28.11.2016, 13:05 Uhr

Heiterer Abend voller Ironie Kalla Wefels Heimatabend: 40. Geburtstag der Lagerhalle

Eine illustre Band spielt zum vierzigsten Geburtstag der Lagerhalle:Heinz Rebellius, Kalla Wefel, Hendrik Schaper, Thomas Wübker und Joachim Luhrman. Foto: Hermann PentermannEine illustre Band spielt zum vierzigsten Geburtstag der Lagerhalle:Heinz Rebellius, Kalla Wefel, Hendrik Schaper, Thomas Wübker und Joachim Luhrman. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Die Lagerhalle Osnabrück feiert Geburtstag: Am Sonntagabend hat es zum 40. ein Heimatabend-Spezial gegeben. Kalla Wefels Gästeliste zeigt dabei mal wieder eindrücklich, welchen Stellenwert die Institution genießt.

Gut, beim politischen Teil fällt die Spannungskurve nach unten. Aber der „Heimatabend-Special“ sollte ja auch keine Diskussionsveranstaltung werden. Eine Geburtstagsparty hat  Kalla Wefel diesmal organisiert, eine doppelte: Zehn Jahre Heimatabend gab es zu feiern, und vierzig Jahre Lagerhalle. Und da sind sogar die Herren Politiker handzahm: Oberbürgermeister Wolfgang Griesert und Fritz Brickwedde von der CDU, Frank Henning (SPD) und Sebastian Bracke (Grüne) bekennen sich, jeder auf seine Art, zur Lagerhalle, unterstrichen die Bedeutung der Institution für die Stadtgesellschaft und versprechen Zuschussverträge, die eine sichere Zukunft garantieren. Weiterlesen: Der Vorbericht zum Jubel-Heimatabend

„Wir waren der Feind“

Einem ist soviel Harmonie suspekt: Boogie-Pianist Christian Rannenberg erinnert an die Linksaußen-Vergangenheit der Lagerhalle und an die Kontroversen, die dort ausgetragen worden seien. Ja: der Feind habe damals links gestanden, „wir waren der Feind!“, sagt er im Gespräch mit Ko-Moderator Heiko Schulze. Aber wie gesagt: Es war nicht der Abend für hitzige Wortgefechte. An diesem Sonntagabend war Party.

Ob die gelingt, ist unter anderem immer eine Frage der Musik. Das Zeitkolorit vermittelt Kalla Wefel mit Band mit dem Nummer-Eins-Hit aus dem Jahr 1976, „Die kleine Kneipe“. Den gesellschaftskritischen Kontrapunkt zum Kneipenbiedermeier der Mittsiebziger setzen die Angefahrenen Schulkinder mit einem Schnelldurchgang durch 40 Jahre Penislieder: Da prangert der erhobene gesellschaftskritische Zeigefinger unzulässige Kompensationshandlungen, die Trauer über die Unvereinbarkeit einer Welt als Wille und Vorstellung mit der traurigen Realität bekommt eine Stimme („Nur halb so gut“). Oder aber die Schulkinder werden zur soliden Rock-‘n‘-Roll-Band für ein paar Elvis-Nummern mit Reverend Hardy alias Hardy Schwetter - kein Wunder, dass es der Polit-Talk danach einigermaßen schwer hat. Weiterlesen: Jubiläumsausstellung mit Werken von Gertrud M. Krüger

Die Wirkung der Lagerhalle

Talkgäste geben ansonsten Einblick in die Historie: Das Lagerhallen-Team Martina Scholz, Klaus Thorwesten und Reinhard Westendorf berichten von damals, der einstige Kulturamtsleiter Reinhard Richter erinnert an die Lagerhalle als Keimstätte der Nussbaum-Sammlung, der Fotograf Axel Nerger zeigt Neue OZ-Ausschnitte und Bilder von den ersten Lagerhallen-Tagen, Hyde-Park-Chefin Conny Overbeck überbringt Glückwünsche. Weiterlesen: Der Hyde Park ist ebenfalls vierzig geworden

Auch über die Stadtgrenzen hinaus hat die Lagerhalle gestrahlt: Das zeigen Musiker wie Hendrik Schaper, der im Panikorchester die Tasten drückt, oder Joachim Luhrmann, der bei Heinz Rudolf Kunze getrommelt hat. Die wunderbare Katharina Frank begleitet sich selbst an der Gitarre, spielt als Zugabe ihren großen Rainbirds-Hit „Blueprint“, das Musiktheater Lupe stellt sich vor, Cliff Barnes And The Fear Of Winnig zerlegen zu Countryklängen jenen Mythos, der die Countrymusik konstituiert den vom gerechten Cowboy: Die Ironie ist der Faden, der sich durch den Abend zieht. Am Ende singt eine Allstar-Band „Knocking on Heavens Door“ - so hat zum vierzigsten Geburtstag sogar noch Literatur-Nobelpreisträger Bob Dylan einzug gehalten. Was für ein Fest.


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