21.11.2016, 15:04 Uhr

Essensreste bis zur Hüfte Tatortreinigerin putzte Messiewohnungen in Osnabrück


Osnabrück. Über Jahre vermüllten mehrere Wohnungen eines Mannes in Osnabrück. Vor Kurzem nahm sich die Münsteraner Tatortreinigerin Antje Große-Entrup mit ihrem Team die Messiewohnungen vor. Zeitungen und Essensreste stapelten sich bis zur Hüfte.

Es handelte sich um ein Reihenhaus, zwei Wohnungen und zwei Garagen. Um sie zu putzen benötigten die Tatortreingerin Antje Große-Entrup und ihr Team eine ganze Woche.

Deutschlandweit unterwegs

Große Entrup ist staatlich anerkannte Desinfektorin und mit ihrer Firma „Schendel Tatortreinigerin“ bei Münster auf die Reinigung von Tatort-, Unfall- und Leichenfundorten spezialisiert. Bundesweit ist ihr 15-köpfiges Team aber auch bei Messiewohnungen und Fällen von „Animal Hoarding“ („Tierhortung“) im Einsatz. In Osnabrück habe sie im Moment ein bis zwei Messie-Fälle. Je nach Schwere der Verschmutzung brauche sie oft ein bis mehrere Tage für eine Wohnung.

Zeitungen und Essensreste

Im Falle der Osnabrücker Messiewohnungen fand sie Zeitungen und Essensreste vor, die „bis zur Hüfte hoch über mehrere Etagen“ reichten, wie die 44-Jährige unserer Zeitung sagte. Der Grad der Hortung sei noch nicht zu schlimm gewesen. Die Wohnungen und Garagen sollen einem älteren Mann um die 70 Jahre gehören. Er wird nach einem Schlaganfall betreut. Viele Jahre soll er zuvor allein gelebt haben. Er sei nicht mehr in der Lage gewesen, ein eigenständiges Leben zu führen. Der derzeitige Betreuer des Mannes war es, der die Tatortreinigerin engagierte und mit ihr zusammen die Wohnung vor einigen Wochen besichtigte.

Sie habe dann gesehen, dass der Müll über Jahre nicht mehr weggeräumt worden war, Zeitungen waren meterhoch liegen geblieben. „Wenn dieser Kreislauf einmal begonnen hat, geht die Verdreckung relativ schnell“, weiß Große-Entrup. „Dann sammeln sich in zwei Jahren große Massen an Zeitungen und Müll an.“

Viele männliche Messies

Der Großteil der Messies, gut 85 Prozent, seien Männer , sagte die Tatortreinigerin unserer Zeitung. Sie habe schon Wohnungen vorgefunden, in denen sich Berge von Alkoholflaschen oder Lebensmittelreste angesammelt hätten, in anderen meterhohe Fäkalienschichten. Manche Messies hätten Pizzakartons oder Tetrapacks gestapelt. Zuletzt säuberte sie eine Wohnung, in der sich leere Kaffeeverpackungen 1,80 Meter hochtürmten. Aber nicht alle Fälle hätten mit Müll und Dreck zu tun. Manche Messies würden unter Kaufzwang leiden und Berge neuer Kleidung horten.


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