06.11.2016, 08:00 Uhr

Serie „Kunde und ich“ Osnabrücker Currywurst-Verkäuferin über fiese Kunden


Osnabrück. Bedienungen, Ärzte, Müllmänner, Kassierer – in unserem Alltag haben wir immer mal wieder mit ihnen zu tun, doch selten machen wir Kunden uns darüber Gedanken, wie wir auf sie wirken. Wir haben daher einmal nachgefragt. Teil 13: Imbiss-Verkäuferin

Seit vier Jahren arbeitet Manuela Miklewicz bei „Curry 64“ in der Hansastraße, auf dem Gelände von Hellweg und A.T.U. „Eigentlich wollte ich nur eine Woche für meine Cousine einspringen, doch dann machte es mit den Leuten so viel Spaß, dass ich bleiben wollte“, sagt die gebürtige Osnabrückerin.

Was ist das Schönste an Ihrem Job?

Mein Job ist echt harte Arbeit. Im Winter stehe ich hier mit Thermohose und im Sommer an der Fritteuse bei 62 Grad Celsius. Bei rund 400 Kunden am Tag ist der Job echt abwechslungsreich. Ich würde unsere Stammkunden und meine Kollegen, mit denen ich immer Witze reißen kann, nicht missen wollen. Wir können hier selbstständig und frei arbeiten.

Unsere Kunden fragen uns oft: „Was habt ihr denn geraucht?“, „Was hattet ihr denn im Kaffee?“ Hier kann man selbst übermüdet und mit schlechter Laune bei der Arbeit ankommen. Nach den ersten verkauften Currywürsten kommt die Lust am Arbeiten von ganz alleine. Wir sind ein richtiger Comedy-Imbiss. Die meisten gehen hier mit einem Lachen wieder weg.

Und, wir haben hier jeden Tag Action vor der Tür — Feuerwehr, Polizei, Unfälle, Krankenwagen, Prügeleien auf der Straße. Es ist ein richtig fordernder Job. Hier bleibt man auf Zack.

Wer kauft Ihre Currywurst?

Ach, wir haben hier alles — vom Bauarbeiter und Trucker bis hin zum VfL-Spieler, Schülern oder Bonzen. Bei mir wird jeder freundlich bedient und geduzt.

Und die sind immer alle nett?

Manchmal sind Kunden mürrisch, biestig und richtig fies, besonders die älteren Herrschaften. Sie kommen an die Theke und ohne ein Hallo heißt es dann: „Bratwurst!“. Wir haben so manchen Meckerkopf!

Die meisten können wir mit ein, zwei flotten Sprüchen „umdrehen“ oder ganz schnell herunterholen. So etwas wie ,Hey, ich bin nicht deine Frau und schlage dich‘, kommt dann schon einmal von uns. Den Meisten kann ich dann ein Lächeln abringen. Die, die sich nicht umkrempeln lassen, kein einziges freundliches Wort über die Lippen bringen und immer unhöflich sind, brauchen auch nicht wiederzukommen.

Sind das schon Ihre schlimmsten Kunden?

Bei Weitem nicht! Manchmal wollen Leute für ihre Currywurst nicht zahlen oder uns herunterhandeln. Und da rede ich nicht von den Hartz-IV-Leuten, sondern von den Schlipsträgern. Die, die selbst wenig haben, geben mehr Trinkgeld als die Manager.

Den Gipfel der Dreistigkeit erreichen wir immer am „Bauerntrampeltag“ [Westfalentag, Anm. d. Redaktion]. Da kommen dann ernsthaft Leute und wollen ihre Styroporverpackung aus dem letzten Jahr zurückbringen und dafür Pfand. Oder sie streiten mit uns, warum sie ihr Brötchen zahlen müssen.

Wir haben auch frauenfeindliche Kunden. ,In der Küche stehen, Würstchen drehen, aber nichts im Kopf`, heißt es dann. Das machen die einmal und nie wieder.

Und was passiert dann?

Ich musste auch schon zwei Platzverweise aussprechen. Einmal hatten wir einen Betrunkenen, der immer auf die Tresen gehauen hat. Er hat herumgepöbelt und das vor kleinen Kindern. Gibt`s nicht! Und unvergessen: Eine Frau hat hier mal eine Krakauer gegessen und lautstark über sie geschimpft. Ein richtiges Fass hat sie aufgemacht! Wir sind sehr langmütig, aber auch wehrhaft. Die kriegt hier nichts mehr. Sie kommt jede Woche wieder, aber die kriegt hier nichts mehr.

Manchmal gibt es auch arge Verständigungsprobleme. Letztens musste ich mit einer Kundin aus dem asiatischen Raum 30 Minuten bei voller Hütte über ihre Bestellung diskutieren. Drei mal Currywurst, drei mal Pommes, drei Bratwürste. Nein, hieß es immer nur. Nein. Nein. Nein. Und am Ende wollte sie dann doch genau das. Danach war ich fertig mit den Nerven. Aber die meisten haben wir im Griff. Unsere Kunden wissen genau, was sie dürfen und was sie nicht dürfen.

Zum Beispiel?

Nicht mit großen Scheinen kommen. Und sie dürfen nicht herummeckern, wenn sie mal Mayo statt Ketchup bekommen. Es wird gegessen, was auf den Tresen kommt. (Sie lacht.) Oder Montagsmorgens ein Schnitzel bestellen. Dann sag ich nur: ,Hör ma, nicht so etwas Schweres am frühen Morgen.‘

Und wer sind Ihnen die liebsten Kunden?

Viele unsere Stammkunden fahren hupend auf den Hof und dann wissen wir schon, was es sein darf. Flirten, Späßchen, nette Komplimente, wie zum Beispiel ,Du schöne Schokopraline!‘, sind mein Arbeitsalltag. Auch für Kunden mit Sorgen und Tränen in den Augen haben wir ein offenes Ohr. Die meisten begegnen uns mit Respekt und sind höflich.

Letztens waren drei Möbelpacker aus Hamburg da. Mit denen haben wir Halligalli gemacht. Sie haben gut gegessen und ihnen hat es geschmeckt. Und das schönste Kompliment kam dann prompt: „Ihr seid der einzige Imbiss in ganz Niedersachsen, mit denen man ein Späßchen machen kann. Wir kommen gerne wieder!“


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