19.10.2016, 18:17 Uhr

Japanischer Forscher in Osnabrück „Justus Möser ist ein großer Denker“


Osnabrück. Justus Möser ist für ihn ein großer Denker. Der japanische Wirtschaftswissenschaftler Tetsushi Harada sieht in den „Patriotischen Phantasien“ des Staatsmanns aus Osnabrück einen „wahren Steinbruch für die Kulturgeschichte der Aufklärungszeit“. Am Donnerstag spricht Harada um 19 Uhr im Zimeliensaal der Universitätsbibliothek über Friedrich List und Justus Möser aus japanischer Perspektive.

Dass Möser in Japan eine Fangemeinde hat, lässt sich schon daran ablesen, dass japanische Wissenschaftler regelmäßig nach Osnabrück eingeladen werden, um hier Vorträge zu halten. Möser wird im Land der aufgehenden Sonne vor allem als Zeitgenosse des dort sehr verehrten Goethe wahrgenommen. Und weil sein Name weniger bekannt ist, werden Bücher über den Osnabrücker Staatsmann und Juristen aus dem 18. Jahrhundert mit einer Bauchbinde versehen, auf der zu lesen ist: „Der Mann, dem Goethe sein ökonomisches Wissen verdankt“. So berichtet es Martin Siemsen von der Justus-Möser-Gesellschaft.

Prof. Harada, der sich an der Kwansei Gakuin Universität in Nishinomiya auf die Politische Ökonomie für Kulturen und Gesellschaften und auf die Geschichte der Gesellschaftslehre konzentriert hat, ist über Friedrich List (1789 bis 1846) auf Möser aufmerksam geworden, wie er gegenüber unserer Redaktion erklärte. List gilt als bedeutender Wirtschaftstheoretiker des 19. Jahrhunderts, als Vorkämpfer der Eisenbahn und des Deutschen Zollvereins. Weitere Berührungspunkte ergaben sich bei seinen Forschungen über die Aufklärung in Europa.

„Ich glaube, dass Mösers Ideen potenziell auch allgemein für Japaner oder die japanische Gesellschaft interessant und bedeutend sind“, sagt Harada und bezieht sich damit auf dessen Rolle in der Aufklärung. Möser sei ein aufklärerischer Denker gewesen, aber er habe seine Ideen weniger radikal vertreten als andere. Damit hätten seine Gedanken auch außerhalb des europäischen Kulturkreises – etwa in Japan – einen fruchtbaren Boden gefunden. In Japan, schränkt der Professor allerdings ein, werde der Staatsmann aus Osnabrück aber oft als „zu konservativ“ empfunden.

Harada bedauert, dass sich das Interesse an Möser in seiner Heimat „noch“ auf einige Fachleute beschränke, die sich der deutschen Wirtschaftsgeschichte, der Germanistik oder – wie er – der deutschen Ideengeschichte widmeten. Er ist überzeugt, dass auch die Menschen von heute noch etwas von dem Mann lernen können, der die „Patriotischen Phantasien“ verfasste. Wer sich mit den 250 Jahre alten Schriften beschäftige, stelle fest, „dass Möser ein sehr grosser Denker ist!“


Möser und die Zeit der „glücklichen Minderjährigkeit“

Er war Staatsmann und Jurist, Schriftsteller und Historiker. Der Osnabrücker Justus Möser (1720 bis 1794) wird von seinen Verehrern als der größte Sohn seiner Stadt gefeiert. Als die Welfen den Knaben Friedrich von York zum Bischof von Osnabrück machten, um sich ihre Macht möglichst lange zu sichern, führte Möser als Vertrauensmann des hannoversch-britischen Königshauses die Geschäfte im Fürstbistum. Diese Epoche ging als die Zeit der „glücklichen Minderjährigkeit“ in die Stadtgeschichte ein. Möser wirkte im Sinne der Aufklärung, seine Politik zielte auf einen Ausgleich zwischen den Konfessionen. Als Historiker machte er sich einen Namen, weil er als erster die Geschichte einer Region schrieb und nicht die Adelshäuser in den Mittelpunkt rückte, wie es vorher üblich gewesen war. 1766 gründete Möser mit seinem Intelligenzblatt die erste Zeitung in Osnabrück.

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