30.11.2016, 08:13 Uhr

380-kV-Trasse Amprion prüft Erdkabeloption um Osnabrück bis in 2017 hinein

So kann eine Erdverkabelung aussehen. Foto: dpaSo kann eine Erdverkabelung aussehen. Foto: dpa

Osnabrück. Was ist aus der Frage geworden, wo im südlichen Osnabrücker Land 380-Kilovolt-(kV)-Erdkabel verlegt werden? Die mit dem Netzausbau beauftragte Firma Amprion arbeitet noch immer an ihren Unterlagen dazu.

Es werde noch „weit bis ins Jahr 2017“ dauern, bis der mögliche Trassenverlauf für die geplante 380-Kilovolt-(kV)-Leitung von Bad Essen-Wehrendorf über Osnabrück-Lüstringen bis hinunter nach Gütersloh konkreter wird. Das teilte Amprion jetzt mit. „Wir erstellen zurzeit die relevanten Machbarkeitsstudien und Gutachten“, wird Lisa Ziemer, bei Amprion zuständig für das Verfahren, in einer Mitteilung des Übertragungsnetzbetreibers zitiert.

Erdkabel-Pilotprojekt

Fast ein Jahr ist es her, dass der Bund überraschend die komplette Trasse 16 zur Erdkabelpilotstrecke erklärt hat. Sie ist eine von 22 Stromtrassen, die der Bund für den Netzausbau auserkoren hat, um Windstrom aus dem Norden in den Süden der Republik zu transportieren. Als das Vorhaben bekannt wurde, gründeten sich entlang der Trasse 16 – in Osnabrück-Voxtrup, in Melle-Wellingholzhausen, Bissendorf und Hilter-Borgloh – Bürgerinitiativen. Ihre Forderung, die Leitungen in die Erde zu verlegen, hatte Erfolg. Waren ursprünglich bundesweit nur vier Trassen als Erdkabelteststrecken vorgesehen, sind es nach der Änderung des Energieleitungsausbaugesetzes (EnLAG) nun sechs – und Trasse 16 gehört dazu. Im EnLAG ist von „technisch und wirtschaftlich effizienten Teilabschnitten“ die Rede. Das schon laufende Raumordnungsverfahren wurde neu aufgerollt. Zur Themenseite

Untersuchungsrahmen

Die federführende Behörde, das Amt für regionale Landesentwicklung, hat im August den Untersuchungsrahmen für das Vorhaben angepasst. Amprion soll nun darstellen, „in welchen Leitungsabschnitten abweichend von der Standardtechnik ‚Freileitung‘ eine Teilerdverkabelung vorgesehen ist“, heißt es in dem Aufgabenzettel (hier geht es zum Download) . Wo Teilerdverkabelung denkbar ist, muss Amprion prüfen, welche Auswirkungen die Technik auf den Boden haben könnte. Im nördlichen Abschnitt Wehrendorf-Lüstringen soll das Unternehmen sagen, wo vorhandene Freileitungen zurückgebaut oder gebündelt werden können und darstellen, welche Auswirkungen der Leitungsbau auf Baudenkmäler hätte, explizit genannt ist dabei die Schelenburg. Auch der Einfluss auf Fischteichanlagen soll untersucht werden. Für den südlichen Abschnitt von Lüstringen bis zur Landesgrenze muss Amprion außerdem die Option einer völlig neuen Trasse entlang der Autobahn berücksichtigen.

Zeitplan und Kosten noch offen

Wie lange es noch dauert, bis Amprion alle Unterlagen beisammen hat und was das kostet, dazu erteilte das Unternehmen auf Anfrage unserer Redaktion noch keine Auskünfte. Überall, wo die gesetzlich vorgegebenen Mindestabstände von Freileitungen zu Siedlungen (400 Meter) und Einzelgehöften (200 Meter) nicht eingehalten werden können, sei die Prüfung einer Erdverkabelung nötig, erläuterte Amprion-Sprecher Arndt Feldmann. Deshalb nehme das so viel Zeit in Anspruch. „Die Komplexität ist enorm. Wir können ja nicht vollverkabeln“, so Feldmann. Die Bürgerinitiativen fordern jedoch genau das . Amprion wisse aber noch nicht, wie viel Prozent der Trasse überhaupt technisch in die Erde gelegt werden könnten, sagte Feldmann. Und die Kosten müsse Amprion auch im Blick behalten.

Bürgermärkte angekündigt

Bevor Amprion die Unterlagen bei der Behörde einreicht, will der Netzbetreiber die Bürger vor Ort informieren. Danach geht es ins Raumordnungsverfahren, in dem das Amt einen groben Korridor für die Leitung festlegt – Details wie exakte Erdkabelabschnitte und Maststandorte folgen erst im anschließenden Planfeststellungsverfahren. Bis die Leitungen gebaut werden, wird also noch viel Zeit verstreichen – viel mehr, als sich die Planer das vor drei Jahren gedacht hätten.


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