02.12.2016, 09:56 Uhr

Versammlung der Handwerkskammer Osnabrück Trump und Brexit verunsichern das Handwerk der Region


Osnabrück. Die Digitalisierung des regionalen Handwerks war ein großes Thema bei der Vollversammlung der Handwerkskammer in Osnabrück am 1. Dezember. Sorgen machen Donald Trump und der Brexit. Die Integration von Flüchtlingen laufe schleppend.

Gleich zu Beginn sprach Peter Voss, Präsident der Handwerkskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim, über seine Befürchtungen angesichts der derzeitige europa- und weltpolitischen Lage. „International herrscht eine diffuse Verunsicherung seit der Wahl Trumps. Seine ersten Ankündigungen lassen nichts Gutes erwarten. “ Abschottung und die Aufkündigung von Handelsabkommen seien für einen „Exportweltmeister von immenser Bedeutung“. Die Auswirkungen des Brexit für die Industrie seien indes noch nicht absehbar.

Handwerk hängt von positiver Entwicklung der Industrie ab

Gehe es der Industrie gut, profitiere zeitverzögert auch das Handwerk, so Voss. Weniger Export bedeute umgekehrt weniger Umsatz und damit weniger Aufträge an das Handwerk. Von den 10700 Betrieben der Handwerkskammer würden sich rund zwölf Prozent auf Auslandsmärkten engagieren, für diese sei die weitere Entwicklung unter Trump von großer Bedeutung.

Digitalisierung mit 2,5 Millionen Euro gefördert

Das Hauptthema der Versammlung war aber die Digitalisierung. Vor allem die Zulieferbetriebe dürften die Bedeutung des Wandels nicht unterschätzen, mahnte Sven Ruschhaupt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer:

Betriebe wünschen mehr Unterstützung

Peter Beckmann, Leiter Betriebsberatung und Strukturförderung, erklärte, wie Betriebe dabei Unterstützung finden könnten. Vom Bundeswirtschaftsministerium werde die Handwerkskammer als eine von acht Kammern in Deutschland mit 2,5 Millionen Euro gefördert. Der Bedarf ist da: Eine Umfrage der Kammer ergab, dass zwar 60 Prozent der Betriebe in den vergangenen zwölf Monaten in die Digitalisierung investiert hätten. Über die Hälfte der befragten Betriebe sagte aber, dass sie sich eine Unterstützung von außen bei der Umsetzung der Digitalisierung wünsche. Denn oft fehle noch das Knowhow sowie Zeit und Geld. Mit den Fördergeldern will die Handwerkskammer Betriebe nun „fit für die Digitalisierung“ machen. Es würden Beratungen und Betriebsbesuche angeboten. Betriebe könnten sich über Fördermaßnahmen informieren, sagte Beckmann.

Integration von Flüchtlingen im Handwerk schleppend

Was die Integration von Flüchtlingen in Handwerksbetriebe anbelangt, habe die Kammer verschiedene Fördermaßnahmen gestartet. In den Berufsbildungs- und Technologiezentren an den Standorten Osnabrück, Lingen, Nordhorn und Papenburg werden Flüchtlinge und Migranten für das Arbeitsleben vorbereitet. „Das Handwerk braucht Fachkräfte und unser Engagement ist daher eine Investition in die Zukunft“, sagte Präsident Peter Voss. Aber: „Realistisch sprechen wir hierbei von Fachkräften von übermorgen.“ Kammerweit wurden rund 30 Ausbildungsverträge mit Flüchtlingen registriert. Hinzu kommen noch einige Praktikaplätze oder auch bereits reguläre Beschäftigungsverhältnisse. Allerdings laufe der Eingliederungsprozess schleppend.

Gute Geschäftslage laut Umfrage

Die jüngste Konjunkturumfrage im Herbst stimmte die Handwerkskammer-Präsidenten optimistisch. Sowohl die Umsätze, das Beschäftigungsniveau als auch die Auftragseingänge seien gestiegen. So berichten 43 Prozent der befragten Betriebe von einer guten und 52 Prozent von einer befriedigenden Geschäftslage.

Deutschlandweit die meisten Ausbildungen

Im Bundesvergleich liege die Handwerkskammer in Osnabrück bei Ausbildungen weit vorne, so Voss: 2863 neue Lehrverträge wurden 2016 kammerweit abgeschlossen. In diesem Jahr absolvieren insgesamt 7687 Auszubildende über alle drei Lehrjahre eine Ausbildung im Handwerk der Region.


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