30.11.2016, 14:56 Uhr

Funde digitalisiert Hochschule Osnabrück druckt Kalkrieser Münzen in 3D nach


Osnabrück/Bramsche. Antike Fundstücke mit hochmoderner Technik neu erfahren: Das ist das Ziel der Kooperation von Hochschule Osnabrück und Varusschlacht-Museum. Im Labor für Produktentwicklung und CAE werden mittels 3-D-Drucker Duplikate der im Sommer in Kalkriese gefundenen Goldmünzen hergestellt.

Die Fakultät für Ingenieurwissenschaft und Informatik der Hochschule Osnabrück ist nicht unbedingt der Ort, an dem man Forscher des Kalkrieser Varusschlacht-Museums erwarten würde – und doch arbeiten die beiden Institutionen seit einigen Monaten eng zusammen. Grund dafür ist der überraschende Fund von acht römischen Goldmünzen im Kalkrieser Museumspark im Juni . Grafikerin Gabriele Dlubatz, die die kürzlich eröffnete Münzen-Sonderausstellung „Neues Gold aus Kalkriese“ mitgestaltete, fragte nach der Entdeckung bei der FH nach, ob diese die Fundstücke nicht digitalisieren könne. Normalerweise kooperiert das Labor für Produktentwicklung und rechnergestützte Entwicklung (CAE) der Hochschule eher mit großen Unternehmen aus den Bereichen Fahrzeugbau, Medizintechnik oder Druck- und Verpackungsmaschinen. „Jetzt können wir mit einem Partner zusammenarbeiten, der aus einer ganz anderen Richtung kommt“, freute sich Laborleiter Professor Thomas Derhake.

Kunststoffduplikate aus dem 3-D-Drucker

Im Original sind die Goldmünzen nur wenig größer als ein Fingernagel. „Die Wertigkeit merkt man sofort am Gewicht, aber ich war überrascht, wie klein die Münzen sind“, berichtete Derhake. Mittels Digitalisierung lassen sich die antiken Zahlungsmittel jedoch in jeder belieben Größe darstellen. Der Professor und sein Team benutzten einen der beiden Laborscanner, um von der realen Münze ein digitales Modell zu erzeugen. Doch damit nicht genug: Dieses Modell ist auch die Vorlage für den hochschuleigenen 3-D-Drucker. Über Nacht werden mittels Laser in dem Gerät Münzkopien aus Kunststoffpulver in unterschiedlichen Größen und mit unterschiedlicher Dicke produziert. Sogar die Prägungen, wie der Kopf von Kaiser Augustus, lassen sich auf Wunsch hervorheben. „Ohne digitale Veränderung wäre das nicht möglich“, erklärte Derhake. Nach dem eigentlichen Druck werden die Kopien noch mit feinen Glasperlen bestrahlt.

Drucke für Museumspädagogik

In Kalkriese verwenden die Mitarbeiter die 3D-Drucke für die Museumspädagogik. So stellten sie mit ihrer Vorlage Silikonformen her, mit denen die Besucher Abgüsse der Münzen herstellen und sie bemalen können. „Die Skalierung hat dies möglich gemacht“, erklärt Caroline Flöring vom Museum. „Die Münzen sind so filigran, das wäre sonst ganz schwer gewesen.“ Überhaupt seien viele der archäologische Funde sehr fein. Flöring hofft, dass die Kooperation mit der Hochschule es möglich macht, in Zukunft noch weitere Stücke zu digitalisieren: „Für die Archäologie ist das eine Riesenchance.“

Virtuelle Riesen-Münze

Die Digitalisierung bietet aber noch andere Möglichkeiten: Im Virtual-Reality-Raum des Labors wirft ein Hochleistungsprojektor ein etwa zwei Meter großes Abbild einer Goldmünze an die Wand, das der Betrachter mittels Shutterbrille in 3D wahrnimmt. Durch einen Flystick kann er die Münze heranzoomen, sie verschieben oder drehen und dadurch alle Details genau ansehen. Auch Glanzeffekte lassen sich beispielsweise hinzufügen. „Wir können auf digitaler Ebene enorm viel machen“, erklärte Derhake. Die Gäste aus Kalkriese waren sichtlich beeindruckt. Virtual Reality wäre auch etwas für das Museum, meinte Flöring: „Aber das ist Zukunftsmusik.“

Selbst Münzen herstellen

An den Familiensonntagen am 4. Dezember und 8. Januar können Besucher unter dem Motto „Knete machen“ im Museum und Park Kalkriese ihre eigenen Münzen herstellen. Die Sonderausstellung „Neues Gold aus Kalkriese“ ist noch bis zum 15. Januar geöffnet.


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