16.11.2016, 13:56 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Antwort des Investors Weiter Schweigen über Centerbau am Osnabrücker Neumarkt

Dieses Modell zeigt, wie das Einkaufszentrums aussehen könnte, das am Neumarkt entstehen soll. Foto: David EbenerDieses Modell zeigt, wie das Einkaufszentrums aussehen könnte, das am Neumarkt entstehen soll. Foto: David Ebener

Osnabrück. Centerinvestor Unibail Rodamco hat nach eigenen Angaben „gute Fortschritte“ bei der Planung des Einkaufszentrums in Osnabrück gemacht, nennt aber weiterhin keinen Termin für den Baubeginn.

Auf Anfrage der BOB-Fraktion im Osnabrücker Stadtrat legte Oberbürgermeister Wolfgang Griesert dem Rat am Dienstagabend einen an ihn gerichteten Brief des Centerentwicklers vor. Darin schreibt der Geschäftsführer von Unibail Rodamco Germany, Ulrich Wölfer: „Wir arbeiten hart an der baldigen Realisierung unseres Projektes. Dabei haben wir in allen Bereichen in den letzten Monaten gute Fortschritte gemacht.“ Es habe „erfolgversprechende Gespräche“ auf der wichtigen Immobilienmesse Expo Real im Oktober in München gegeben, weitere Gesprächstermine seien für die Messe Mapic in Cannes in dieser Woche (16. bis 18. November) vereinbart.

Mietersuche ist schwieriger geworden

Wölfer verhehlt nicht, dass die Suche nach Ankermietern schwerer geworden ist: „Europaweit lässt sich jedoch zurzeit feststellen, dass nahezu alle Retail-Konzepte aktuell mit ihren Expansionen zurückhaltend sind.“ Mit Retail-Handel ist der Handel für den Endverbraucher gemeint, im Gegensatz etwa zum Großhandel. Zum Abschluss von Mietverträgen bedürfe es heute deutlich mehr Abstimmungen als noch vor wenigen Jahren, heißt es weiter in dem Brief Wölfers. „Wir können Ihnen daher erst nach Abschluss dieser projektvorbereitenden Arbeiten einen genauen Termin zum Beginn des Abbruchs benennen.“

Alternativplanung?

Unibail Rodamco strapaziert die Geduld der Stadtväter schon seit über einem Jahr. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert hatte im September von Unibail Rodamco gefordert, bis November einen Zeitplan vorzulegen. Andernfalls werde er dem Rat den Vorschlag machen, die Erarbeitung einer Alternativplanung für den Neumarkt auf den Weg zu bringen. Zu diesem etwaigen Plan B will der Oberbürgermeister öffentlich nichts sagen. Griesert teilte am Mittwoch auf NOZ-Anfrage mit: Solange Unibail Rodamco die Vereinbarungen im Durchführungsvertrag beachte, selbst keinen Bedarf sehe, über eine „grundsätzlich andere Entwicklung nachzudenken“, und der Rat der Verwaltung keinen Auftrag zur Entwicklung einer Alternative gebe, werde die Verwaltung „denkbare Planungsalternativen nicht öffentlich diskutieren“. Das gebiete die Treue- und Sorgfaltspflicht der Stadt gegenüber der Projektgesellschaft. Ein Gespräch zwischen ihm, Griesert, und Unibail-Chef Wölfer, sei vereinbart gewesen, habe aber wegen einer Erkrankung Wölfers abgesagt werden müssen.

Den vorhabenbezogenen Bebauungsplan 600 und den Durchführungsvertrag hat der Rat schon 2014 verabschiedet. Zurzeit sind noch Normenkontrollklagen gegen den Bebauungsplan beim Verwaltungsgericht anhängig, sodass die dem Investor vorgegebenen Fristen für Baubeginn und Fertigstellung des 130-Millionen-Projektes noch nicht greifen.

Platzgestaltung kann trotzdem beginnen

Wölfer äußert in seinem Brief Verständnis, dass die von der Stadt geplante Neugestaltung des Neumarktes eng mit der Umsetzung des Center-Projektes abgestimmt werden muss. Große Teile der Neumarkt-Gestaltung könnten aber aus seiner Sicht unabhängig vom Einkaufszentrum realisiert werden. Für die Bereiche, wo sich Platzgestaltung und Centerbau berühren, könnten die Bauabläufe „in unterschiedlichen Szenarien“ abgestimmt werden.

Vandalismus

Unibail-Chef Wölfer bedauert, dass die leer stehenden Ladenlokale im geplanten Centergebiet zeitweise einen verwahrlosten Eindruck machten. Die Fronten hätten zum wilden Plakatieren und zu Vandalismus verleitet. Wölfer: „Unser Hausmeister kontrolliert hier regelmäßig und beseitigt aufgebrachte Plakate. Zusätzlich werden wir nun auch die Fenster der leer stehenden Mieteinheiten mit Center-Motiven bekleben.“

Eine Wiederöffnung des Wöhrl-Parkhauses an der Seminarstraße lehnt Wölfer ab. Das sei „nicht sinnvoll darstellbar“. Unibail sei bereit, der benachbarten Katholischen Familienbildungsstätte zur eigenen Nutzung bis zu 50 Stellplätze auf befestigten Flächen an der Seminarstraße und der Großen Rosenstraße kostenlos zur Verfügung zu stellen.

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