23.11.2016, 15:42 Uhr

Verfahren vor dem Amtsgericht Tumultartige Szenen: Osnabrücker wehrt sich gegen Festnahme

Ein 23 Jahre alter Osnabrücker hat sich gegen seine Festnahme gewehrt. Außerdem steht er wegen Körperverletzung vor Gericht. Symbolfoto: dpaEin 23 Jahre alter Osnabrücker hat sich gegen seine Festnahme gewehrt. Außerdem steht er wegen Körperverletzung vor Gericht. Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Ein Polizist sprach von tumultartigen Szenen, die sich bei der Verhaftung eines heute 23-jährigen Osnabrückers abgespielt haben sollen. Der Angeklagte behauptet vor Gericht, die Polizisten hätten sich nicht zu erkennen gegeben und ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Der 23-Jährige ist wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt. Zudem muss er sich vor Gericht verantworten, weil er einem jüngeren Mann Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben soll. Am Mittwoch gab es vor Gericht noch einigen Klärungsbedarf.

Der Angeklagte, Vollbart und nach hinten gegelte Haare, ist kein unbeschriebenes Blatt. Unter anderem stand er schon mehrfach wegen Körperverletzung vor Gericht, außerdem wegen Diebstahls und Raubs. Zurzeit sitzt er in der JVA Hameln ein.

In Wohnung von Schwester verhaftet

Im April dieses Jahres wurde der Angeklagte in der Wohnung seiner Schwester von Fahndern der Polizei verhaftet. Dabei ging es allerdings weniger um den Vorfall mit dem Pfefferspray als um einen offenen Haftbefehl, dem sich der Angeklagte seit anderthalb Jahren entzog.

Bei der Verhaftung leistete er Widerstand. So weit ist die Sachlage unstrittig. Der 23-Jährige behauptet jedoch, die in Zivil gekleideten Beamten hätten sich nicht als Polizisten zu erkennen gegeben und hätten sich in der Wohnung seiner Schwester einfach auf ihn gestürzt. Zudem habe ihm einer der Beamten mit der Faust ins Gesicht geschlagen.

Faust ins Gesicht?

Seine Verlobte und seine Schwester sagten ebenfalls aus, die Polizisten hätten sich nicht identifiziert und hätten unverhältnismäßig hart zugegriffen. Auch wollen sie gesehen haben, wie ein Polizist dem Angeklagten mit der Faust ins Gesicht geschlagen hat.

Die als Zeugen geladenen Polizisten sagten dagegen aus, dass sie sich auf jeden Fall durch„Polizei, Polizei“-Rufe klar zu erkennen gegeben hätten. Keiner der Beamten will einen Faustschlag bemerkt oder ausgeteilt haben. Unstreitig ist, dass die Beamten Schlagstöcke gegen Arme und Gesäß einsetzten, um den Widerstand des Angeklagten zu brechen. Der hatte sich unter anderem mit Schubsen gegen die Beamten gewehrt. Ein Polizist sprach von tumultartigen Zuständen, die sich während der Festnahme abgespielt hätten. Mehrere Beamte waren nötig, um Herr der Lage zu werden.

Für den Anwalt des Angeklagten spielen die Lichtverhältnisse in der Wohnung eine große Rolle. Im Raum steht die Frage, wer was sehen konnte. Nach Aussagen der Polizisten war es extrem dunkel, Schwester und Verlobte des Angeklagten sagten aus, dass die Lichtverhältnisse normal gewesen seien.

Ortsbesichtigung angeordnet

Das Gericht hat für die kommende Woche nun eine Ortsbesichtigung angeordnet. Zudem sollen die Lichtbilder angefordert werden, die die Polizei nach der Festnahme gemacht hatte. Das Gericht will feststellen, ob auf den Aufnahmen Spuren eines Faustschlags im Gesicht des Angeklagten zu sehen sind oder nicht.

Dass er im Juli 2015 einem heute 17-jährigen Schüler Pfefferspray ins Gesicht gesprüht haben soll, wies der Angeklagte von sich. Zum Tatzeitpunkt habe er bei seiner Freundin auf dem Bett gelegen. Den jungen Mann habe er noch nie gesehen. Da er zu dem Zeitpunkt mit Haftbefehl gesucht worden sei, sei er ohnehin nicht zu Fuß im Schinkel unterwegs gewesen.

Vollbart und Baseballcap

Laut Staatsanwaltschaft fuhr der 17-jährige in Schinkel mit seinem Mofa auf dem Gehweg, als der Angeklagte sein Opfer ansprach. „Er hat mich gefragt, was das soll und hat mich angesprüht“, so der 17-Jährige. Er habe einen Helm getragen, das Visier sei aber offen gewesen. Den Angeklagten will er sicher erkannt haben. Er habe ihn zuvor beim Fußball gesehen, außerdem kenne er seinen Namen.

Das Gericht zeigte jedoch Zweifel, dass der Angeklagte tatsächlich eindeutig identifiziert werden konnte. Zumal der Zeuge sich vor allem an den Vollbart und das Baseballcap des Angeklagten erinnerte. Das Gericht machte deutlich, dass das nicht unbedingt eindeutige Merkmale seien. Auch zum Tatablauf machte der junge Mann teils widersprüchliche Angaben.

Die Verhandlung wird fortgesetzt.


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