25.11.2016, 19:00 Uhr

Was wird aus den Mitarbeitern? Osnabrücker IAG Magnum vor dem Ausverkauf


sst/hin Osnabrück . Ausverkauf bei der insolventen IAG Magnum im Osnabrücker Hasepark: Die Liquidierung soll „im ersten Halbjahr 2017“ abgeschlossen sein, sagte Geschäftsführer Henning Schmale. 57 ehemalige Mitarbeiter werden zurzeit in einer Transfergesellschaft betreut.

Bei der Abwicklung der Firma werde versucht, „alles zu Geld zu machen, was geht“, sagte Schmale. Für die konkrete Verwertung der Produktionseinrichtung gebe es jedoch noch keinen Zeitplan. Auch eine Versteigerung sei noch nicht terminiert. Zu Demontagen werde es wohl erst 2017 kommen.

Die IAG Magnum, die zur Georgsmarienhütte Holding gehört, verfügt nach eigenen Angaben über 23 Maschinen, darunter vor allem Drehmaschinen sowie Bohr- und Fräswerke. Damit können schwere Guss- und Schmiedestücke sowie dickwandige Schweißkonstruktionen mit einem Gewicht von bis zu 300 Tonnen präzise bearbeitet werden. „Alle Einrichtungen sind auf dem aktuellsten Stand der Technik“, heißt es in einer Firmenbroschüre über den Maschinenpark des Osnabrücker Anlagenbauers. Hinzu kommen aus anderen Geschäftsbereichen beispielsweise Kräne, Rollenbockanlagen und Drehkipptische mit bis zu 400 Tonnen Tragkraft, außerdem mehrere Glühöfen für die Wärmebehandlung.

Den Restwert des gesamten Inventars vermochte Geschäftsführer Schmale nicht zu taxieren. Nach seiner eigenen beruflichen Zukunft befragt, wollte er sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äußern. „Da ist noch nichts spruchreif.“

So arbeitet die Transfergesellschaft

Unklar sind auch die beruflichen Perspektiven von vielen der 57 ehemaligen IAG-Mitarbeiter, die in die BOB-Transfergesellschaft gewechselt sind. Etwa ein Dutzend von ihnen hat bereits einen neuen Arbeitsplatz gefunden, weitere sind auf dem Absprung, wie Thomas Hart von der BOB Transfer GmbH berichtet. Die anderen sind mit Unterstützung des Essener Beratungsunternehmens auf der Suche nach passenden Stellen, feilen an ihren Bewerbungen, trainieren Vorstellungsgespräche und erweitern ihre Qualifikationen.

80 Prozent des früheren Lohns

Wer sich für den Wechsel in die Transfergesellschaft entschieden hat, bekommt für maximal neun Monate 80 Prozent seines letzten Lohns. Geldgeber sind die IAG Magnum und die Arbeitsagentur. Darüber hinaus stehen pro Kopf 1500 Euro für Qualifizierungen zur Verfügung.

Die Transfergesellschaft, die in schlichten Büros an der Peiner Straße im Fledder arbeitet, läuft bis zum 31. Juli 2017. Wie viele Teilnehmer bis dahin wieder in Lohn und Brot sind? Thomas Hart und seine Kollegen wollen sich nur ungern auf eine Ziel-Quote festlegen. „Mit den Quoten ist das wie mit Äpfeln und Birnen“, sagt BOB-Mitarbeiter Thomas Müller. Sein Kollege Thomas Hart wagt nach längerem Nachdenken dann doch eine vorsichtige Prognose: „Aufgrund der guten Ausbildung“ der IAG-Mitarbeiter gehe er davon aus, dass „mindestens drei Viertel“ der Teilnehmer vermittelt werden können.

Hohes Alter, hoher Lohn

Der Altersdurchschnitt der Teilnehmer liegt mit 51 Jahren relativ hoch. Es gebe eine zweistellige Zahl von ehemaligen Magnum-Leuten, die keine neue Stelle suchten, sondern den gleitenden Übergang in die Rente anstrebten. Die IAG Magnum hat in den vergangenen Jahren die Belegschaft schrittweise verringert. Gehen mussten, nach der üblichen Sozialauswahl, zunächst die Jüngeren, die zuletzt gekommen waren.

Die IAG-Beschäftigten – vor allem Schweißer, Schlosser, Zerspaner, Konstrukteure – sind hoch qualifiziert und sehr erfahren. Der Nachteil ist: Ihre Qualifikation ist sehr speziell, denn sie hatten mit gewaltigen Werkstücken zu tun gehabt, mit Riesenbehältern, wie sie nur wenige Unternehmen herstellen und bearbeiten.

Wirtschaft soll mehr zahlen

Die Facharbeiter sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt, und trotzdem gibt es ein Problem: das Geld. Die große Spanne zwischen dem früheren Lohniveau bei Magnum und dem vieler Metall-Unternehmen in der Region sein ein echtes Vermittlungshindernis, sagt Thomas Hart. „Die Wirtschaft muss umdenken und mehr zahlen. Das ist auch ein Stück Wertschätzung.“ Mit einem Stundenlohn von zwölf Euro brutto könne eine vierköpfige Familie kaum über die Runden kommen.

Verkauf gescheitert

IAG Magnum hatte im April vorläufigen Insolvenzschutz beantragt mit dem Ziel, in Eigenregie die Krise zu überwinden. Das ist nicht gelungen. Die Investorengespräche seien gescheitert, IAG werde abgewickelt, teilte das Unternehmen im August mit. Die Produktion lief langsam aus. Inzwischen steht alles still. 104 Beschäftigte verloren ihre Arbeit. Die Georgsmarienhütte hatte das Unternehmen im März 1998 übernommen. Damals arbeiteten noch 220 Menschen für Magnum.

Rückblick: die Geschichte von IAG Magnum


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