02.11.2016, 16:01 Uhr

Tarifstrategie der Stadtwerke Bestpreis-Abrechnung in Osnabrücker Bussen ab 2018

Werner Linnenbrink ist bei den Stadtwerken Osnabrück für das Mobilitätsangebot verantwortlich. Unter ihm entstand die Smartphone-App „VOS-Pilot“, die in der Digitalisierungsstrategie des kommunalen Verkehrsbetriebs eine zentrale Rolle spielt. Foto: Michael GründelWerner Linnenbrink ist bei den Stadtwerken Osnabrück für das Mobilitätsangebot verantwortlich. Unter ihm entstand die Smartphone-App „VOS-Pilot“, die in der Digitalisierungsstrategie des kommunalen Verkehrsbetriebs eine zentrale Rolle spielt. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Dank moderner Technologie soll Busfahren in Osnabrück künftig nicht mehr kosten als nötig. Die Stadtwerke planen eine Bestpreis-Abrechnung ab 2018. Schon im nächsten Jahr gibt es erste Handytickets und neue Sonderangebote für Senioren und Familien.

Wer mindestens 63 Jahre alt ist, darf in Osnabrück ab 2017 für umgerechnet 1 Euro am Tag Busfahren. Möglich macht das ein neues 63plus-Abo der Stadtwerke. Für Familien wird ein rabattiertes Tagesticket eingeführt. Es soll für zwei Erwachsene plus Kinder gelten – montags bis freitags ab 9 Uhr, sonst ganztägig. Voraussichtlicher Preis: ab 6,60 Euro.

Mit diesen beiden Spezialtarifen wollen die Stadtwerke mehr Menschen zum möglichst dauerhaften Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel bewegen. Zusammen mit dem in der Preisstufe 0 (Osnabrück/Belm) geplanten Kurzstreckenticket, das Busfahrten über vier Stationen zum Preis von 1,50 Euro erlaubt, stellen sie die wesentlichen Neuerungen in dem ab 1. Januar geltenden Fahrscheinangebot dar. (Weiterlesen: Erhöhung der Busfahrpreise in Osnabrück vom Tisch)

Schluss mit dem Tarif-Wirrwarr

Alle drei Produkte, über deren Genehmigung die Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) in den nächsten Wochen entscheiden wird, sind Bestandteil einer umfassenden Tarifstrategie der Osnabrücker Stadtwerke. Im Detail vorgestellt wurde diese jetzt bei den Nahverkehrstagen 2016 in Hamm durch Werner Linnenbrink, Bereichsleiter Mobilitätsangebot.

Seinem Vortrag mit dem Titel „Praxisbeispiel Osnabrück – Strategien und Bausteine einer innovativen Mobilitätswende“ zufolge nimmt der kommunale Verkehrsbetrieb eine „bewusste Preisreduktion in einzelnen Ticketangeboten“ vor, um „Neukunden in Kernsegmenten“ anzusprechen und Gelegenheitsnutzer in Vielfahrer zu verwandeln. Fahrgästen soll es künftig leichter fallen, aus dem Tarifsortiment der Stadtwerke den passenden Fahrschein auszuwählen – je nach dem, ob man zum Beispiel manchmal oder oft unterwegs ist. Zu diesem Zweck werden etwa die Angebotstafeln an den Bushaltestellen übersichtlicher gestaltet. Bei allen Fahrkarten kommt überdies eine aus Sicht der Stadtwerke „konsequente und transparente Namensgebung“ zur Anwendung. (Weiterlesen: Warum Busfahren in Osnabrück nur 1 Euro kosten dürfte)

Busfahrer entlasten, Haltezeiten verringern

Besonders bemerkenswert in der Tarifstrategie ist jedoch der Bereich Digitalisierung. Die Stadtwerke bauen derzeit ein elektronisches System auf, das sowohl den bargeldlosen Verkauf von Handytickets ermöglicht als auch ticketloses Busfahren mit nachgelagerter Bezahlung. Warum? Zum einen, „um allen Kunden, die nicht im Besitz eines Abonnements sind, einen zusätzlichen Service zu bieten und ihnen die ÖPNV-Nutzung so einfach und bequem wie möglich zu machen“, wie Linnenbrink im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt. Zum anderen – und das ist der unternehmerische Vorteil: um zeitraubende Bezahlvorgänge beim Busfahrer zu reduzieren. „Jede Sekunde, die ein Bus rollt anstatt zu stehen, bringt uns wirtschaftlich enorm viel. Da geht es unterm Strich um Millionenbeträge.“ (Weiterlesen: Warum BOB gegen Busspuren in Osnabrück ist)

So werde es bereits 2017 in Osnabrück ausgewählte Tarife als Handyticket geben, kündigt der Stadtwerke-Chef an. 2018 soll eine optionale Bestpreis-Abrechnung auf Tages- und Wochenbasis folgen. Dabei fährt der Kunde zunächst ganz ohne Fahrschein, aber immer zum niedrigsten Kurs. Denn alle Strecken, die er in einem bestimmten Zeitraum mit dem Stadtbus zurückgelegt, werden nach erfolgter Registrierung automatisch erfasst, addiert und erst zum Schluss so in Rechnung gestellt, als hätte der Fahrgast von vornherein das für seine Zwecke günstigste Ticket gewählt.

Fahrschein aus Papier bleibt

Beide neuen Dienste – Handyticket und Bestpreis-Abrechnung – sollen über die hauseigene Smartphone-App „VOS Pilot“ laufen, sagt Linnenbrink. Das Ende des Analogzeitalters im Osnabrücker ÖPNV bedeute die Einführung der digitalen Angebote gleichwohl nicht. „Der Fahrschein aus Papier wird bleiben.“ (Weiterlesen: Braucht Osnabrück eine Ringbuslinie auf dem Wall?)


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