23.10.2016, 15:04 Uhr

Begegnung mit Händen und Herz 12. Nordwestdeutscher Gehörlosentag in Osnabrück

Den Gottesdienst beim 12. Norddeutschen Gehörlosen-Kirchentag im Gehörlosenzentrum in Osnabrück zelebrierte Weihbischof Johannes Wübbe. Foto: Hermann PentermannDen Gottesdienst beim 12. Norddeutschen Gehörlosen-Kirchentag im Gehörlosenzentrum in Osnabrück zelebrierte Weihbischof Johannes Wübbe. Foto: Hermann Pentermann

Osnabrück. Alles andere als still ging es zu beim 12. Nordwestdeutschen Gehörlosen-Kirchentag der Norddeutschen katholischen Gehörlosen-Gemeinden im Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte (LBZH).

Rund 160 Gäste aus mehreren Bundesländern feierten am Samstag mit Weihbischof Johannes Wübbe, Pastor Matthias Köster und Vertretern der Gehörlosenarbeit in den nordwestdeutschen Bistümern Gottesdienst. Und plauderten miteinander. Das direkte Gespräch sei ganz wichtig, sagte Eckhard Meyer, Vorsitzende des Gehörlosenvereins St. Adolf Osnabrück, der mit der katholischen Gehörlosengemeinde St. Johann den Tag vorbereitet hatte. Hürden gebe es noch immer, etwa Bahnsteige, wo es nur Lautsprecherdurchsagen gebe.

Wichtiger Austausch

„Die Gehörlosen kommen alle zwei Jahre zusammen und feiern Gottesdienst – das ist mir wichtig“, sagte Petra Trentmann von der Gemeinde St. Johann. „Wir haben uns lange nicht gesehen, kommen teils aus entfernten Orten.“ Durch den Kontakt über die Gebärdensprache habe sich vieles verbessert. „Früher hat man schlecht über Gehörlose gesprochen, jetzt ist unsere Situation über die Gebärden öffentlicher und wir können es selbstbewusster zeigen.“ Auch Hörgeräte hätten sich enorm entwickelt.

„Über das Internet kann man viel schneller Kontakt aufnehmen.“ Zudem könnten viele Priester jetzt gebärden. „Wichtig ist mir der Kontakt, dass wir uns untereinander in Gebärden austauschen können, aber auch die kirchliche Seite des heutigen Treffens“, sagte Edmund Joachim aus Heiligenstadt, dessen Bruder in Hildesheim lebt. Zu DDR-Zeiten sei der Alltag für Gehörlose schwerer gewesen, seit dem Mauerfall und dank der Gebärden habe sich der Austausch verbessert: „Heute ist die Gebärdensprache anerkannt, es gibt zum Beispiel einen Gebärdenchor“, die Lieder seien so verständlicher.

Starke Körpersprache

In seiner Predigt erinnerte Weihbischof Wübbe an Maria und Elisabeth, forderte, sich die Hand zu reichen und „einander gut zu begegnen“. Seit mehr als 20 Jahren sei er den Gehörlosen verbunden, so Weihbischof Wübbe. „Im Landesbildungszentrum durfte ich einige Jahre als Schulseelsorger mitwirken.“ Den Gottesdienst mit Gebärden „schätzen die Menschen, fühlen sich zugehörig“, betonte Christiane van Melis, im Bistum für die Seelsorge für Menschen mit Behinderung zuständig. Die Ausdrucksstärke über den Körper habe sie als Hörende während der Messe beeindruckt.

Aktive Gehörlose in der Gemeinde hätten in den vergangenen Jahren mit audiovisuellen Elementen die Gottesdienste bereichert, sagte Christoph Plickert, Direktor des LBZH. Es gehe jetzt „gelassener“ zu. Ein Verdienst sei, so Wübbe, miteinander auf Augenhöhe umzugehen. Wichtig seien für Hörbeeinträchtigte „verlässliche Beziehungen. Kommunikation wird wichtiger, aber auch herausfordernder.“ Das LBZH wolle Kindern und Jugendlichen einen Raum geben, ohne sie darauf zu begrenzen. Hörgeschädigte hätten Fähigkeiten, „die bei den Hörenden verschüttet gegangen sind“, so Rita Nolte, beim Caritasverband zuständig für Behindertenhilfe: „Das Direkte, das Emotionale, das deutlich Machen der eigenen Befindlichkeit am Gesichtsausdruck. Wir Hörende verbergen das oft. Davon können wir viel lernen.“

Breites Bildungsangebot

Seit 1971 arbeitet Schwester Christa mit Gehörlosen, lange als Religionslehrerin am LBZH. Nun bietet sie unter anderem im Haus Gemeinschaft Christlichen Lebens in der Lohstraße Weiterbildungen an und dolmetscht. Das Bildungsangebot habe sich stark verbessert. Am Samstag referierte sie zum Jakobsweg, leitete ein Theaterstück über Zacheus und eine Trommelgruppe. „Die Menschen geben mir sehr viel Dankbarkeit und Bestätigung zurück“, begründete sie ihr Engagement. „So ein Tag bedeutet viel Arbeit“, sagte Eckhard Meyer, der sich mehr jungen Vereinsnachwuchs wünscht.

Für 55 Jahre Gehörlosenseelsorge erhielt Schwester Bernarde Blumen.


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