15.11.2016, 16:57 Uhr

Ensemble-Netzwerk Bühnen-Künstler sprechen mit Politikern

Sprachen mit zwei Landtagsabgeordneten über ihre Sorgen: die Osnabrücker Schauspieler Valentin Klos und Maria Goldmann. Foto: Thomas OsterfeldSprachen mit zwei Landtagsabgeordneten über ihre Sorgen: die Osnabrücker Schauspieler Valentin Klos und Maria Goldmann. Foto: Thomas Osterfeld

Osnabrück. Landauf, landab informieren gerade Bühnenkünstler Politiker über ihre Arbeitsbedingungen, so auch in Osnabrück. Das neue Ensemble-Netzwerk hat dazu aufgerufen.

1100 Euro netto am Berufsanfang, bis zu 1800 Euro netto nach ein paar Jahren am Stadttheater Osnabrück: Dass Bühnenkünstler zu den schlechteren Verdienern in Deutschland gehören, ist ihnen nichts Neues. Auch Maria Goldmann und Valentin Klos , sie seit fünf Spielzeiten dabei, er Berufsanfänger im Osnabrücker Ensemble, haben sich auf diesen geringen Verdienst eingelassen. Doch dass sich seit einigen Jahren auch die Arbeitsbedingungen verschlechtern, macht viele ihrer Kollegen ratlos. Weil sie, zugespitzt formuliert, vor Arbeitsdruck und Zeitmangel manchmal nicht wissen, ob das noch Kunst ist, was sie auf die Bretter bringen oder schon Fahrlässigkeit. Nicht nur in Osnabrück – das Phänomen existiert bundesweit. Deshalb ist im Februar 2015 das Ensemble-Netzwerk aus der Taufe gehoben worden. Treibende Kraft sind Künstler vom Staatstheater Oldenburg.

Kampf um die Zukunft

Bühnen kämpfen seit Jahren mit sichtbar gesteigertem Angebot an Produktionen um ihr Publikum und ihre Zukunft. Zugleich sind viele Ensembles kleiner geworden, weniger Künstler müssen also die größeren Produktionsmenge bewältigen, oft zu Lasten von Ruhezeiten und Freizeit. Auch von Außen stehen Bühnen mehr unter Druck, weil finanzklamme Kommunen sich für die hohen Ausgaben für die Stadttheater rechtfertigen müssen – und den an sie zurückgeben. Das Ensemble-Netzwerk ermutigt dazu, über all dies nicht länger zu schweigen.

Auf der ersten bundesweiten Versammlung der Vereinigung im Mai wurde deshalb eine Idee geboren: „40 000 Theatermitarbeiter/innen treffen ihren Abgeordneten“ heißt die Aktion. Dafür wurde der 14. Oktober auserkoren, Symboltag für die Aufnahme der deutschen Theater- und Orchesterlandschaft ins immaterielle Kulturerbe. Die Osnabrücker Künstler haben noch Kommunalwahl und eventuelle Neubesetzung von Wahlämtern abgewartet, nun aber erste Gespräche geführt.

„Prekäre Arbeitsverhältnisse“

Valentin Klos und Maria Goldmann haben gemeinsam Burkhard Jasper und Volker Bajus getroffen, um ihnen Einblicke in den Arbeitsalltag am Theater zu geben. Jasper arbeitet für die CDU im Landtag, Bajus für Bündnis 90/Die Grünen. „Beide waren offene, angenehme Gesprächspartner“, erzählt Valentin Klos. „Beide haben sich zum Osnabrücker Theater bekannt und betont, wie wichtig das Stadttheater für Osnabrück sei“, ergänzt Marie Goldmann.

Überrascht waren aber auch beide Politiker über die niedrigen Erstlingsgagen von Künstlern. „Das sind prekäre Arbeitsverhältnisse“, betonte Volker Bajus auf Anfrage. Burkhard Jasper lobte das Gespräch, das ihn sehr gefreut habe und er gern fortsetzen wolle, als „sehr offen, ehrlich und fruchtbar“. „Das ist ein Beruf mit hohem Engagement und keiner, mit dem man viel Geld verdienen will“, sagt er. Volker Bajus will auf der Osnabrücker Stadtebene versuchen, „die untere Lohngruppe der Künstler etwas anzuheben.“ Sein Osnabrücker Kollege Frank Henning , für die SPD im Landtag, hat mit Oskar-Schauspielerin Johanna Franke und Schauspiel-Theaterpädagoge Simon Niemann gesprochen. Auch Henning habe verwundert auf die Arbeitsrealität am Theater und Vertragsformen, die den Mindestlohn umgehen, reagiert, berichtet Niemann. Man habe beiderseits voneinander gelernt und wolle in drei Punkten weiter am Ball und im Gespräch bleiben: Die kontinuierliche Förderung vom Land sollte angehoben, die Arbeitszeit von Bühnenkünstlern erfasst und Tariferhöhungen angesteuert werden.

Lisa Jopt , Schauspielerin am Staatstheater Oldenburg und Mitinitiatorin des Ensemble-Netzwerks, geht derweil schon den Weg durch die Ausschüsse: „Mitte November geben wir einen Packen von Anträgen auf den Weg: Reduzierung der Wochenarbeitszeit, Schutz von Schwangeren oder Ensemblesprechern vor Nichtverlängerung, Gleichbehandlung von Männern und Frauen“, nennt sie einige der Anliegen. Über höhere Gagen und wie die neu gestaffelt werden könnten, sprechen die Netzwerker gerade mit dem Tarifausschuss des Deutschen Bühnenvereins. Es scheint also Bewegung ins Künstler- Arbeitsleben am Theater zu kommen.


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