02.12.2016, 08:04 Uhr

Wohnbereichsleiter wurde gekündigt Prozess: Wittlager hat mit 13-Jährigem im Doppelbett übernachtet

Wegen vermeintlicher Verletzung sogenannter Nähe-Distanz-Regeln ist ein Wohnbereichsleiter einer Wittlager Kinder- und Jugendeinrichtung Mitte August fristlos gekündigt worden. Seine Klage gegen die Entlassung führte vor dem Osnabrücker Arbeitsgericht jetzt zu einem Vergleich. Symbolfoto: Michael GründellWegen vermeintlicher Verletzung sogenannter Nähe-Distanz-Regeln ist ein Wohnbereichsleiter einer Wittlager Kinder- und Jugendeinrichtung Mitte August fristlos gekündigt worden. Seine Klage gegen die Entlassung führte vor dem Osnabrücker Arbeitsgericht jetzt zu einem Vergleich. Symbolfoto: Michael Gründell

Osnabrück. Ein Wohnbereichsleiter einer Wittlager Kinder- und Jugendeinrichtung soll mit einem 13-Jährigen gemeinsam in einem Bett geschlafen haben. Damit soll er die sogenannte Nähe-Distanz-Regel verletzt haben. Von seinem Arbeitgeber erhielt er dafür Mitte August die fristlose Kündigung. Seine Klage gegen die Entlassung führte vor dem Osnabrücker Arbeitsgericht jetzt zu einem Vergleich.

Was war geschehen? Bei einer Sommerfreizeit im österreichischen Schladming hatte der Wohnbereichsleiter mit einem 13-Jährigen in einem Doppelbett übernachtet – ohne dass es während der einen Woche zu einem sexuellen Missbrauch kam.

Hintergrund: Der Junge habe aus „therapeutisch-pädagogischen Gründen“ nicht in einem Mehrbettzimmer mit Gleichaltrigen untergebracht werden können. Bei ihm ist das Medikament Ritalin reduziert worden, was zu einem aggressiven Verhalten führen kann, das anderen Jugendlichen nicht zugemutet werden könne, lautete die Argumentation des entlassenen Wohnbereichsleiters. Diese Maßnahme habe er auch mit den zwei Mitarbeitern besprochen, die die Freizeit begleiteten.

Richter: Abmahnung wäre angebrachter gewesen

Unmittelbar nach der Rückkehr erfuhr der Arbeitgeber von dem Verhalten des Wohnbereichsleiters. Nach Rücksprache des Landesjugendamtes und der Empfehlung aus Hannover, sich von dem Angestellten zu trennen, habe man Mitte August die fristlose Kündigung ausgesprochen. „In einem Zimmer, ja, in einem Bett, nein. So groß kann keine Krise sein, die ein solches Verhalten rechtfertigt“, sagte der Hausleiter der Kinder- und Jugendeinrichtung zum Kündigungsgrund. Klar wurde in der Verhandlung aber auch, dass augenscheinlich eine explizit ausformulierte Dienstanweisung für diesen Fall fehlte.

Dass eine grobe Pflichtverletzung stattgefunden habe, müsse der Arbeitgeber aber nachweisen, machte der Richter in der Kammerverhandlung deutlich. „Das Gericht hat erhebliche Zweifel, ob eine Pflichtverletzung vorlag.“ Im Fall des Wohnbereichsleiters wäre das mildere Mittel der Abmahnung angebrachter gewesen, so der Richter. „Bekommen wir nun noch eine Regelung hin, bevor das Porzellan endgültig zerschlagen wird?“

Damit tat sich besonders der frühere Arbeitgeber des Wohnbereichsleiters schwer. Es brauchte zwei Beratungspausen, bis er einem Vergleichsvorschlag zustimmte. Der Wohnbereichsleiter bekommt demnach nun eine ordentliche Kündigung aus betrieblichen Gründen und ohne Nennung des Falls ausgesprochen. Sein Arbeitszeugnis muss wohlwollend formuliert sein und er erhält für den Verlust seines Arbeitsplatzes eine Sozialabfindung von 6000 Euro brutto plus eine Arbeitsbescheinigung für die Bundesarbeitsagentur.


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