24.11.2016, 06:12 Uhr zuletzt aktualisiert vor

500 Nachbarn in zehn Gebieten Zettel in Osnabrücker Briefkästen: Was hat es mit nebenan.de auf sich?


Osnabrück. Einige Osnabrücker haben in den vergangenen Wochen einen Zettel im Briefkasten gefunden, der auf die Internetplattform nebenan.de verweist. Was hat es damit auf sich?

Wer kennt es nicht: Zum Backen fehlt etwas Milch, das Paket kann nicht persönlich angenommen werden, und die Bohrmaschine zum Anbringen eines Regals fehlt. Das alles wäre womöglich kein Problem, würde man nur seine Nachbarn kennen.

Das Berliner Start-up-Unternehmen nebenan.de möchte das ändern. Auf dem vor knapp einem Jahr gegründeten Portal können ausschließlich Nachbarn eines Stadtteils oder sonstigen begrenzten Gebiets zueinanderfinden, sich kennenlernen, gemeinsame Dinge unternehmen und sich aushelfen. Ziel sei es, dass sich jeder „sein eigenes kleines Netzwerk gründen kann“, sagt Ina Brunk, Mitbegründerin und Sprecherin des Portals, im Gespräch mit unserer Redaktion.

500 Nachbarn in Osnabrück

Zehn Gebiete in Osnabrück mit rund 500 „aktiven“ Nachbarn sind derzeit bei nebenan.de gelistet: Darum/Gretesch/Lüstringen (3 Nachbarn, aktiv seit dem 24.10.2016), Dodesheide (3, 08.11.2016), Haste (11, 21.10.2016), Neustadt (59, 05.09.2016), Pye (48, 21.09.2016), Schinkel-Nord-Ost (38, 10.10.2016), Sonnenhügel (8, 08.11.2016), vordere Wüste (124, 05.09.2016), Westerberg-Ost (152, 05.09.2016) sowie Widukindland (57, 10.10.2016). Im Landkreis Osnabrück hat die Plattform bislang nicht Fuß gefasst. In Niedersachsen sind bislang 13 Städte gelistet.

Wer sich auf der Plattform registriert hat, kann weitere Nachbarn einladen. Die Zettel, die manche Osnabrücker in ihrem Briefkasten vorfanden, wirken persönlich und beginnen mit „Hallo liebe Nachbarn in XY, wir würden uns freuen, mehr mit euch in Kontakt zu treten“. Die Nachricht endet mit „Euer Nachbar XY“.

So persönlich, wie die Einladungszettel wirken, sind sie nicht. Jeder registrierte Nachbar kann sich die Vorlage als PDF herunterladen und in seiner Nachbarschaft verteilen. Registrierte Nachbarn können ferner per E-Mail und Link andere einladen.

Konkurrenz zu Facebook & Co.

Wozu nebenan.de, wenn es Facebook mitsamt vieler lokale Gruppen gibt? Zudem gibt es bereits ähnliche Nachbarschaftsplattformen wie nachbarschaft.net und wirnachbarn.com. Neu ist die Idee des Berliner Unternehmens also nicht. „Facebook ist vor allem ein Netzwerk von Menschen, die sich schon kennen“, sagt Brunk. Und sei das nicht der Fall, wisse man nicht, wer sich hinter den vielen Fantasienamen verstecke. „Bei uns muss man sich mit seinem richtigen Namen anmelden“, sagt Brunk. „Das ist ein anderes Miteinander.“ Hundertprozentig garantieren könne sie aber nicht, dass sich alle Mitglieder mit ihrem korrekten Namen registrieren.

Kostenloses Angebot

Das Angebot ist kostenlos. Bleibt die Frage, womit die Macher ihr Geld verdienen und die Seite finanzieren. Auf der Plattform steht: „Wir geben personenbezogene Informationen niemals an Werbetreibende und an Dritte weiter.“ Keine Daten würden an Dritte verkauft.

Bislang finanziere sich das Unternehmen durch aufgenommenes Kapital, sagt Brunk. „Ziel ist es, langfristig alle Akteure einer Nachbarschaft in die Plattform einzubinden.“ Bislang können sich nur Privatpersonen anmelden. Künftig will die Plattform auch etwa Gewerbetreibende einbinden. Diesen könnten dann eine Art Mitgliedsbeitrag oder für Werbung zahlen. „Wie genau wir es machen, steht noch nicht fest, das müssen wir nun ausarbeiten“, sagt Brunk. Diese Option werde jedoch frühestens in einem Jahr Realität. „Für Privatpersonen bleibt es jedoch kostenlos.“


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