintergrund: Eine TÜV-Überprüfung hat ergeben, dass bestimmte Personen im Kreisel zu schnell sind.

Konkret betrifft das Geschwindigkeitsproblem vor allem große und kräftige Rutscher. Sie hatten bei der Abnahme der Rutsche durch den TÜV Thüringen nach Angaben des Stadtwerke-Sprechers Marco Hörmeyer teilweise eine so hohe Geschwindigkeit, dass sie an die Außenwand des Bauwerks gedrückt wurden. „Bei dieser Personengruppe sind die Fliehkräfte einfach zu groß“, sagt Hörmeyer im Gespräch mit unserer Redaktion. Einige der Tester hätten aufgrund der hohen Geschwindigkeit bis zu vier Runden im Trichter gedreht. Sie sausten zudem über das Loch hinweg, das den Badegast wieder zurück ins Innere des Nettebades führt.

Rutsche ist eine Einzelanfertigung

Bei den Tests, die Teil der Abnahme durch den TÜV sind, wurden verschiedene Personengruppen durch die neue Twist-Rutsche geschickt, bestätigt Hörmeyer. Verletzt habe sich bei den Proben niemand. Und warum kam das Phänomen der zu schnellen Rutscher offenbar so überraschend? „Rutschen wie diese gibt es nicht von der Stange“, erklärt Hörmeyer. Deshalb habe es auch keine belastbaren Vergleichswerte aus anderen Bädern gegeben. Geliefert werde das Osnabrücker Twist-Modell von einer erfahrenen Firma, die jede Rutsche individuell herstellt. „Auch wenn diese Rutschen am Reißbrett geplant werden, weiß man erst, wie sie genau in der Praxis funktionieren, wenn man sie ausprobiert.“

Sicherheit der Badegäste

Auch aus diesem Grund werden Rutschen in der Regel von Sachverständigen des TÜV vor ihrer Inbetriebnahme im Detail unter die Lupe genommen. „Einerseits zeigt es uns, dass es uns gelungen ist, erneut eine spektakuläre Rutsche zu bauen. Anderseits haben wir vollstes Verständnis für die Entscheidung des TÜV und unterstützen sie vollumfänglich, denn die Sicherheit unserer Badegäste steht für uns an oberster Stelle“, wird Bäder-Chef Wolfgang Hermle in einer Mitteilung der Stadtwerke zitiert. Freilich: Die Tests der Stadtwerke und des TÜV haben ergeben, dass Personen mit kleiner und mittlerer Statur nicht betroffen sind. „Langsamere Rutscher hatten keinerlei Probleme in der Rutsche“, so Hermle weiter. (Weiterlesen: Bremst Trichterrutsche die Eintrittspreise im Nettebad?)

Stadtwerke wollen Leitplanke einbauen

Und wie geht es nun weiter? Ursprünglich war am heutigen Freitag ein Pre-Opening unter anderem für Pressevertreter vorgesehen. Offizieller Startschuss für die Twist-Rutsche sollte am kommenden Sonntag, 4. Dezember, sein. Beide Termine liegen nach den aktuellen Entwicklungen vorerst auf Eis. Die Stadtwerke wollen sich im Rutschentrichter jetzt mit einer Art „Leitplanke“ behelfen, um das Bauwerk durch die TÜV-Abnahme zu bekommen. Diese Planke soll die Geschwindigkeit der schnellen Rutscher drosseln und sich durch den gesamten Trichter ziehen. In der kommenden Woche werde die Vorrichtung in der Rutsche montiert und eine erneute TÜV-Überprüfung vorgenommen. Ziel sei es weiterhin, die Twist-Rutsche so schnell wie möglich offiziell in Betrieb nehmen zu können. „Natürlich erst dann, wenn sie für sämtliche Badegäste völlig bedenkenlos zu nutzen ist“, so Hermle. Die Investitionssumme beziffern die Stadtwerke auf rund 500.000 Euro.

Badbetrieb geht weiter

Unterdessen geht der Betrieb im Nettebad nach den Revisionsarbeiten der vergangenen Tage wieder in den Normalbetrieb über: Ab Sonntag, 4. Dezember, ist der Freizeitbereich des Nettebades samt Aktivhalle, Ganzjahres-Soleaußenbecken und den drei übrigen Rutschen des Rutschenturms, „Sloop“, „Black Hole“ und „Crazy River“, wieder täglich von 9 bis 22 Uhr geöffnet.


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