28.11.2016, 15:10 Uhr

„Man wird ja wohl gucken dürfen“ Kinderpornos: 21-Jähriger zeigt vor Gericht keine Einsicht

Weil er sich Kinderpornos besorgt hat und keinerlei Unrechtsbewusstsein zeigte, muss sich ein 21-Jähriger darauf einstellen, für längere Zeit die Freiheit zu verlieren. Symbolfoto: dpaWeil er sich Kinderpornos besorgt hat und keinerlei Unrechtsbewusstsein zeigte, muss sich ein 21-Jähriger darauf einstellen, für längere Zeit die Freiheit zu verlieren. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Wegen der Beschaffung und des Besitzes kinderpornografischer Schriften verurteilte das Amtsgericht Osnabrück im August einen 21-Jährigen zu zehn Monaten Jugendstrafe. Er ging in Berufung. Am Montag entschied das Landgericht: Es bleibt dabei. Nicht zuletzt, weil sich der junge Mann keiner Schuld bewusst war.

Entscheidend für die Urteilsfindung war die Vorgeschichte des Angeklagten: Früh ein verhaltensauffälliger Schüler, der auch an Förderschulen nicht zurechtkam, Mitschülern und Lehrern gegenüber aggressiv. Wegen gefährlicher Körperverletzung und sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen wurde 2011 die Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung angeordnet. Da gab es noch Bewährung. Das Problem: Der Angeklagte ignorierte die Auflagen oder legte „stoische Unzuverlässigkeit“ an den Tag, wie es der Richter ausdrückte. So absolvierte der junge Mann eine von ihm geforderte Therapie nicht und kooperierte auch nicht mit seiner Bewährungshelferin.

„Man wird ja wohl noch gucken dürfen“

In der Berufungsverhandlung zeigte der 21-Jährige außerdem kein Unrechtsbewusstsein. Er habe gar keine pädophile Neigung, betonte er. Hier hakte die Staatsanwältin ein, denn der 21-jährige hatte im Netz nachweislich gezielt nach dem Material gesucht: 273 kinderpornografische Bilder und 13 Videos fand die Polizei schließlich bei ihm. Der Angeklagte erklärte das mit purer Neugierde: „Man wird ja wohl noch gucken dürfen.“ – „Nee, darf man nicht“, entgegnete der Richter, „dabei machen Sie sich strafbar. Hinter jedem einzelnen solcher Bilder steckt der sexuelle Missbrauch von Kindern, und dieser Missbrauch wird begangen, weil Leute wie Sie sich solche Bilder ansehen“.

Weitere Delikte zu befürchten

Im Plädoyer machte die Staatsanwältin dann auch klar, dass sie den 21-Jährigen für gefährlich hält. Sein Werdegang, das Ignorieren der Bewährungsauflagen und das Fehlen jeder Einsicht: Von einer günstigen Sozialprognose könne in diesem Fall keine Rede sein. „Zehn Monate Jugendstrafe sind eigentlich viel zu milde. Der Angeklagte ist eine tickende Zeitbombe.“

Das Gericht kam dem Antrag nach und verwarf die Berufung. Schon im Verfahren von 2011 wegen sexuellen Missbrauchs sei eine dissoziale Persönlichkeitsstörung festgestellt und die Befürchtung geäußert worden, der Angeklagte werde womöglich weitere Sexualdelikte begehen.

Noch offen ist, ob der Verurteilte tatsächlich in eine Zelle muss oder stattdessen die seinerzeit zur Bewährung ausgesetzte Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung greift. Da diese zeitlich nicht fest begrenzt ist, könnte das den jungen Mann wesentlich länger die Freiheit kosten als ein zehnmonatiger Aufenthalt in einem Jugendgefängnis.


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