16.11.2016, 14:12 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Feier imFlüchtlingshaus Schweiger und Pistorius eröffnen Kita in Osnabrück


Osnabrück. „Ich bin da, das ist wunderbar“, sangen Kinder im Osnabrücker Flüchtlingshaus und begrüßten damit Til Schweiger. Der Schauspieler war zur Eröffnung des zum Großteil aus seiner Stiftung finanzierten Kindertagesstätte zum Natruper Holz gekommen.

„Lange Reden sind nicht dein Ding“, meinte der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius, der Til Schweiger für dessen Engagement in der Erstaufnahmeeinrichtung dankte: „Kurze vielleicht auch nicht“. Aber dann hatte Schweiger doch etwas zu sagen, auch ohne vorbereitete Rede.

Als er vor einigen Jahren erfahren habe, dass in Deutschland drei Millionen Kinder unterhalb der Armutsgrenze leben, sei die Idee zu einer Stiftung entstanden, die vor allem die Bildungschancen dieser benachteiligen Kinder verbessern solle. Durch den enormen Zuzug der Flüchtlinge habe er die Til-Schweiger-Foundation schneller gegründet als geplant.

Hilfe für benachteiligte Kinder

Der Filmemacher betonte, dass seine Stiftung nicht allein Flüchtlingskindern, sondern generell benachteiligten Kindern in Deutschland zu besseren Chancen verhelfen wolle: „Da ist es mir scheißegal, ob die Kinder Deutsche sind, einen Migrationshintergrund haben oder als Flüchtlinge gekommen sind.“

Über zwei Millionen Euro habe seine Foundation inzwischen eingesammelt: „Aber der Wind hat sich gedreht in Deutschland. Es ist schwerer, an Geld zu kommen.“ Wenn jetzt aktuell über seine Hilfe für Flüchtlinge berichtet werde, werde seine Facebook-Seite schnell mit Hasskommentaren überschwemmt. „ Schweiger appellierte an alle, „hört nicht auf zu helfen.“ Die Menschen, die hier seien, müssten integriert werden, „wir können sie nicht wieder rausschmeißen.“

Terroristen schüren Hass

Zugleich müsse Deutschland aber aufpassen, wen es ins Land lasse. Er habe sich vor ein paar Monaten nicht vorstellen können, dass der sogenannte IS Terroristen als Flüchtlinge einschleuse, die wiederum den Hass auf Flüchtlinge schürten und verunsicherte Geflüchtete in die Arme der Fanatiker trieben: „Die Situation ist brandgefährlich.“

Sichtlich gerührt nahm Schweiger vom singenden Empfangskomitee ein Bild entgegen, das alle Kinder mit bunten Fingerabdrücken unterzeichnet hatten, ehe er die Kindertagesstätte offiziell eröffnete. In zwei Räumen können dort täglich bis zu 50 Kinder in zwei Gruppen von je zwei Erzieherinnen betreut werden. Auch Musikinstrumente stehen für sie bereit. An der musikalischen Früherziehung der Kleinen ist vor allem Schweigers Unterstützer Thomas D. von den Fantastischen Vier interessiert.

Bares für eine Musikanlage

Mehr als 500 000 Euro steckt die Til-Schweiger-Foundation nach Auskunft ihres Gründers in das Osnabrücker Flüchtlingshaus. Auf dem Gelände soll noch ein Fußballplatz entstehen. Bereits im März hatte ein Fitnessraum eröffnet, für den die Stiftung Geräte gekauft hatte.

Bei einem Besuch in der Muckibude führte Trainer Ali Bergmann ein paar Übungen vor. Das Training funktioniere aber noch besser mit Musik, meinte der mit einer Deutschen verheirateten Libanese. Schweiger zog daraufhin vier 50-Euro-Scheine aus der Tasche seines Parkas. Wunsch erfüllt.

Rückgrat bewiesen

„Es ist ein großartiger Tag“, sagte Innenminister Boris Pistorius, der Schweiger für dessen Engagement in seiner Heimatstadt dankte. Pistorius hatte vor einem Jahr Schweiger auf Hilfsmöglichkeiten in der Erstaufnahmeeinrichtung des Landes aufmerksam gemacht. Schweiger habe allen Anfeindungen zum Trotz Rückgrat beweisen und den Skeptikern gezeigt: „Ich tue etwas, weil ich es will und weil ich es kann.“

Viele Kinder werde die Zeit im Osnabrücker Flüchtlingshaus, wenn auch nur für einige Wochen oder Monate, für ihr Leben prägen, und es werde ihnen helfen, sich bei uns besser und schneller zurechtzufinden: „Sie dürfen hier toben, singen, Spaß haben und einfach Kind sein, darum geht es.“

Gelassen reagieren

Auch Pistorius warnte angesichts wachsenden Populismus davor, „denen das Mikrofon zu überlassen, die laut schreien“. Alle Andersdenkenden seien aufgefordert, ihren eigenen Standpunkt deutlich zu vertreten.

Eine Freundin habe ihm geraten, gelassen auf Pöbler zu reagieren, meinte Schweiger: „Die schaden doch nur sich selbst.“ Auf eine Frage, ob er nicht auch diesen Unverstandenen in der Republik helfen wolle, gab es eine typische Schweiger-Antwort: „Ich bin nicht der Dalai Lama.“


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