21.11.2016, 18:05 Uhr

Denkmalschutz macht Probleme Investor für Osnabrücker Melanchthonkirche gefunden


brab Osnabrück. Die Zukunft der 2015 entwidmeten Melanchthonkirche in Osnabrück bleibt ungewiss. Die Südstadtkirchengemeinde hat zwar einen möglichen Investor gefunden. Doch der Denkmalschutz macht Probleme.

Ein Termin Anfang November hätte eigentlich Klarheit darüber bringen sollen, wie das frühere Gotteshaus auf dem Kalkhügel künftig verwendet werden kann. Doch nach dem Treffen der evangelisch-lutherischen Gemeinde mit dem niedersächsischen Amt für Denkmalpflege und dem landeskirchlichen Amt für Bau- und Kunstpflege steht fest, dass überhaupt nichts feststeht.

Immerhin gebe es jetzt jemanden, der sich ernsthaft für eine profane Weiternutzung der Melanchthonkirche interessiert, teilte die Südstadtkirchengemeinde auf Nachfrage unserer Redaktion mit – ohne dabei nähere Angaben zu dem potenziellen Investor zu machen. Genaue Pläne habe der Interessent auch noch nicht vorgelegt. Schließlich sei ihm nicht klar, welche Umbauten der Denkmalschutz zulasse. Ein Dilemma: Denn ohne das Konzept hinreichend zu kennen, wollen die Denkmalschützer nicht sagen, was geht und was nicht.

„Katze beißt sich in den Schwanz“

Pastorin Renate Jacob zeigt sich enttäuscht über den mangelnden Fortschritt der Verhandlungen: „Die Katze beißt sich in den Schwanz: Die Behörden wollen erst etwas entscheiden, wenn konkrete Pläne vorliegen, und der Investor will erst konkreter werden, wenn er klare Richtlinien hat. Schließlich verursacht ihm bereits die Ausarbeitung der Pläne Kosten.“ Geschäftsführer Ulf Jürgens bestätigt, dass die dreistündige Sitzung mit dem Denkmalschutz vorige Woche die Gemeinde kaum weitergebracht hat.

So bleibt die Melanchthonkirche, die auf einem wertvollen 7500-Quadratmeter-Grundstück steht, vorläufig ein teurer Klotz am Bein. In einem früheren Gespräch mit unserer Redaktion hatte Jürgens noch betont, dass die Südstadtkirchengemeinde das verschmähte Gebäude dringend loswerden möchte. Eine Instandhaltung auf eigene Kosten komme nicht infrage. Zugleich ist ein Abriss der 1962/63 erbauten Melanchthonkirche unmöglich. (Weiterlesen: Ex-Pastor protestiert nach Kirchenentwidmung: Osnabrücker Melanchthongemeinde wurde kaputtgespart)

Investor muss Hausaufgaben machen

Bauamt und Denkmalschutz sehen jetzt den Investor in der Pflicht, zunächst ein Konzept vorzulegen. „Hausaufgaben machen“, nennt Jürgens das. Anschließend soll entschieden werden, was an dem Baudenkmal verändert werden darf. Dabei spielen besonders der Brandschutz und die Parkflächen eine wichtige Rolle.

Eine gastronomische oder wirtschaftliche Nutzung sei jedenfalls nicht erwünscht, heißt es, da die Kirche in einem Wohngebiet liegt. Vom Tisch sei auch eine Nutzung des Gebäudes als Kolumbarium – ein Aufbewahrungsort für Urnen von Verstorbenen, wie es ihn in Osnabrück sonst nur in der Kirche der katholischen Gemeinde Heilige Familie am Schölerberg gibt. „Der Umbau der Melanchthonkirche zur Kolumbariumskirche müsste von der Südstadtkirchengemeinde selbst getragen werden. Das ist einfach nicht möglich“, erklärt Geschäftsführer Jürgens.

Orgel und Glocke zu verschenken

Als weiterer Stolperstein erweist sich ein Abbau der Orgel. Die Südstadtkirchengemeinde ist bereit, das Instrument umsonst abzugeben, um es vor dem Verfall zu retten. Nach Informationen unserer Redaktion hatte das Landeskirchenamt einer Übergabe an die Kirchengemeinde Wissingen auch schon zugestimmt. Die Denkmalpflege aber legte Widerspruch ein, da die Orgel eine Maßanfertigung für die Melanchthonkirche war. Sie bleibt also zwangsläufig ebenso an Ort und Stelle wie die Glocke aus dem Kirchturm. Auch die würde die Gemeinde sogar verschenken. Interessenten gibt es aber bisher nicht.

Bis zum möglichen Verkauf der Melanchthonkirche an einen Investor dient das Gebäude nun immer mal wieder anderen Einrichtungen als Provisorium. Zunächst wurde es übergangsweise vom Emma-Theater genutzt. Seit Kurzem ist hier ein Kleiderlager der Flüchtlingshilfe untergebracht. Miete können die beteiligten Bürgervereine Eversburg und Nord-West nicht zahlen. Die Nebenkosten für Wasser, Strom und Gas übernimmt das Diakonische Werk.


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