11.11.2016, 15:35 Uhr

Engagiert und ehrgeizig Start-Stiftung fördert Syrerin in Osnabrück


brab Osnabück. Seit 2007 unterstützt die Start-Stiftung mit zahlreichen Aktionen, junge Migranten in Niedersachsen bei der Integration. Eins der Stipendien zu ergattern, ist alles andere als einfach. Awin Meao aus Osnabrück hat es geschafft.

Sie ist eine von 19 jungen Zuwanderern , die es in den Stipendiatenjahrgang 2016/2017 in Niedersachsen geschafft haben. Die Start-Stiftung ist ein Projekt der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung mit Sitz in Frankfurt am Main. Awin kam 2011 mit vier Geschwistern und ihren Eltern aus Syrien nach Deutschland – ohne ein Wort Deutsch zu können . Nach einem kurzen Zwischenstopp im Grenzdurchgangslager Friedland, wurde ihrer Familie Wohnraum in Osnabrück vermittelt. Die 21-jährige hat die Stadt kennen und lieben gelernt: „Ich fühle mich hier sehr wohl. In anderen Städten ist das nicht so. Besonders wenn ich mich länger woanders aufhalte.“

Fünf Jahre später spricht sie nahezu fließend Deutsch. Inzwischen besucht sie die Berufsfachschule Marienheim in Sutthausen und macht eine schulische Ausbildung zur Sozialassistentin. An zwei Tagen pro Woche arbeitet sie in der Matthäus Kita in Dodesheide. Der Job gehört ebenfalls zur Ausbildung.

Erwartungen übertroffen

Ihre Deutsch- und Sportlehrerin Karin Sager spricht von einer unglaublichen Entwicklung: „Awins Ehrgeiz und Engagement sind zu bewundern. Ich hole mir oft Tipps von ihr, wie ich anderen syrischen Schülern etwas erklären kann.“ Mit einem Realschulabschluss von 2,0, hat sie den Mindestschnitt von 3,0 für die Ausbildung, weit übertroffen. Ihre Lieblingsfächer sind Sport – dabei fühlt sie sich einfach wohl – und Deutsch. Besonders die deutsche Grammatik hat es ihr angetan. „Es ist schwer, aber interessant sich damit zu beschäftigen.“ Eine Begeisterung, die vermutlich die wenigsten ihrer Mitschüler teilen.

2015 wurde sie durch ihre Arbeit bei der Caritas Osnabrück auf die Start-Stiftung aufmerksam. Bei der Caritas hilft sie bereits seit 2012 Migranten, die die Sprache noch nicht so gut beherrschen, bei der Übersetzung von Formularen und gibt Nachhilfe. Eindeutig ein Pluspunkt für die Bewerbung bei der Stiftung. „Einen kompletten Lebenslauf, Urkunden und Zeugnisse von der Caritas, dem Sprachkurs vom Berufsschulzentrum Westerberg und vom Jobcenter, musste ich für die Bewerbung einreichen,“ erklärt Awin. Auch das Zeugnis für ihren Realschulabschluss hat sie vorgelegt.

Zugang zum deutschen Bildungssystem

Der Aufwand hat sich ausgezahlt: Bis zu ihrem 22. Lebensjahr erhält sie eine finanzielle Förderung von der Stiftung. Ein Teil der monatlich anfallenden Kosten von 90 Euro für ihre schulische Ausbildung gehört dazu. Außerdem hat Awin die Möglichkeit regelmäßig an Seminaren teilzunehmen. Dort lernt sie nicht nur die anderen Stipendiaten kennen. Schulungen zum selbstbewussten Auftreten oder zur richtigen Technik bei Präsentationen gehören ebenfalls dazu. „Solche Kurse sollten im Schulalltag auch angeboten werden,“ sagt Sager.

Laut Pressemitteilung der Stiftung profitieren derzeit 710 Stipendiaten in 14 Bundesländern vom Start-Schülerstipendium. Mittlerweile ist es die größte Bildungsinitiative für Jugendliche mit Migrationshintergrund in Deutschland. Geschäftsführer Michael Okrob zeigt sich begeistert von der Menge an motivierten jungen Menschen, die einen Schulabschluss in Deutschland zum Ziel haben. Vor dem Hintergrund vergangener Schicksalsschläge möchte er einen einfacheren Zugang zum deutschen Bildungssystem ermöglichen.

Für ihr Leben in Deutschland hat Awin klare Ziele vor Augen. Aber ihr ist auch bewusst, dass sie die nur mit der passenden Hilfe erreichen kann. „Ich kann mir vorstellen eine Erzieherausbildung zu machen. Das Fachabi wäre auch eine Möglichkeit. Dann könnte ich im Anschluss studieren. Am liebsten soziale Arbeit.“


0 Kommentare