27.10.2016, 13:11 Uhr zuletzt aktualisiert vor

Explosion, Jet oder Meteoriteneinschlag? Lauter Knall in der Region Osnabrück bleibt rätselhaft

Ein lauter Knall hat am Mittwochabend viele Menschen im Landkreis Osnabrück aufgeschreckt. Der Ursprung ist noch ungeklärt. Hier ein Luftbild des Osnabrücker Schlosses. Symbolfoto: Janine RichterEin lauter Knall hat am Mittwochabend viele Menschen im Landkreis Osnabrück aufgeschreckt. Der Ursprung ist noch ungeklärt. Hier ein Luftbild des Osnabrücker Schlosses. Symbolfoto: Janine Richter

Osnabrück/Belm. Ganz Osnabrück diskutiert derzeit über einen lauten Knall, der am Mittwochabend zwischen 20 und 21 Uhr in der Region Osnabrück zu hören gewesen ist. Das Luftfahrtamt der Bundeswehr dementiert, dass es sich um einen Überschallflug gehandelt hat.

„Was war das denn!? Ein super lauter Knall gerade und das ganze Haus hat gewackelt“, schrieb eine Nutzerin in der geschlossenen Facebook-Gruppe „Du lebst schon lange in Osnabrück, wenn ...“. Sie wohnt am Nettebad (Stadtteil Sonnenhügel) in Osnabrück. Auch eine Kommentatorin aus Belm bestätigt, dass sie den Knall gehört habe und ihre Hunde daraufhin verrückt gespielt hätten.

Die Spekulationen zur Ursache drehen sich um Gewitter, mögliche Explosionen bis hin — mit einem entsprechenden Augenzwinkern — zu einer detonierten Kriegsbombe.

Keine Explosion, kein Gewitter

Weder der Polizei noch der Feuerwehr sind in der Region Osnabrück ein Vorfall bekannt, der den lauten Knall verursacht haben könnte. „Es gab keinerlei Explosion oder Sprengung — jedenfalls ist uns nichts bekannt“, sagte ein Feuerwehrsprecher. „Es haben sich auch bei uns keine besorgten Bürger gemeldet“, sagte ein Polizeisprecher.

War es ein Meteoriteneinschlag?

Der diensthabende Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) Markus Eifried kann auch kein Gewitter mit Blitzeinschlägen für Mittwochabend in der Region bestätigen. „Wir haben kein Wetterphänomen registriert, was den Knall verursacht haben könnte“, sagte Eifried. Es könne sich aber beispielsweise um einen Meteoriteneinschlag gehandelt haben. „Diesen würden wir hier nicht registrieren.“ Doch dass ein detonierender Meteor bei Osnabrück durch die Luft gerauscht sei, hält Thomas Grau vom Europäischen Zentrum für Feuerbälle und Meteoriten (ERFM) in Bernau (Brandenburg) für unwahrscheinlich. „Der Überschall eines Meteors wäre im Umkreis von 50 bis 100 Kilometern zu hören gewesen und zuvor hätte es richtig hell am Himmel werden müssen“, sagt Grau. Das Gebiet, in dem der Knall gehört worden sei, sei einfach zu klein.

Waren es Überschalljets?

Nach Lars Ceranna von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover ist es eher wahrscheinlich, dass es sich um Überschalljets gehandelt hat. „Unsere Messstation nördlich von Bremen hat um 20.40 Uhr ein akustisches Signal aus zwei Richtungen aufgezeichnet, was darauf hindeuten könnte“, sagt Ceranna.

Immer wieder verunsichern laute Knalls und damit zusammenhängende Druckwellen, die Häuser erschüttern, die Menschen in der Region Osnabrück. Zuletzt gab es einen solchen Vorfall im Juni 2016 und Dezember 2015 . In beiden Fällen bestätigte das Luftfahrtamt der Bundeswehr anschließend, dass die lauten Geräusche von Kampfflugzeugen der Bundeswehr vom Typ Eurofighter verursacht worden waren, die bei den Flügen Überschallgeschwindigkeit erreicht hätten.

Luftfahrtamt der Bundeswehr dementiert

Auf Nachfrage unserer Redaktion beim Luftfahrtamt der Bundeswehr dementierte ein Sprecher, dass es einen Überschallflug am 26. Oktober über der Region Osnabrück gegeben hätte. „Es konnte zu der von Ihnen angegebene Uhrzeit kein Überschallflug im Umkreis von 42 km um Osnabrück festgestellt werden“, schrieb Hauptmann Maik Bugenhagen unserer Redaktion.

Aus niedersächsischen Behördenkreisen gibt es allerdings die Theorie, dass es sich auch um einen Nato-Flug gehandelt haben könnte, der als geheim eingestuft wird. Dazu Maik Bugenhagen: „Die Flugbetriebs- und Informationszentrale im Luftfahrtamt der Bundeswehr überwacht den militärischen Flugbetrieb über der Bundesrepublik Deutschland auf Einhaltung der flugbetrieblichen Bestimmungen. Dies beinhaltet sowohl nationale als auch internationale militärische Luftfahrzeuge.“

Knall auch nicht durch Straßenbau verursacht

Auch Frank Engelmann vom Regionalen Geschäftsbereich Osnabrück der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr hatte den Knall begleitet von Flugzeuggeräuschen am Mittwochabend gehört. „Und ich kann ihnen versichern, dass dieser Knall definitiv nichts mit dem Bau der Umgehungsstraße Belm oder anderen Straßenbaumaßnahmen zu tun hatte“, sagte er. Einen solchen Krach würden keine Baustelle und kein Rammgerät jeder Art verursachen, und erst recht nicht um diese Uhrzeit.

Somit bleibt der Knall vom Mittwochabend weiterhin ein Rätsel.

Mehr lesen:Warum werden laute Überschallflüge nicht angekündigt?


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